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Rezension Melodie & Rhythmus 1979 |
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Stefan Lasch |
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Dank der Textidee von Sabine Heese wurde aus
dem "Hallo Erde, hier ist Alpha" - Titel ein ganzes Berluc Programm, ein
kosmisches versteht sich. Passend zum Anliegen des Rock - Quintetts, auch
die Geschwindigkeit des Erscheinens dieser ersten LP. Im Herbst `78
landete "Hallo Erde ..." in den vorderen Reihen unserer Wertungssendungen
und ein reichliches Jahr später die LP auf unseren Plattentellern. Was mir an Berluc und somit auch an dieser LP gefällt, ist das ungestüme, packende, rockige Musizieren. Da wird nicht groß nach irgendwelchen kompositorischen Mätzchen gesucht, da werden geradezu die elementaren Rock - Elemente wieder hervor gekramt. Dies zum Vorteil von Dietmar Ränker (dr), Alexander Stehr (keyb), Manfred Kähler (voc), Gerd Pöppel (g), Günter Briesenick (bg) und uns Hörern. Denn, der Losgeher oder die zum Tanzen aktivierende Musik stellen nach wie vor die Minderheit im DDR - Rockangebot dar. Gleichsam wohltuend der Verzicht auf diskosoundmäßige Anleihen. Tonregisseur Helmar Federowski gelang es , ein stimmiges Klangbild zu realisieren. Trotz des immer noch fehlenden Bassfundaments bei Amiga, wirkt die Berluc - Produktion kompakt, ist der Gesang - wie es so schön heißt - im Instrumentarium eingebettet. Einige Details: "Hallo Erde, hier ist Alpha" beginnt, wenn ich mich nicht ganz täusche, mit dem gleichen Count - Down - Geräusch wie vormals Thomas Natschinskis "Kosmos 353". Das sonst zügige durchlaufende "Alpha - Lied" fängt allerdings im instrumentalen Zwischenspiel etwas an zu "hängen", man hat das Gefühl, das Berluc - Raumschiff hat die Beschleunigung verloren und pegelt sich langsam auf eine stabile, geruhsame Umlaufbahn ein. Mit dem beliebten Synthesizer Rauschen, geht es dann gleich über in " Bleib, Sonne bleib" . Dieser Titel bildet zum ebengenannten einen Kontrast, wobei ein Ausbau der Klangvielfalt diesen verstärkt hätte. Bei solch einem Platten - Gestus dürften meiner Meinung nach schon mal alle außerirdischen Klangphantasien hereinbrechen. Der "Alte(r) Traum" versucht es am Anfang mit einem Ringmodulator - Blubbern, bis die Rhythmusgitarre die Zielrichtung des Titels genau markiert. Dann löst sich Berluc von dieser Figur und setzt jene bekannte Rhythm & Blues - Figur ein, und da treten erneut rhythmische Unebenheiten auf. Nach dem schon dreimal praktizierten Prinzip leiten elektronische, hausbackenene Klänge zum letzten Titel dieser LP - Seite, "Feuer in der Welt", ein. Nach dem mit chorischen Effekten gestalteten Beginn zeigt sich Berluc in der musikalischen Ausschmückung der Strophen wieder von feinster Rock - Manier. Selbst auf ein kurzes Trommelsolo mit einigen Hall - und Phasingzulagen wurde nicht verzichtet. Es füllt nur eine knappe Minute und bleibt so als klanglicher Effekt erhalten. Seite 2 startet mit "Flügel". Auch hier setzt Gitarrist Gerd Pöppel sofort die Akzente. Doch mit Fortgang des Stückes stellen sich Ähnlichkeiten zu "Hallo Erde ..." ein. Der Mittelteil operiert mit dem gleichen Grundeinfall: Die Hauptzählzeiten werden durch das Schlagzeug gezeichnet, und Pöppel spielt mich selbst eine Melodie. Der bekannte "Computer 3,4,x" macht den Hörer mit einer originellen verfremdeten Gesangsstimme bekannt. Eine Spielerei, die ausgezeichnet auf diese Platte passt. Nach dem Zusammenbruch des synthetischen Liebhabers, wieder Klänge aus dem Weltraum, sprich, ein kurzes Rauschen bzw., Übergang zu "Du bist kein Mensch", ein Titel, der nichts Neues bringt. Betrachtet man ihn als Vorspiel zu "Blaue Stunde", dann ist er klug gewählt, fallen dadurch das Klavier, das Mellotron und der anders registrierte Synthesizer umso mehr auf. Die äußerst sparsame Komposition erfährt durch diese Arrangements - Zutaten eine Aufwertung. Nach diesen 3,30 rauscht `s wieder. Eine Flötenimitation und der schon gehabte Mello - Klang führen zum, zeitlich gesehenen Hauptwerk: "Reise zu den Sternen". Berluc probiert sich hier an der etwas größeren Form aus. In 6.30 Min. stellen sie noch einmal ihr Repertoire an Klängen vor und enden mit einem Gag: Erst verschwindet der Gesang, die Instrumente gewinnen die Oberhand, bis auch sie einer Blende zum Opfer fallen. Doch dann passiert `s: Ein kurzes Radiogezwitscher und noch einmal eine Textzeile aus der "Reise". Ein Schnitt mit der Schere und Schluss. Mir hätte die Ausblenderei an dieser Stelle besser gefallen. Doch das sind Kleinigkeiten, die meinen Eindruck vom Berluc - Debüt nicht zu trüben vermochte. Sicherlich sind auch die Texte Geschmacksfragen. Kurt Demmler schrieb sechs, Joe Schaffer, Ingeburg Branoner und Sabine Heese bestimmten je einen vom kosmischen Flair. Ob " ... zwei Flügel ein schöner Vogel sind", ein Computer tatsächlich nur lieben kann und " ... sonst weiter nix" oder "die Stunde zwischen Tag und Nacht alle Menschen sacht macht" und jeder jenen "Drang zu den Sternen" verspürt, mag ich nicht beurteilen und ist wohl auch mehr als Spiel und des Hörers Phantasie gedacht. Nur, viel "Behaltbares" bleibt da nicht, und originelles konnt` ich außer im Comuter auch nicht finden. Gab es doch seinerzeit ein humoriges "Luftschiff 2000" von Hartmut König. "Die Reise zu den Sternen" von Berluc zählt für mich zu den kurzweiligsten Platten des Jahres 1979, wenn auch die elektronischen Spielereien sehr eng und uniform angelegt sind und die Portion Experiment zu kurz kam. " ... die Chance eines Außenseiters" - was immer auch die oder der Verfasser des Hüllentextes damit meinen - hat Berluc jedenfalls genutzt. Als relativ unbekannte Band präsentiert sie sich auf einer kosmothematisch gestalteten LP, die in dieser Geschlossenheit noch kein AMIGA - Vorbild hat. |