Melodie & Rhythmus 2/ 1988

   
 

Wind im Gesicht ...

 

Wolfgang Martin

 

Gar nicht so einfach, einen Gesprächstermin mit RALF BURSY zu bekommen. Die Abgabe des Artikels muss um weitere Tage hinausgeschoben werden. Seine Telefon - Nummer verwechsle ich langsam mit meiner eigenen - endlich habe ich ihn an der strippe.

Die Bilanz des Jahres 1987: Seine erste eigene LP "Wind im Gesicht" landete bei vielen Fans auf dem Plattenteller. In der Sendung "Rock 87" von Jugendradio DT 64 gab es schließlich die faustdicke Überraschung für den Künstler selbst. RALF BURSY platzierte drei Titel unter den ersten zehn des Jahres 1987 - ein Erfolg, den vor Jahren nur die "Puhdys", "Stern Meißen" und "Karat" geschafft haben. Demzufolge auch ein gut gelaunter RALF BURSY am "Rock 87" - Live Telefon, das sicher nicht nur pflichtgemäße Dankeschön an die vielen Fans im Lande, die seinen Erfolg massgeblich befördert haben.

Wie populär "Bummi" ( den Spitznamen wird er wohl doch nicht loskriegen ?! ) ist, konnte ich u.a. hautnah bei "Immer am Ball", der Jugendrevue im Berliner Friedrichstadtpalast, erleben. Von den Fans immer dicht umringt, gesprächs - und autogrammgejagt. "Bummi" erledigt `s in der ihm eigene Freundlichkeit - und seine vielen Fans können ihn fast alles fragen und bekommen auf fast alles auch eine Antwort.

"Welche Musik hörst Du momentan am liebsten ?" Die Antwort, ohne lange nachzudenken:

Inside Information - die neue LP von Forenger, eine Band, die ich schon immer mochte, deren Musik mich auch irgendwie beeinflusst hat ... und ganz sicher passiert es so auch mit dieser neuen Scheibe.

Und schon sind wir bei Projekten. Derer gibt es für die nächsten zwölf Monate eine Menge. Obenan steht die lange angekündigte und gut vorbereitete Live - Umsetzung seiner LP. Vom 25. Februar bis 1. Mai tourt RALF BURSY mit Gästen kreuz und quer durch unser Land. Und dann kann man es wörtlich nehmen: "Das sind die Jungs mit dem Wind im Gesicht."

Allen voran natürlich der Star und Protagonist des Unternehmens, RALF BURSY. Mit ihm sein Freund Michael Barakowski, dessen Band und der Saxophonist Rene Decker. Henning Protzmann hat die organisatorische Leitung und stellt das Equipment, Licht und Beschallungsanlage. Überflüssig, zu betonen, dass die Professionalität einhergeht mit dem Ehrgeiz, dem Publikum eine gute Pop - und Rock Show zu bieten.

Der Schwerpunkt im zweiten Halbjahr ist dann die Mitwirkung von RALF BURSY im Ensemble von "Super Pop `88", gemeinsam mit den Gruppen "Rosalilli" und "Stern Meißen", mit "Inka" und "IC". Auch das ein Unternehmen, welches ganz sicher sehr viel Zuspruch finden wird. Immerhin gehen da erfahrene Leute zu Werke, die den veränderten Bedingungen im unterhaltungskünstlerischen Alltag unsere Landes Rechnung tragen möchten: Das durch vielerlei Einflüsse vom Live - geschehen abgerückte Publikum, mit attraktiven Angeboten wieder in die Konzerthäuser zu locken.

Auch zu diesem Thema ist RALF BURSY ein kompetenter und streitbarer Gesprächspartner, der sich darüber nicht nur aus rein existenziellen Gründen so seine Gedanken macht. Doch getreu dem Leitspruch, "Theoretisieren hilft mir da auch nicht weiter", hält er es vor allem mit den ganz praktischen Dingen. Dazu gehört sein Studio, in dem er an neuen Songs bastelt, in dem er aber auch Titel anderer Musiker produziert.

Mit Marion Sprawe ( "Helle Farben" ) und der Gruppe Lucie habe ich einen Anfang gemacht. Ich denke, das mich diese Arbeit künftig mehr reizen und in Anspruch nehmen wird, also junge Leute zu entdecken und zu produzieren, ihnen zu helfen, den ersten Sprung in die Medien zu schaffen ...".

Dorthin, wo er selbst sehr erfolgreich geworden ist. "Klik" und "Stop - Rock" Videos, der "Silberne Bong", das Diplom der "Tip Disko" - alles Ereignisse und Auszeichnungen, die wenigstens der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollen. Seine erste internationale Bewährungsprobe hatte RALF BURSY 1987 als DDR - Vertreter beim Festival "Bratislavka Lyra". Von 18 Bewerbern schaffte er im internationalen Wettbewerb den fünften Platz, erhielt den Preis des slowakischen Friedensrates und viel Anerkennung der anwesenden internationalen Journalisten und Fachleute. Robert Jung, Produzent von Nicole, die für die BRD gestartet war, äußerte beispielsweise großes Interesse für eine mögliche Produktion.

RALF BURSY betrachtet diese Dinge nüchtern:

Natürlich hätte ich Lust, mich auch im Ausland, vor allem in deutschsprachigen, vorzustellen. Und sicher wird es 1988 einige Gelegenheiten geben. Aber an erster Stelle steht meine Arbeit hier zu Hause, die zwei großen Tourneen, das Produzieren und vor allem meine zweite LP ...