Ballade vom großen und kleinen Bruder

St. Krawczyk

Lyrik

Komp. Stephan Krawczyk

Text: Stephan Krawczyk

 

Zwei Brüder saßen stolz auf ihrem Throne,
ein jeder in dem seinen Vaterland,
der eine groß , der andre auch nicht ohne,
zwei Tagesreisen herrschten sie entfernt .
Der Große lud den zweiten oft zum Kegeln,
er hatte freilich auch den längren Arm,
der Kleine war gelehrig in den Regeln
und durfte gut trainiert nach Hause fahren .
 
Dort rollte er auf eingeschliffenen Bahnen
Die Kugel meistenteils direkt ins Ziel
Und schwebte siegesfroh in Größenwahnen,
woraus er immer weich hinunterfiel .
Sein Diener musste immer Kissen spielen
Und hat er sich dann doch einmal beschwert,
da sprach der Herr mit Blick auf Dieners Schwielen:
Der Große hat´s  mich anders nicht gelehrt´.
 
So ging das fast schon ein halb´ Jahrhundert,
die Kugel rollt , wen auch der Diener fiel,
da lud der Große plötzlich sehr ermuntert
den kleinen Bruder wieder zu dem Spiel .
Als dieser ankam war er sehr befremdet,
der Große schob die Kugel nicht allein,
der hatte mittlerweil´ das Blatt gewendet
und spielte mit dem Diener im Verein .
 
´´Nein , nein , das will ich überhaupt nicht wissen´´,
der Kleine schob den Vorschlag heftig weg.
´´Mein Diener ist ein wirklich gutes Kissen,
wenn er nicht liegt, dann flieg ich in den Dreck.´´
Der Große rückte nun dem Gast zuleibe :
´´Ich fall viel weicher , wenn ich gar nicht fall´.
Ich meine , wenn ich auf dem Teppich bleibe,
hat auch der Diener beide Hände frei.´´
Jetzt fühlte sich der Kleine arg beschissen
Und reiste im Höhenfluge ab,
dann freute er sich auf sein altes Kissen
und stürzte wie gewohnt auf es herab .
Und weiter rollt er auf geschliffenen Bahnen
Er seine Kugel meistenteils ins Ziel
Und schwebte siegesfroh in Größenwahnen
Woraus er immer weich hinunterfiel .

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.