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Auf dieser seiner
ersten Solo - LP tritt uns Michael Barakowski in Personalunion als
Sänger, Komponist und Textautor gegenüber. Sprechen wir nicht sogleich
von Mut, wenn jemand so etwas tut, nennen wir es immerhin
risikobereit. Aber Barakowski lässt ja auch noch andere Autoren zu
Wort kommen – z.B. Henning Protzmann ( Komposition, Texte ) oder
Michael Otter ( Komposition ), der in der Begleitband die Gitarre
spielt.
Da kein anderes Lied
dieser LP solche inhaltliche Geschlossenheit und interpretatorische
Überzeugungskraft – als Einheit – erreicht wie das schon 1985 mit Perl
DDR-weit bekannt gewordene und geschätzte „Zeit die nie vergeht“ (M.B.)
– ein unschwülstiges Sehnsuchtslied – ist es relativ leicht, den Grad
der künstlerischen Wertigkeiten zu fassen:Der Sänger Michael
Barakowski fesselt mich am meisten ! Weniger schon der Komponist M.B:
- und bei den Texten drängen sich Fragen auf. Der Reihe nach.
Da haben wir nun
wieder eine Stimme, die Stimmphysiologen flackernde Alpträume
beschert: Heiser und rau ist sie, trocken und resonanzlos. Aber eine
Stimme, die dampfender Gefühligkeit entgegentritt, eine Stimme, die
nicht nur von bohrender Expressivität sein kann, sondern dem leisen
einen Farbwert schenkt, der weit mehr als nur das Dynamische meint.
Allerdings muss angemerkt werden, das auch so eine eindringliche
Stimme wie die Barakowski es kaum schafft, blasse Inhalte ins Positive
zu transformieren. Wie sollte sie auch?
Also die Texte und
die blassen Inhalte. Rockmusiker haben – auch aus Gründen, die mit dem
Mangel an guten Textautoren zusammenhängen – recht häufig selbst zur
Feder gegriffen, damit aber oftmals einen Schritt zurück getan. Immer
dann, wenn sie vom Pfade einer Rock-Tugend, nämlich auf den sozialen
Gestus der Inhalte zu dringen, abwichen und sich dem oft pappigen
Sprach-geschlappe der Popmusik näherten. Hier also: Allgemein blumige
Vokabular, mehr oder weniger Traum umschlungen oder mit poetischen
Honigfallen arbeitend ( angezogen von der dunstigen Süße fällt der
Hörer hinein ); ich nenne „Fliege mit mir“ ( Musik Uwe Karsten, Ingo
Griese/ Text M.B. ), „Einmal geboren“ (M.B., Protzmann/ M.B. ),
„Liebesnacht ( Protzmann ). Manches ist gar textlich plakativ – „Meine
Lieder“ ( M.B., Olter/ M.B., Protzmann )oder versucht, altbekannte
Weisheiten mit erschlafften Formulierungsstandards den Anstrich neuer
Sicht zu geben ( „Sehnsucht im Wind“ – Protzmann/M.B., Protzmann ).
Zumal in der Rockmusik bin ich allergisch angesichts von Sätzen wie
„weißt du noch, wie es im Sommer begann, der Mohn hat so rot geblüht“
und „ uns beiden war klar, das die Sonne nicht heißer glüht“ oder
„halt die Zeit nicht an, bleib niemals stehn, Uhren müssen
weitergehen“. Bilder, Metaphern – abgewetzt, verschlissen vom
dauernden Zugriff. Mehr Sorgfalt im und mehr Verantwortung fürs
Detail, die sind vonnöten. Darauf muss sich die neue Qualität unserer
Rockmusik gründen, die wir nach Phasen der Stagnation wieder erreichen
möchten. Schön, wenn uns gelegentlich der genialische Aus-einem-Guß
Song ereilt, aber warten wir nicht auf ihn, sondern ehren wir das
künstlerische Handwerk, indem wir es trainieren. Souveränität und
Brillanz des Details sind die Bausteine des künstlerischen Entwurfs.
Alldem müssen wir, scheint mir, wieder bedeutenderes Augenmerk
schenken, mithin ein wacheres Bewusstsein für inhaltliche Sensibilität
, Originalität und soziale Prägnanz gleichermaßen, für formale Strenge
bei – selbstverständlich, ich sag `s dennoch – gleichzeitiger
größtmöglicher Phantasienetfaltung.
Bleiben die
Kompositionen, außer dem schon gelobten „Zeit die nie vergeht“. Sie
erheben sich mitunter, und gerade durch ihre unprätentiöse
Einfachheit, über manches Text-Gewölk – „Fliege mit mir“, „Einmal
geboren“, und trotz einer fast inbrünstigen Übersteigerungstendenz –
„Liebesnacht“ ( ein Duett mit Katrin Lindner, das leider eine
spaltende Beziehungslosigkeit der Stimmen offenbart ). Aber es gibt
auch melodisch-braves und langweiliges, wie „Was Kinder fragen“ (
Olter/M.B.) wo eigentlich nur das instrumental-kompakte Nachspiel
Interesse beansprucht. Und wieder ein ausgedehntes Instrumental-Finale
im „Rampenlicht“ ( M.B., Drechsler/ M.B. ). Es handelt von einem
Rockmusiker, der auf dem Weg nach oben, unbändig vollzogen, Liebe und
Glück ließ, Frau und Freunde verlor, weil er nur die Strassen und die
Band sah. „Helle Augen ( seines Publikums ) zu sehen, davon hat er
geträumt“. Doch selbst die Wendung „Das Leben der anderen wurde ihm
fremd“ verhindert nicht das der Titel auch musikalisch die
märtyrerhafte Heroisierung eines Musikerschicksals vollzieht.
Michael Barakowski ist ein begabter Musiker, wer es noch nicht wusste,
erfährt es durch diese LP. Das ist schon viel, ohne Zweifel. Doch
bleibt ein wenig Verdruss zurück, weil einem das Geringfügige an
textlich-musikalischer Leistung da und dort vermeidbar schien. |