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Rezension Melodie & Rhythmus 1979 |
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Wolfgang Lange |
| Über der unumstößlichen
Tatsache, das musikalische Entwicklungen in erster Linie von den
talentvollsten Komponisten bestimmt werden, vergisst man leicht jene, die
die Intentionen der Komponisten verwirklichen - die Musikanten. Hansi Biebl ( geb. 1945 ) ist einer jener hervorragenden Instrumentalisten, die gewissermaßen dicht auf den Fersen unserer profiliertesten Komponisten die bisherige Wegstrecke unserer Beat - und Rockmusik durchmessen haben. Er gehört immer wieder zu den oft genannten und begehrten Musikern, und sein vitales, musikalisch wie technisch exzellentes Gitarrenspiel findet viel Freunde. Biebl wechselte relativ häufig die Formationen, spielte bei der Modern - Soul Band, bei Reinhard Lakomy, Veronika Fischer, 4 PS und anderswo. Daraus aber voreilig schließen zu wollen, er verfüge nicht über genügend Beharrlichkeit, zu seinem musikalischen ICH zu gelangen, wäre ebenso töricht wie einen jahrelang in einer Band verwurzelten Musiker künstlerische Genügsamkeit vorzuwerfen. Was Biebls "Wanderungen" anlangt, glaube ich, dass er unentwegt auf der Suche nach Impulsen war. Und die acht Titel seiner Langspielplatte, zur rechten Zeit gekommen und sowohl schon bekannte wie auch neue Titel enthaltend, vermitteln ein ziemlich genaues Bild seiner musikalischen Vorstellungen. Diese Titel stammen allesamt aus der Feder Hansi Biebls, der nie in der ersten Reihe unserer begabtesten Komponisten stand, allerdings, scheint mir, dorthin auch nie mit ehrgeiziger Brachialgewalt gelangen wollte. Möglich, das er um seine tonschöpferischen Grenzen weiß. Seine Kompositionen atmen nicht die intuitive Kraft, haben nicht die originelle, anziehende Gestalt anderer Komponisten. Seine Musik lebt von anderen Vorzügen, sie scheint seinem künstlerischen Wollen, dem, was er mit ihr ausdrücken möchte, gemäß. Seine Musik ist ehrlich, gibt sich nicht aufgebläht, lebt von der völlig unverkrampften Freude am Musizieren. "Mir macht `s einfach Spaß" heißt nicht ohne Hintersinn sein längster Plattentitel mit einem Text von Thomas Schmitt, und weiter darin " .. was er da macht ist nicht neu. Ah, sag ich ihm, weißt du was ? Mensch, mir macht `s einfach Spaß." In diesem Titel, der ganz übergangslos aus dem musikalischen "Für Glenn Miller" hervorgeht, dokumentiert sich gleichsam Hansi Biebls musikalische Grundeinstellung, der man allenthalben in seinen Titeln begegnet. Biebl sieht nicht auf musikalische Neuerungen um jeden Preis. Musikantische Verve zu zeigen, dienen ihm jene Stücke, die er komponiert hat, aufs Beste. Sie bekennen sich zu Rock und Blues. Obgleich fünf Titeln ein Text beigegeben ist, die alle, außer Demmlers "Es gibt Momente", von Thomas Schmitt sind, hat man nie das Gefühl, es handele sich bei dieser Platte um eine Vokal - LP; die Domäne des Instrumentalen ist stets offensichtlich und gibt sich u.a. nicht zuletzt in der Einbettung der gesanglichen Teile in unverhältnismäßig üppige instrumentale Abschnitte zu erkennen. Zudem singt Hansi Biebl so fein normal, so unambitioniert einfach, was ja musikalischen Pfiff nicht ausschließt, das man gar nicht erst den Verdacht bemühen braucht, hier möchte einer als Sänger nach oben. Gesang scheint für Biebl eine hübsche Nebensache zu sein, die man nicht betreiben würde, machte sie keinen Spaß. Das runde, kraftvolle und in den Registern weitflächige Klangbild ist imponierend. Allerdings stellt es mich auf der ersten Plattenseite, wo die Titel "Es gibt Momente", "Cuba Libre",. "Stell dir vor", "Bolero" mit Stefan Schirrmacher (g), Willi Becker (bg), Peter Krause (dr), Carlos Shuffat ( perg, Titel 2,3,4 ) und Biebl (voc, g ) eingespielt wurden, zufriedener als die zweite Seite. Dort sind "Für Glenn Miller", "Mir macht `s einfach Spaß", "Komm her", "Morgen Blues" mit Michael Kaszubowski (fretless bg), Peter Krause (dr) und Bernd Kleinow (m-harm, Titel 2 und 4 ) sowie Hansi Biebl zu hören. Hier ergibt sich zwangsweise durch Reduzierung ein schrofferer Klang, dem mitunter die vermittelnde, ausgleichende Mitte fehlt. Insgesamt aber muss man zu den hervorhebenswerten Tugenden dieser LP zählen, dass das musikalische Erscheinungsbild ebenso klar gegliedert wie stark differenziert ist. Langeweile kommt nicht auf. Das musikalische Material ist sorgfältig organisiert, das macht das Erkennen deutlicher Verläufe der Linien und eines generellen Gestaltungswillens, der eine alle Sinne ansprechende Musik anvisiert, leicht. Am besten gefallen mir "Cuba Libre" und "Bolero", weil sie künstlerisch in sich sehr geschlossene Gebilde sind und für einen auf leisen Sohlen sich einmogelnden Lateinamerikanischen Rhythmus die Hintertür offen halten. So entsteht besonders im "Bolereo" - mit einem prächtigen, melodisch großbogigen Gitarren - Solo - eine schöne, etwas geheimnisvoll - elegische, reizvolle Atmosphäre. |