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Melodie & Rhythmus 6 / 1975 |
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Im Gespräch mit Helmut Frommhold |
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Helmut Frommhold, Komponist, Arrangeur und Bassgitarrist der Gruppe "Brot & Salz" wurde am 3. November 1946 in Weimar geboren. Er war zweieinhalb Jahre, als seine Eltern nach Berlin zogen. 1958 wurden noch einmal die Koffer gepackt: Die Familie verlegte ihren Wohnsitz nach Schwerin. Hier beendete Helmut Frommhold die Zehn - Klassen - Schule und nahm in einem Zweigbetrieb des KWO - Oberspree die Lehre als Kabelfacharbeiter auf. Er hatte ausgelernt und arbeitete bereits in seinem Fach, als es 1966 hieß: Zurück nach Berlin. Für Helmut Frommhold war das Jahr 1966 zugleich Beginn seiner Armeezeit, die er im Frühjahr 1968 abschloss. Und wie ging es weiter ? 1968 nahm ich ein Kontrabass - Studium an der Hochschule für Musik in Berlin auf. - Ich weiß, diese Antwort muss ein wenig überraschen, da wir in unserem Gespräch bislang die Musik ausgespart haben. |
Grund genug, Versäumtes nachzuholen !
Ich war gerade acht Jahre, als man mich bereits zur Musikschule delegierte. Der Grund: Großmutter hatte mir eine Mandoline geschenkt, und ihr zuliebe sollte ich dieses Instrument erlernen. Später kam dann noch die Geige hinzu. Vier Jahre habe ich an Musikschulen in Berlin und Schwerin auf diesem Instrument geübt - dann wurde es in die Ecke gestellt. Doch bald sollte ich spüren: Ganz ohne Musik geht `s auch nicht. Meine Liebe galt wiederum einem Saiteninstrument - dem Kontrabass. Begonnen hatte es so: In der 9. Klasse wurde ein Kontrabassist gesucht. Ich sagte zu, ohne in vollem Umfang zu ahnen, was da auf mich zukam. Doch ich fand an dem gewichtigen Instrument Gefallen. Ab 1961 nahm ich Kontrabass - Unterricht an der Musikschule.
Dem Bass sind Sie dann treu geblieben ?
Ja ! Während der lehr -, Arbeits - und Armeezeit habe ich darauf musiziert. Als um 1964 / 65 die Bassgitarre in Mode kam, bin ich über gewechselt. An der Hochschule studierte ich Anfangs Kontrabass, später wählte ich Komposition und Tonsatz bei Prof. Heicking und Arrangieren bei Joachim Gocht zum Hauptfach.
Ihr Start als Komponist war beachtenswert. Es wollte beim Schlagerwettbewerb 1970 schon etwas bedeuten, gleich mit zwei Titeln unter den ersten 14 zu landen. Ihnen gelang das mit "Morgen werd` ich sie vom Zug abholen" und "Der Tag war sinnvoll"; letzterer interpretiert von Aurora Lacasa, ist eigentlich noch heute zu hören.
1970 begann auch mein Start als Arrangeur. Insbesondere im Rahmen der Entwicklungsgruppen, die in Vorbereitung von "Rhythmus `71" gebildet worden waren, fand ich Gelegenheit aktiv mitzuarbeiten. In dieser zeit entstanden auch mehrere Titel für Aurora Lacasa und andere; z.B. "Immer wieder diese Liebe", "Er kann sein".
Lässt sich sagen, das ihr Schaffen einer bestimmten Stilrichtung verbunden ist ?
Ich halte nicht viel vom Festlegen auf eine Stilrichtung. Überblicke ich meine bisherigen Arbeiten, so zeichnen sich in etwa drei Richtungen ab, ungeachtet der zwischen ihnen bestehenden Varianten und Übergänge.
Können Sie uns diese drei Richtungen genauer umreißen ?
Bei der ersten dominiert das bemühen um schlagerhafte Melodien, die möglichst frei sind vom Stempel des Schablonenhaften und kommerziell Gedachten. Ich würde dazu zählen: "Seit du fort bist" ( Lacasa ), "Der Morgen war weit" ( Kutowsky ), "Tage gibt es " ( Jürgen Walter ).
Ihr Streben, Herkömmliches um neue Akzente zu bereichern, wird besonders in den Arrangements hörbar. "Der Morgen war weit" lässt ihre Freude am Experiment offenkundig zutage treten.
Die zweite Richtung entstand als Resultat meiner Zusammenarbeit mit der Gruppe "Brot & Salz" an September 1973. "Bleib nicht stehn" und "Launen" sind Titel in moderner Beatrichtung unter Verwendung typischer Elemente des Hard Rock. Die dritte Strömung ist durch Texte aus der Feder von Heine, Goethe und Schiller gekennzeichnet. Sie ist das Ergebnis diverser Aufträge für die "Stunde der Weltliteratur", eine überaus hörenswerte Sendung von Dr. Preuß bei Radio DDR (II). Insbesondere die Heine Lieder wurden nicht nur anlässlich der Heine - Ehrungen recht häufig aufgeführt. Ich brauche wohl kaum zu betonen, das mir diese dritte Richtung die liebste ist. Allein die Möglichkeit, größere Formen ins Spiel zu bringen und mit dem thematischen Material arbeiten zu können, um den geistreichen Vorlagen gerecht zu werden, das reizt mich ungemein. Wenn Heine die Liebe besingt, so ist das in vielem zeitgemäßer und erfühlter als so manches, was in unseren Schlagern erklingt.
Ihre kritische Haltung oberflächlichen Texten gegenüber ist zu unterstützen. Sie erklärt, das sich unter ihren Textautoren die Namen einiger unserer besten ständig wiederholen: Gisela und Kirsten Steineckert, Jens Gerlach, Heinz Kahlau u.a. Liegen die Texte schon vor, bevor Sie zu komponieren beginnen ?
Bei Heine und Goethe liegt die Antwort auf der Hand; ansonsten entsteht die Musik meist zuerst. Eine Themensammlung erleichtert die Inspiration. Komposition und Arrangement bilden bei mir von Beginn an eine untrennbare Einheit. Als Interpreten stehen mir Aurora Lacas und Detlev Haak sehr nahe.
Würden Sie auch für andere Solisten, Gruppen und Orchester etwas schreiben und arrangieren ?
Natürlich. Die Möglichkeit, neuerdings im Funk an regelmäßigen Lehr - und Erfahrungsaustauschgesprächen mit Toningenieuren teilnehmen zu können, wird mir helfen, wertvolle Einblicke in neue Bereiche und Aufnahmetechniken zu gewinnen. Ohne das Wissen um moderne technische Realisierungsmöglichkeiten geht ´s halt nicht. Das auf diesem Gebiet etwas für die "Jungen" getan wird, begrüße ich sehr !