|
Melodie & Rhythmus 7 / 2005 |
|
|
A. Mann |
|
|
Lüttes Lust |
|
|
Angelika Mann mit aktueller CD und vielseitigem Programm |
|
Waltraud Heinze |
||
|
|
Wie bei Daniel Düsentrieb ging bei mir "ne Lampe an, sagt die Lütte und macht über ihrem Kopf mit der Hand eine wirre Drehbewegung, „als ich Frank Golischewski das erste Mal sah!" Da sang er als Hommage für Helen Vita „Der Mond über Berlin". Angelika Mann brauchte neue Lieder und der erfahrene Komponist, Texter, Regisseur und Sänger dort auf der Bühne schien wie geschaffen für sie. Wenig später greift sie kurzerhand zum Telefon und auf Anhieb ist da ein Draht. eine Art Seelenverwandtschaft zwischen dem Mann aus dem Westen und der Mann aus dem Osten. Aus dem Erfinder und Begleiter der „Drei alten Schachteln" wird Lüttes künstlerischer Kompagnon. Seit dem Herbst 2003 singen und swingen die beiden öffentlich miteinander - „Hier kommt zusammen was zusammen gehört". So heißt auch ihre aktuelle CD-, Chansons, Couplets, Gassenhauer mit beziehungsreichen, hintersinnigen Texten. Der Lütten auf den Leib und aus dem Herzen geschrieben: „Der Bauch muss weg", „Die Haut ab 40", „Maria Stuart". „Elfhundertelf Tränen". Claire Waldoffs „Laubenkolonie". Eine Tageszeitung schrieb einmal „Wenn es Claire Waldoff noch nicht gegeben hätte, die Lütte wäre eine geworden"! |
|
|
Ja, sie ist ein Berliner Original. Und wenn man sie im kleinen Haus in Berlin-Rudow besucht, ist es, als käme man nach Hause. „Mensch, gibt's dich auch noch! Ich mach uns gleich mal ein Käffchen." Dazu wird auf der Terrasse Erdbeerkuchen serviert, mit Sahne versteht sich, und drei Stunden vergehen wie im Fluge. 90 Jahre Angelika Mann hat sie 2004 gefeiert - 55 Lebensjahre plus 35 Bühnenjahre. „Mit richtiger Band. war toll, schade, dass man sich das nur noch selten leisten kann." Nun sind's schon 36 Bühnenjahre und 56 Lebensjahre. „Na und", meint die Lütte, „das ist nur "ne Zahl. Im Kopp bin ich immer noch total Mädchen." Sie geht mit ihrer Tochter (Ulrike, 19) zu den Stones und zu Eminem, das ist selbstverständlich. Und man soll sie bloß nicht fragen, wann sie aufhören wird zu singen. Das sei doch wie mit altem Wein ... „Mein Anliegen ist es, die Leute zu unterhalten, mir mit ihnen einen schönen Abend zu machen. Da muss ich mich nicht verstellen, das macht mir Spaß. Ich stehe zu mir, wie ich bin!" Und so wie sie ist, authentisch, pur und pummelig, wird sie vom Publikum geliebt - als Mensch und in allen künstlerischen Facetten als Sängerin, Pianistin, Komödiantin; auf der Theater-. Musical- und sogar Comedy-Bühne (als Sprechstundenhilfe von Dr. Eckart Hirschhausen), während ihrer Bandkonzerte mit den schönen frühen Songs wie „Komm, weil ich dich brauch"', „Mir doch egal" oder „Versuch' es doch mal mit Champagner" und natürlich auch bei den Kindern. Sie ist wahnsinnig gern die Märchenrätselhexe Ratesumbria im Weihnachtsprogramm des ORB und RBB, tritt mit „Rumpelstil" auf oder singt mit Clown Lulu die berühmten Geschichtenlieder von Reinhard Lakomy, mit dem sie eine Ewigkeit befreundet ist. „Stell dir vor", redet sich die Lütte in Rage. „will ich doch bei Saturn am Potsdamer Platz den 'Traumzauberbaum' kaufen zum Verschenken. Aber ich finde die CD nicht, es gibt noch nicht einmal ein Fach für Lacky. Ich frage also: "Wie kann das sein mitten in Berlin?' -"Naja', sagt der Verkäufer, 'das ist ja hier schon der Westberliner Stadtteil!' - Das ist doch ungeheuer. solche Typen sind ferngesteuert!" Anspruch auf Erfolg gebe es nicht, aber mit weniger Ignoranz in der Branche und mehr Aufgeschlossenheit von Multiplikatoren könnte es manchem Künstler (und nicht nur aus dem Osten) besser gehen. Angelika Mann hat keinen Moment gezögert, im Frank-Hille-Forum mitzutun, das nach dem Benefizkonzert für die Beerdigung des bekannten Schlagzeugers gegründet wurde. „Wir haben uns aus traurigem Anlass unserer gemeinsamen Geschichte erinnert. Aber nicht zu spät, wenn daraus jetzt ein Netz geknüpft wird, eine Adresse entsteht für gegenseitige Hilfe." |
||