Berlin Lied

St. Krawczyk

Lyrik

Komp. Stephan Krawczyk

Text: Stephan Krawczyk

 

Endlich gibt es mal ´n Fest , das ideologisch sauber ist,
denn für siebenhundertfuffzig kann ja weder Krenz noch Christ .
Doch die Herren sollen wissen, dass ´ne altberliner Tracht,
vielleicht nicht gerade das ist, was uns wirklich Gaudi macht .  
 
Ich z.B. würd´ mich ehrlich über Blindenhunde freu´n ,
anstatt jener scharfen Bestien , die m Grenzwall wiederkäun.
Wenn die Jungs vom Schießkommando ökologisch Wache stehen
Wird die Mauer wie Dornröschen in ´ner Hecke untergehen.
Anlässlich des Jubeljahres möchte ich den Kudamm sehen,
ohne vorher auf den Ämtern wie´n Dussel rumzustehen ,
wenn die Oberbürgermeister dann ´´Geh mer ma rüber´´ spiel´n
will ich neidlos ostwärts trampen und nicht schräg nach Westen schiel´n .
 
Auch ´ne Amnestie wär´ nobel, um letztendlich zu befrei´n
Unsere hohen Staatsbanausen , ja, ich würd´ ihnen verzeih´n
Einen Vorteil hätt´ die Sache, jedenfalls am 1. Mai ,
wenn sie leer ist , die Tribüne , muss auch keiner dran vorbei .
Was ja bloß nicht heißen sollte , dass wir nicht mehr demonstrier´n ,
für z. B. helle Köpfe , würd´ ich schon ´n en Schuh verlier´n .
 
Aber niemals mehr im Gleichschritt und auch nicht in Uniform,
unter diesem deutschen Zeichen ham wir schon zu viel verlor´n .
Ja , ich würde mächtig feiern , wenn ich Grund zum Feiern hätt´,
wenn die Zeitung nicht so öd´ wär , spräng ich zeitig aus dem Bett .
Wenn die Kinder ost- und westseits unsern Dreck beiseite räum´,
feiern die vielleicht ´ne Fete , wovon ich heute manchmal träum´.

 Ach Berlin , du alte Tante , wirst auf Feiertag getrimmt,

und dein Riss wird zwar gepudert , doch es bleibt der alte Grind .
Nach der Orgie werden hoffentlich die Leute dieser Stadt
aus´m Rausch erwacht bemerken , dass sich nichts geändert hat .

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.