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Neues Leben 8 / 1989 |
| NL Leser - Interview | |
| Ingeborg Dittmann | |
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Ralf, wir sitzen hier im Keller deines Hauses. Bittest du alle deine Gäste hinunter ? Zumindest die, die mit mir arbeiten wollen. In den letzten drei Tagen - bis heute morgen um 4 Uhr - war das zum Beispiel eine junge Band namens "Flamingo". Wir haben neue Titel produziert und heute Nacht abgemischt. Na ja, ihr seht ja, ich hab` den Keller zu einem Studio umgebaut. Seit knapp zwei Jahren produziere ich hier eigene Sachen, vor allem aber Nachwuchsinterpreten und Bands. Neben der genannten Band z.B. Lucie oder Kirsten, Tatjana Seyffert mit ihrer Harfe war auch schon hier, auch Muck und IC. Nun bist du ja eigentlich Sänger und Komponist, kein ausgebildeter Produzent. Und wenn man all die Technik hier sieht ... Das hat mich schon immer unheimlich interessiert, und ich hab mir alles autodidaktisch angeeignet, Fachbücher en Masse gewälzt. Das ist eine Sache, die mir riesigen Spaß macht, da hab ich mich halt reingekniet, so, das die Songs, die wir hier auf 16 - Spur - Band produzieren, sendereif sind. |
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Produzent, Tonmeister, Komponist, Arrangeur, Sänger - alles in einem. Wie sieht da dein Arbeitstag aus ? In den letzten Monaten habe ich täglich mehr als zehn Stunden im Studio verbracht, das hängt auch mit der Erarbeitung meiner 2. LP zusammen. Im Prinzip ist so ein 24 - Stunden - Tag viel zu kurz. Dazu kommen ja auch noch organisatorische Dinge, Termine, Gespräche, Fernseh - Auftritte. Und natürlich meine Familie. Du hast Kinder ? Zwei, Juliane ist 7, Alexis 11 Jahre alt. Hättest du es gern, das sie mal in Vaters Fußstapfen treten ? Der Große war an der Musikschule, hat Klavier angefangen. Ich hätte es gern gesehen, das er weiter macht, aber er hatte dann keine Lust mehr. Da hab` ich nicht gedrängt. Jetzt sind beide begeisterte Tänzer, im Ballett und einer Tanzgruppe. Hast du denn die Musikschule dazumal fleißig besucht ? Na klar, aber da war ich schließlich ein paar Jährchen älter. Vier Jahre hab` ich an der Musikschule Friedrichshain Gesang studiert, dann noch mal zwei Jahre ein Fernstudium an der Musikhochschule "Hanns Eisler" absolviert. Wann hast du eigentlich angefangen Musik zu machen ? Schon in der Schule. Ein paar meiner Freunde und ich hatten die Idee, eine Schülerband zu gründen. So entstand "Regenbogen". Singen war, soweit ich zurückdenken kann, schon immer `ne Sache, die mir Spaß machte. In der Band dann hatten wir einen Gitarristen, `nen Bassisten, einen der Orgel spielte, und `nen Drummer. Es fehlte nur der Sänger. Du hast doch `n feines Stimmchen, sagten meine Kumpels. Na, was blieb mir da anderes übrig, als zu singen ... Das war damals aber reines Hobby. Also nicht der Traumberuf für später ? Damals noch nicht, das lief neben der Lehre, der Armee. Ich habe den Beruf eines Maschinen - und Anlagenmonteurs gelernt. Aber irgendwann nahm dann das Hobby immer mehr Raum in meinem Leben ein. Ich kam von der Musik nicht mehr los, ging 1979 zu "Keks", war von `81 bis `86 bei der Gruppe "Prinzip", ehe ich dann meine Solistenlaufbahn vorsichtig anging. Du kommst vom Hard - Rock. Welche Beziehung hast du denn als Pop - Sänger zum Heavy Metal ? Eine sehr positive, schließlich bin ich mit Bands wie Deep Purple und Uriah Heep groß geworden. Heavy war für mich immer ein Thema, allerdings heiße ich nicht uneingeschränkt alles gut, was da zuweilen auf der Bühne passiert, so in Richtung Gewalt und Zerstörung. Ich mag besonders "Bon Jovi", "Whitesnake", "Foreigner". Bleiben wir dabei. Welche Musiker national wie international, magst du besonders ? Leute, die mir von ihrer Arbeitsweise her gefallen, von ihrer Haltung zum