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Melodie und Rhythmus 10 / 1988 |
| Diese Stimme geht unter die Haut |
| Waltraud Heinze |
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Er kam nur als Beigabe im Konzert von Ralf Bursy. Ich erlebte die zwanzigminutige Gastrolle des MICHAEL BARAKOWSKI beim Popfestival in Karl-Marx-Stadt. Doch die reichte, um mir nach Bursys überanstrengten Gebärden den Glauben an natürlichen, ehrlichen Rock `n` Roll wiederzugeben. Der war dann auch nicht mehr zu erschüttern durch nachfolgende deftige – plumpe Rocktümelei Possenspiels … Was macht die Faszination BARAKOWSKIS aus? Zuallererst ist es diese Stimme – die unter die Haut geht, kratzt an, wühlt auf, beseelt … ( Nach drei Titeln muss man sich selbst räuspern, fragt sich, wie lange halten die Stimmbänder dies Sandpapierfeeling durch. ) Und dann ist da noch was, das ich schlicht mit Freundlichkeit, mit Liebe zu den Leuten umreißen will. Die Kunst, sich seine Natürlichkeit auch auf der Bühne zu erhalten, das Publikum den Abstand zwischen Stuhlreihen und Podium vergessen zu lassen. Es ist die Gabe, die z.B. einen Frank Schöbel über alle modischen und geschmäcklerischen Ansichten hinweg bestehen lassen noch heute, ist neben Professionalität der Mut, sich so zu zeigen, wie man ist. |
Wie BARAKOWSKI in der kurzen Zeit seines Auftritts sich die Ruhe nahm, mit seinem Publikum zu reden, es für seine Gedanken und Lieder zu erwärmen, das hat mir sehr gefallen. Es hat mich auch beruhigt, nachdem mir genau jene Ausstrahlung, jenes spannende Spiel zwischen Sanftheit und Power auf seiner LP „Rampenlicht“ zu fehlen schien.
Da zeigte sich wieder einmal: Live Auftritte und AMIGA-Erfahrungen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wir kamen darüber erst Monate später ins Gespräch, denn für BARAKOWSKI und Band folgte nach „Bummi“ Tour, Popfestival, eigener Konzerttournee durchs Land ein mehrwöchiges Gastspiel in der UdSSR.
Unter dem Motto „Rock für den Frieden“ gaben sie gemeinsam mit „Lift“, „Block“ aus Karl-Marx-Stadt, „Universum“ aus Erfurt und der Berliner Gruppe „Carthyl“ Konzerte für die Trassenbauer am Perma- Abschnitt. Zurückgekehrt schwärmt MICHAEL von Veranstaltungen in großen Stadien vor meist bis zu 10000 jungen Leuten, von richtigen kleinen Rockfestivals bis Mitternacht.
„Live ist unseres, die Begeisterung der Menge zu spüren. Wir wollen zu ihr und nicht von ihr entrücken.“
Wenn er wir sagt, meint er die Band und sich. Seit einiger zeit nennen sie sich MICHAEL BARAKOWSKI und Freunde. Ein werbewirksamer Titel oder mehr ? „Wenn es heißt `und Freunde`, dann stimmt das auch. Ich bin sehr froh, nach mehreren Umbesetzungen diese Band zusammenzuhaben: Michael Otter (g), Uwer Karsten (bg), Karsten Lispsius (dr), im Oktober `87 kam Andre Kunze (keyb) hinzu und machte das Team komplett. In der Band steckt sehr viel kreatives Potential, Uwe, Micha, Andre – alle komponieren. Uwe macht mehr freundliche Nummern, das ist einfach sein Naturell. Micha beherrscht beim Arrangieren die Kunst des Weglassens, insofern diszipliniert er bei den Proben unser aller Arbeiten. Karsten ist unser Spaßvogel und er kann sich mit einem Schlagzeugsolo voller Gags da auch im Konzert ausleben.“
Freunde, das bedeutet für Frontmann BARAKOWSKI auch, die Stabilität der Band durch Toleranz und gegenbenfalls zurückstecken des eigen Ehrgeizes zu fördern. Jeder hat die Möglichkeit, nicht nur für BARAKOWSKI und Band, sondern auch für sich selbst und andere Interpreten solistisch zu arbeiten.
„Kreativität sollte man nicht beschneiden. Solange unser Konzert steht, uns entspricht, unsere Arbeit stimmt, hat doch jeder ein Recht auf sein eigens Leben, seine Freizeit.“
MICHAEL BARAKOWSI, als ehemaliger Kraftfahrer, Techniker, Sänger verschiedener Amateurbands mit allen Wassern ( auch den kalten Duschen ) des Rockgeschäfts in Berührung gekommen, weiß wovon der spricht. Er hält nicht viel vom ausgeklügelten Image. „Man sollte das ausspielen, verkörpern, was man ist, wie man sich wohlfühlt. Das eigene Wesen ausdrücken, veräußern – ob auf der Bühne, vor der Kamera oder im Leben. Und entweder wird `s akzeptiert oder nicht.“
Wird `s nicht, wie nah meiner Ansicht die Platte, kann man ruhig darüber mit ihm reden. „Ich bin auch nicht zufrieden, wenn ich die LP heute höre“, sagt MICHAEL BARAKOWSKI. „Aber ich glaube, die Ursprünglichkeit, die Seele der Lieder, wie sie live da sind, schaffst du vielleicht erst bei der dritten Platte zu erhalten. Studioarbeit ist für uns noch ein Lernprozess.“
Beim nächsten Mal soll zuerst die textliche Konzeption stehen und die Grundlage sein für das Songmaterial. „Wenn die Tage wieder kürzer werden, es zeitiger dunkelt, dann kommen mir `ne Menge Gedanken. Als Thema, wenn man das jetzt überhaupt schon umreißen kann, interessieren mich bestimmte Lebenserfahrungen und was man draus macht. Also wie reagiere ich z.B. auf Sattheit, Interessenlosigkeit von Mitbürgern – oder was setze ich dagegen? Aber eigentlich ist `s noch verfrüht, über neue Songs zu reden. Im Oktober geht`s erst mal noch für vier Wochen in die SU, vor Dezember ist kaum Zeit für `s Demostudio.“
Das macht dann selbst MICHAEL BARAKOWSI, die scheinbare Ruhe und Geduld in Person, doch etwas ungeduldig.
Dennoch, er geht nicht aus dem Gespräch, ohne mir seine Techniker Oliver Weißler, Matthias Meier und Christian Brubach als zuverlässige Meister ihres Fachs ans Herz zu legen. Und das spricht nicht nur für diese, sondern wieder einmal auch für BARAKOWSKI..