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Wie
einige andere Formationen feiert auch die BABYLON – Band in diesem
Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Das sie bedauerlicherweise nicht
gleichfalls – wie beispielsweise „Reform“ – trotz vieler
Medienproduktionen auch auf mehrere Langspielplatten zurückblicken
kann, hat viele Ursachen, von denen wohl eine der beiden wichtigsten
ist, dass BABYLON ja erst 1979 aus dem Amateurstatus hinüber ins
Profilager wechselte, somit erst halb so alt wie z.B. „Reform“ ist.
Die
andere liegt am Rockgenre selbst, das auch weltweit und zumindest die
Medienpublizistik betreffend, trotz der relativ großen Anhängerschar,
zu den Minderheitengenres gezählt wird und das durch seine Wildheit
und Unbändigkeit nicht immer mit der gebührlichen Aufmerksamkeit und
Achtung bedacht wird. Kurz: BABYLON macht Hard –bis Schwermetallrock
und zählt damit zu der leider nur geringen Zahl von Profi Bands
unseres Landes, die solcherart tun.
Zweifellos wird natürlich auch jeder
wie immer geneigte oder gealterte, ästhetisierte oder
geschmackssichere Redakteur wie Produzent stets sowohl auf die
allgemeinen Unwägbarkeiten dieses Genres hinweisen wie auch auf
womöglich noch vorhandene Mängel oder Unsicherheiten in der
handwerklichen, technischen oder Soundspezifik einer solchen Band.
Aber ohne HM – Neigung, ohne exaltierte Liebhaberei und ohne die
bedingte Bereitschaft, tatsächlich HM zu profilieren, geht es nun
einmal nicht. |
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So
hatte auch BABYLON wohl eine nicht nur kurze zeitliche Distanz lang
mit eigenen und nichteigenen Identifikations- und Gestaltungsproblemen
zu kämpfen, Problemen, die den gerade in diesem Genre so schädlichen
Kompromiss etwa mit einem allzu separaten, sauberen Gesangssound,
einer allzu klinischen Mischung, einem allzu hygienischen bass oder
einem viel zu netten Text zur Folge haben und die zwangsläufig in alle
Popper-Abgründe führen müssen. Glücklicherweise hat BABYLON solche
Unsicherheiten ihrerseits völlig überwunden, wie mir Bandleader und
Bandgründer Dieter Wiesjahn unlängst versicherte und wie ich es vor
allem selbst an „Geisterstunde“ und „Komm gib mir mehr“, den beiden
neuesten BABYLON – Stücken, erhören konnte.
Vorangegangene, z.T. sehr erfolgreiche Stücke wie der Prüfungssong
„Alles Gute“ oder die Fetennummer „He, kommt alle rüber“, aber auch
„In der S-Bahn“ und „Gib Gas und komm“ haben diese Tendenz schon klar
angedeutet, so das es eigentlich kein Wunder ist, wenn sich die Band
heute klar und viel versprechend fixiert zeigt. In jedem Fall
offerieren diese Songs eine professionell strukturierte, klare HM -
Phraseologie, die den aktuellen Anforderungen des Genres voll gerecht
zu werden scheint.
Die
Wendung Superschwerer Hardrock ist daher sowohl eine treffende , von
Dieter Wiesjahn formulierte Bestimmung der eigentlich alten BABYLON –
Neuorientierung wie auch ihr frappanter Slogan, den man neuerlich auf
ihrem Werbematerial vorfindet. Dennoch aber hat der mit einer
außerordentlich soliden, langjährigen musikalischen Ausbildung
versehene BABYLON – Komponist Dieter Wiesjahn mit und vor allem auch
ohne seinen rührigen Org.-Leiter Lothar Heinrich für heute und für die
Zukunft hinreichend zu tun. Gilt es doch, nicht nur den gefüllten
Terminkalender der Band zufrieden stellend abzuarbeiten, sondern auch
eine Menge Proben- und Neueinstudierungszeit zu absolvieren, d.h. den
Slogan immer mehr mit Leben zu erfüllen.
Das
dürfte trotz aller Professionalität noch ein ganzes Stück Arbeit
beinhalten, sicherlich noch an einem immer homogeneren, immer
kompakteren Gruppensound zu arbeiten.
In
Detlef Volquardsen (voc, keyb) hat der BABYLON – Bandleiter zweifellos
einen ersten Partner, der ( insbesondere nicht nur durch den Gros
passabler texte ) eine wesentliche Stütze ist. Aber auch die anderen
BABYLONIER mit Andrej Horvath (g), Carsten Heinrich (dr) und Hubert
Ranft an der Bassgitarre machen einen so guten Eindruck, das es mir
fast müßig erscheint, die Erfolgsliste der Band mit dem wirklich
prächtigen Namen BABYLON herunterzurattern.
Dennoch
dürfte die frühzeitige Auszeichnung mit dem Titel „Hervorragendes
Amateurtanzorchester der DDR“, die Goldmedaille bei den
Arbeiterfestspielen der DDR, die Auftritte in den Fernsehsendungen
„rund“ und „Stop!Rock!“, die Tournee durch die UdSSR, durch Ungarn und
Bulgarien, die Teilnahmen an „Rock für den Frieden“, die
Titelproduktionen auch bei AMIGA der Erwähnung wert sein.
Unter
anderen mit den Stücken „Erde halt die Balance" (Text Kurt Demmler),
„Schwarzer Schnee“ (Text Katharina Koch) und „Monopoli – nie mehr
Krieg“ (Text Kurt Demmler) dürfte BABYLON nicht nur ihre Teilnahme an
„Rock für den Frieden“ einige Ehre gemacht haben, wobei solche noch
unerwähnten Songs wie beispielsweise die „Dschigiten-Legende“, „Der
Typ mit dem Radio“, „Dampfmaschine“, „Heiße Nächte“, „Wilde Träume“
oder „Sommerzeit – wir haben Ferien“ nicht weniger beachtet werden
sollten. Tatsächlich ist so das gesamte BABYLON Repertoire nicht erst
seit gestern nahezu ausschließlich Eigenrepertoire, wenn auch aus
Publikumsrücksichten und Neigung drei Scorpions – Songs sowie ein
AC/CD – Leitsong („Hole Lotta Rosie“) im ständigen Programm enthalten
bleiben. Wer die HM-Liveszene kennt, weiß wie hoch eine solche
Eigenständigkeit eingeschätzt werden muss.
Zehn
Jahre ist BABYLON nun jung, sechs Jahre erst ist sie eine Profi Band
in einem keineswegs einfachen Rockgenre. Ich denke, das die Band das
Meiste und das Beste noch vor sich hat, das hoffentlich auch in nicht
allzu ferner zeit eine BABYLON – LP zu haben sein. Und: Die besten
Wünsche zum Jubiläum !
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