Beruf, sind z.B. IC, Arnold Fritzsch, Arndt Bause, Silly und City. Dann gibt `s Künstler, die mich über all die Jahre immer wieder begeistert haben: Paul McCartney, Elton John, Rod Stewart. Einige Leser fragten, ob du zu letzterem eine besondere Beziehung hast, weil du ein T-Shirt mit Stewart - Konterfei trugst. (lacht) - was die Leute so alles merken ! Hättest du die Möglichkeit - mit welchem internationalen Star würdest du gern mal auf der Bühne stehen ? Da bin ich Realist, die Leute kommen schließlich wegen eine Top - Acts ins Konzert, wollen den Star, weniger das Vorprogramm sehen. Zum Beispiel beim Konzert von "Uriah Heep" vor einiger Zeit in Berlin, da konnt` ich mir die Seele aus dem Leib schreien, aber alle warteten natürlich auf "Uriah Heep". Verständlich. Hast du einen bestimmten Arbeitsrhythmus oder läuft `s bei dir mehr nach Lust und Laune ? Ich erlege mir ein ziemlich strenges Arbeitsregime auf, anders wären die Termine nicht einzuhalten. Da kann man sich nicht hängen lassen, weil ja immer andere beteiligt sind. Wäre ich nur für meine eigenen Sachen verantwortlich, könnte ich mir meine Zeit etwas freizügiger einteilen. Ansonsten ist es so, das ich immer ein paar Wochen im Studio arbeite, in dieser zeit kaum was in den Medien und auch keine Konzerte mache. Wenn ich komponiere, z.B. unlängst für die zweite LP, dann konzentriert über einen bestimmten Zeitraum von drei, vier Wochen. Nach solchen Phasen freue ich mich aber auch wieder auf die Arbeit draußen, die Konzerte. Hat man dich deshalb in diesem Jahr bisher kaum live gesehen ? Ja, aber das wird sich ändern mit dem Erscheinen der Platte im Herbst. Machst du dann auch wieder bei "Super - Pop" mit ? Diese Konzerte liefen im letzten Jahr sehr gut. Aber ich war gegen eine formale Wiederholung, weil ich finde, das reicht heutzutage nicht mehr. Da hätten neue Ideen, neue Inhalte hergemusst. Vielleicht schaffen wir `s im nächsten Jahr. Ich würd` mitmachen. Gibt es zwischen Musikern deiner Branche so was wie Konkurrenzkampf ? Wir haben eigentlich ein gutes Verhältnis zueinander. Natürlich freu` ich mich, wenn ein Titel von mir in den Medien ganz vorn liegt. Aber es idt nicht so, das ich in den Tisch beiße, wenn z.B. IC auf dem ersten Platz ist. Gemeinsame Unternehmen wie "Gitarreros" oder "Super Pop" fördern zudem gegenseitiges Verständnis, Hilfe untereinander und Toleranz. Wenn ich im Studio einen Song für einen Kollegen produziere, bemühe ich mich um höchstmögliche Qualität. Und so kann `s durchaus passieren, das so ein Titel in den Hit - Paraden besser als mein eigner abschneidet. Hattest du in der Schule ein Lieblingsfach ? Klar, Musik. Lässt du dich lieber mit "Ralf" oder "Bummi" anreden ? Ist mir wirklich egal. Bummi, den Spitznamen habe ich als Kleinstkind von meiner Mutter verpasst bekommen. Vielleicht weil ich ein dickes Fell hatte ? Weshalb machst du aus deinem Geburtsdatum ein Geheimnis, du siehst doch jünger aus ? Mach ich doch gar nicht. Geboren am 18.Januar anno `56 in Berlin. Um fit zu bleiben, jogge ich jeden Tag mindestens fünf Kilometer, gehe Freitags in die Sauna. Dabei kann ich mich herrlich entspannen. Bist du Sport interessiert ? Ja, ganz vornan steht Fußball. Meine Mannschaft ? Dynamo Dresden. Hast du ein bestimmtes Ziel für die Zukunft ? Ich möchte ein guter Songschreiber werden, das mir ein paar Lieder gelingen, die man sich auch noch später anhören kann. Wie entstehen deine Lieder, komponierst du alle selbst ? Ich komponiere und arrangiere alles selbst. Eine LP mit 10, 12 Titeln hintereinander weg zu erarbeiten, ist für mich eine ganz neue, spannende Erfahrung. "Wind im Gesicht" war ja vorwiegend ein Sampler. Die Lieder der 2.LP hab` ich in ziemlich kurzer zeit komponiert. Wenn ich so richtig im Arbeiten drin bin ... Welche Instrumente beherrschst du denn ? Gitarre, Keyboards, und mit der ganzen Computersache kann ich die Drums programmieren. Da kommen bei der Arbeit im Studio nur noch die Naturinstrumente dazu. Bei meiner LP waren das z.B. Conny Bauer ( POsaune ), Ferry Grott ( Trompete ), Rene Decker ( Saxophon ), Reinhard Petereit ( Gitarre ), Judit Tudor ( Background ) und die Pop - Jazz - Band Flair, die einige Parts mit eingespielt hat. Nach der ersten LP wurde dir von Kritikern der Vorwurf gemacht, die Titel hätten alle das gleiche Strickmuster. Wie stehst du dazu ? Einer schrieb sogar, das ich im Dieter Bohlen - Verschnitt meine Titel durch die Hitparaden jage. Damit kann ich mich natürlich nicht identifizieren. Was das andere angeht: Ich bin für Überschaubarkeit, nicht für komplizierte Strukturen. Es sollen Pop - Songs sein, die schnell ins Ohr gehen. Das mehr Abwechslung im Ensemble der Titel nötig ist, sehe ich im Nachhinein auch so, und ich habe versucht, das bei der 2. LP zu berücksichtigen. Was auf "Wind im Gesicht" zu hören ist, entsprach einfach meinen Möglichkeiten zur damaligen Zeit. Insofern geht die 2. Platte natürlich einen Schritt weiter. Wie intensiv ist die Beziehung zu deinen Fans ? Es gibt viele Fan - Klubs, mit denen ich regelmäßig in Kontakt stehe. Dabei ( wie auch bei der Beantwortung der Fanpost ) hilft mir meine Frau Regina. Die Fan - Klubs werden über neue Projekte und Vorhaben informiert. Der direkte Kontakt findet bei Live - Veranstaltungen statt. Welchen Wert hat in diesem Zusammenhang für dich der nl - Preis ? Da es ein Publikumspreis ist, der ausschließlich die Meinung eurer Leser widerspiegelt, ist es für mich einer der wertvollsten Preise, die ich bisher bekam. Eine tolle Sache ! Weniger erfreulich sind ja Niederlagen, Rückschläge. Wie verkraftest du diese ? Jede noch so kleine Niederlage hat mich bisher motiviert, was Neues anzufangen. Ich bin kein Typ der den Kopf in den Sand steckt. Bist du Frühaufsteher ? Wenn ich könnte, wie ich wollte ... Reine Arbeitsdisziplin. Was stört dich an anderen ? Unehrlichkeit. Ganz dick unterstrichen. Hinterm Rücken oder zum Munde reden. Kowarski - so das Pseudonym deines Texters - hat bis auf einen alle Texte geschrieben. Machst du selbst auch Texte ? Nein. Da ich meine Lieder komponiere, arrangiere und im Studio produziere, hängt für mich an einem Titel mehr dran als eine Headline. Dafür hab ich einfach zuviel Arbeit ins Produkt investiert, als das ich dann leichtfertig damit umgehen könnte. Weshalb singst du deine Titel nicht in englisch ? Weil ich hier lebe und meine Musik für die Leute hier mache. Im Ausland oder bei einer Produktion fürs Ausland würde ich englisch singen. Aber "Wind im Gesicht" ist z.B. in Frankreich auch auf deutsch erschienen. Bevorzugst du eine bestimmte Kleidung ? Auf der Bühne hab ich gern Sachen an, in denen ich mich gut bewegen kann. Zu Hause am liebsten sportliche Kleidung, Jogginganzug. Würde auch mal `nen Anzug und Fliege tragen, aber: Hochzeit war schon, Einschulung auch ... Gefallen dir deine Videos ? Sagen wir mal: Ich bin nicht unzufrieden damit. kenne allerdings die finanziellen und technischen Schwierigkeiten. Meine persönliche Schlussfolgerung: Lieber kein Video als ein schlechtes. Ist "Himbeermond" immer noch dein persönlicher Favorit der 1.LP ? Ja, das ist ein Lied, das ich mir auch heute noch gern anhöre. "Eh die Liebe stirbt" kann ich zum Beispiel nicht mehr hören, das Lied ist ausgelutscht wie `ne Zitrone. Hast du noch Zeit für Hobbys ? Ich will künftig mit der Studioarbeit etwas kürzer treten, will schließlich nicht zum Fachidioten werden. Wieder mehr lesen, nicht nur Fachbücher, Bedienungsanleitungen für Computer. Was ist das schönste nach einem Konzert ? Beifall und - `n Schluck Selters. Sammelst du irgendetwas ? Erfahrungen. |
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