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Er
sieht gut aus, markantes Gesicht, schlanker Typ, der mühelos in enge
Jeans passt. Die trägt er fast immer und auf der Bühne ein
blütenweißes Hemd. Mich erinnert dieses Outfit irgendwie an einen
Troubadour, den ich mir in schwarzer Hose und weitem weißen Hemd
denke, eine rote Rose zwischen den Lippen.
Arno
Schmidt, der Berliner Liedermacher, hat etwas von einem Troubadour und
ist gleichzeitig weit davon entfernt. Man findet in seinen Liedern den
weichen, melancholischen Ton, das Schwärmen, aber auch
Kompromisslosigkeit, Härte, metallischen Sound. Wer das eine gutheißt,
dieses oder jenes, wird in jedem Konzert mit ihm und seiner Band etwas
herumzumäkeln haben. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, das in
seinem Programm beides zu haben und beides möglich ist.
Dank
seiner exzellenten Musiker ( Frank Seidlitz – Gitarre, Rolf
Hammermüller – Keyboards, Thomas Böhme – Bassgitarre, Eric Schlotter –
Percussion ) hat Arno Schmidt für das, was er derzeit macht, den
maßgeschneiderten Hintergrund gefunden, einen Teppich für die Aussagen
gewissermaßen.
Seine
Aussagen – die wenden sich unserem Leben hier und heute zu.
Ausschließlich. Das sagt sich leicht dahin, aber wer es je probierte,
weiß um die Schwierigkeiten. Wie findet man, wie findet Arno Schmidt
Ton und Sujet für Kunst, die junge Leute in die Klubs zieht ?
Bei
einem Konzert im Berliner Franzklub habe ich beobachtet, das Jungen
und Mädchen bei Arnos Liedern mitwippten, aufmerksam die Texte
verfolgten, zustimmend applaudierten. Geschafft, dachte ich da, ja, er
hat es geschafft.
14
-20jährige bleiben heute nicht anstandshalber im Ball, nur weil sie
Eintritt bezahlt haben. Sie verlassen ohne Zögern den Saal, wenn auf
der Bühne nicht ihre Sache verhandelt wird. Sie lassen sich ihre Zeit
nicht stehlen. Um so höher ist es also zu bewerten, wenn sie bleiben,
neugierig bleiben.
Arno
Schmidt macht es ihnen leicht, ihm näher zu kommen. Er spricht sie an
zwischen seinen Liedern, fordert sie zum Beispiel auf, sich einen
Platz zu suchen, nicht am Rande zu stehen. Vielleicht lässt sich das
Anliegen seine aktuellen Programms am besten so umschreiben: Misch
dich ein, sag was, tu was. Jugendliche Ausschließlichkeit schwingt
dabei mit: Jetzt oder nie ! Alles oder nichts !
Dieses
aktuelle, Schmidts drittes Programm, „Jetzt oder nie“, fordert stärker
heraus als sein erstes, das er noch als Gitarrenduo mit Norbert
Förster vortrug. Das „Hier lebe ich“ hatte seinerzeit beschreibenden
Charakter, war illustriert mit Bildern des Fotografen Bernd Heyden,
und es enthielt einige sehr schöne Lieder. Wenigstens eines von ihnen
„Wiener Cafe“, konnte glücklicherweise auf Schmidts erster Amiga –
Platte ( „Aber fliegen …“ ) übernommen werden.
Zwischen dem ersten und dem heutigen Programm liegt ein mächtiges
Stück Vorwärtsgehen, auch Zugehen auf das Publikum. Der Gitarrensound
war Schmidt, bedingt und angeregt auch durch internationale
Entwicklungen, auf die Dauer zu brav, zu soft. Er suchte sich Musiker,
sparte ( und spart ) mit ihnen auf technisches Equipment. Gemeinsam
probierten sie verschiedenes aus.
Premiere 1986, im Berliner Kino „Babylon“, erstmals mit „Schmidt &
Band“. Der Name des Programms: „Aber fliegen … „.
Mal
sehen, dachten wir, die wir Schmidt als Liedermacher kannten und
anerkannten. Zunächst konnten wir Enttäuschung nicht verbergen.
Gespräche danach. Schmidt spürte die Unzulänglichkeiten selbst. Aber
schnelles Aufstecken liegt ihm nicht. Er bleibt stur.
Kürzlich erlebte ich ihn wieder. Die Einheit zwischen Band und Sänger
ist mittlerweile hergestellt – ein forderndes Verhältnis, kein
statisches, ohne den einstigen Graben zwischen den Musikern und dem
Frontmann. Und so soll es inzwischen auch beim Grübeln über das schon
nächste Programm sein.
Zusammenarbeit, gleichberechtigte, ist groß geschrieben, schließlich
soll die Aussage von allen – Schmidt, der Band, den Technikern, Ed
Stuhler – dem Texter – und jedem einzelnen getragen werden.
Das
Machbare ansteuern, im Leben wie in der Kunst, lautet eine seiner
Devisen. „Das Machbare ist das Notwendige. Zwischen Kontinuität und
Erneuerung werden wir uns weiterhin kontinuierlich um Veränderung
bemühen.“
Das
aktuelle „Jetzt oder nie“ spart in dieser Hinsicht kaum Themen aus:
Ausländerfeindlichkeit, Lehrervorbild, Alkoholismus, der einzelne in
der Gesellschaft. Zu jedem dieser Punkte wären abendfüllende Programme
denkbar, wenn man Nuancen ausleuchtet, in die Tiefe geht. Und so etwas
schwebt ihnen als nächstes vor, unter dem Generalthema: Spannungsfeld
Individuum und Gesellschaft. Welche Rechte und welche Pflichten werden
von jedem Part wie ausgefüllt ?
Erste Probetexte sind geschrieben, die Musiker setzten sich dazu,
sogar Überlegungen zur Bühnenpräsentation existieren schon,
spielerisch noch, voller Spaß und Freude am Entstehen. Für das
Publikum dies alles, natürlich, damit es teilnehmen kann an diesem
Spiel, denn „Ohne die Leute wären wir nichts“ . |