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Rezension aus Melodie und Rhythmus 1 / 1990 Stefan Lasch |
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RALF BURSY folgte nicht der alten Skatspielregel: Nach einem Spiel soll man passen. Seiner ersten LP mit grandiosen Verkaufsergebnissen parierte er nun mit einer zweiten. Mit zehn Stücken folgt BUMMI seinem Konzept: Unverbindliches - Verbindliches aus dem endlos erscheinenden Reservoir der sittsam besungenen und komponierten Zweierbeziehungen. Da ringt sich RALF BURSY keine wesentlich neue Seiten ab, da macht sich schnell der Eindruck breit, das hat man schon mal gehört. Nun ist daran nichts Kritikwürdiges, wenn ein Autor / Sänger sein Spiel macht und dabei auf die Vorderhand, auf seine Popularität, auf seine Art beim Publikum anzukommen, setzt. Um beim Skat zu bleiben: "Irgendwo" ist vergleichbar mit einem Karo - Siebentrümpfer. In der Regel werden solche Spiele gewonnen, wenn auch für den Spielmacher nicht allzuviel Punkte notiert werden können. Doch gewonnen ist gewonnen. Was mir an der neuen LP von RALF BURY gefällt, ist die Konsequenz, mit der an die Stücke ging. BUMMI überrascht seine Hörer nicht mit Neuerungen. Die Lieder sind modern - traditionell arrangiert. Da ist mal etwas mit Bläsern eingespielt. So ist Ferry Grott, Trompete, in "Ein Schrei ohne Ton" und "Gute Nacht" zu hören. Rene Decker, Saxophon, spielt in "Unterm Eis", "Ein Schrei ohne Ton" und "Zehn vor zehn" mit, und Conny Bauer, Posaune, bläst in "Gute Nacht". Eine andere Klangfarbe bestimmt den Titel "Wer bist denn du". R. Templin spielt eine Akustikgitarre. Einziger Titel, der aus dem Schema etwas heraus fällt, ist "Gute Nacht". RALF BURSY versucht sich da an swingender Musik. Da spielt ein Kontrabass mit, und das Schlagzeug wird mit Besen bedient. Ein schönes Lied, das jedoch etwas mehr Swing verdient hätte. Zumal BUMMIS voluminöses in der Tiefe sehr angenehm klingendes Organ zu dieser Stilistik passt. Schade, das er seine immer etwas weinerliche Art zu singen nicht drosselt, um diese neue Seite noch wirkungsvoller an den Hörer zu bringen. Probleme habe ich nach wie vor mit BUMMIS Texten. Selbst wenn man akzeptiert, das er nur Zweier - oder Einerkisten bedient, fehlt mir ein Funken von Witzigkeiten in den Formulierungen. So singt er zum Beispiel in "Irgendwo": "Du warst kaum 15, da fingst du schon an, davon zu träumen / aber mit 18 wuchs in dir die Angst zu versäumen, was alle Welt so schön wehrlos macht und so verrückt / stehst an der Wand gelehnt wo die andren tanzen / als ob du lieber rauchst, als ob du niemand brauchst / irgendwo auf dieser Welt, da wartet er, genau wie di so sehr / irgendwo spricht er dich an, den Mann den `s gibt, nur das er dich liebt ...". Im Titel "Hab `n sie Feuer" ist zu hören: "Verhärtung uns `er Herzen im Feierabendstau / das Hupkonzert der Schmerzen, die Sehnsucht gibt sich laut / grellfarbene Signale, maskierte Einsamkeit, die Armut geht in Schale / die Sprachlosigkeit schreit / die Bahnen laufen über von der ungedeckten Lust / das Kaufhaus steht im Fieber, die Eitelkeit im Frust / durch kahle Tunnelschächte heim ins grüne Flimmerlicht / die Onanie der Nächte steht uns früh noch im Gesicht / hab `n sie Feuer - einer hält, einer spricht ...". Ähnliche Wortkonstruktionen findet man in fast allen Liedern. Meinen Nerv treffen sie nicht. Aber vielleicht ist es gerade das, was BUMMI - Fans so anmacht. Die 2. RALF BURSY - LP ist sicher kein Meilenstein in der Produktion nationaler Pop - Musik, aber ein Produkt, das so unaufdringlich ist, um nicht nur von 14jährigen angenommen zu werden. Die nette, freundliche, vorbeirauschende Musik, die beim Hören weder provoziert noch groß in Gewissenskonflikte stürzt. So was muss es auch geben ... Die gezahlten 16,10 M werden letztlich den Wert dieser LP festlegen. Ich halte es für müßig, den Wert von "Irgendwo" nur mit Worten festzumachen. Pop - Musik, die auf großes Käufer - oder Hörerinteresse stößt, muss ja letztlich was haben, sonst würde sie in den Regalen verstauben, und Radiosendungen böten keine Sendezeit. Das Spiel um Hörergunst und Meinungsstreit ist also aufgenommen ... |