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Begonnen hat alles 1984. Da fanden vier Musiker ( der Keyboarder kam
erst später hinzu ) einen Nenner und einen Namen. Chicoree – das
beschreibt den Inhalt der Lieder, leicht bitter, aber gesund, und hat
außerdem ein bisschen internationalen Flair. („Für den Fall, das
Chicoree eine Weltkarriere schafft, können sich auch diejenigen den
Namen merken, die bisher noch Chick Corea und Chicago kannten“.)
Ganz
schön „unbescheiden“. Aber die fünf machten von Anfang an kein
Geheimnis daraus, das sie später mal ganz vorne in unserer Rockszene
mitmischen wollten.
Nach
vier intensiven Probemonaten sollte die erste Einstufung gleich
„Sonderstufe“ bringen. Neben dem Titel „Hervorragendes
Amateurtanzorchester der DDR“ ( Chicoree ist es inzwischen ) ist dies
die höchste Stufe, die eine Amateurband erreichen kann. Doch erstmal
gab `s Oberstufe, was die vier „Chicoree-sen“ sehr wurmte, denn
ehrgeizig waren sie schon immer.
Beim
zweiten Anlauf klappte es mit der „Sonderstufe“. Nun wurden einige
Leute der Fachszene hellhörig. Eine neue, noch ganz junge Band, die
ausschließlich mit eigenen Titeln auftritt und dabei noch bei jungen
Leuten ankommt – das findet man nicht oft.
Die
Auftritte häuften sich; ein Höhepunkt war das Chicorees Teilnahme am
„Rock für den Frieden“ im Januar im Palast der Republik. In Berlin war
die Band zu diesem Zeitpunkt schon so was wie eine lokale Attraktion.
Es ist
ungewöhnlich, wenn eine so junge, relativ unbekannte Gruppe
ausschließlich eigene Lieder spielt. Chicoree tut `s und kommt an.
Vielleicht weil sie auch nicht viel älter sind als ihr Publikum,
dessen Fragen, Gedanken, Gefühle die ihren sind ? Da geht es in ihren
Songs um Typen, die ihre Fahne nach dem Wind drehen ( „Kalle
Chamäleon“ ), um die Einengung der eigenen Gefühlswelt ( „Ausbruch“ )
um die Angst vor Alltagsallerlei ( „Trott“ ), um Partnerbeziehungen (
„Was du verlangst“ ), oder um die konkrete Tat des Einzelnen, die
nötig ist, um weiter zu leben ( „ Elli im Wunderland“ ).
Dirk
Zöllner, der Sänger, schreibt sich die Texte auf den Leib. Man spürt
im Konzert, das er hinter jedem Satz steht, auch die Band. As macht
die Sache glaubhaft, selbst wenn dies und das noch nicht so ausgefeilt
ist. Die Ideen, sagt Dirk, kommen ihm spontan. Zum Beispiel habe ihn
Elem Klimows Film „Geh und sieh“ stark beeindruckt. Vielleicht ein
Impuls für einen neuen Song.
Auch
Liebeslieder gehören zu ihrem Repertoire. Einige klingen ein wenig
schnulzig, ehrlich gemeint sind sie alle. Sie sind Amateure, und das
bedeutet unter anderem, das neben der Erarbeitung neuer Lieder auch
noch viele andere Dinge in Eigenregie zu bewältigen sind. So der ganze
organisatorische Kram, die Technik. Zum Glück hat Chicoree da
hilfreiche Partner: die Bezirksleitung der FDJ, das Berliner Haus für
Kulturarbeit.
Der
Fördervertrag mit der FDJ ermöglichte ihnen zum Beispiel Unterricht an
der Musikschule Friedrichshain. Für Autodidakten, die sie allesamt
waren, besonders wichtig.
Wer
Chicoree musikalisch in eine Schublade stecken will, hat es nicht
leicht. Stilistisch orientieren sich die fünf am Funky, doch jeder von
ihnen bringt zudem seinen eigenen Musikgeschmack ein:
Der
Sänger Dirk Zöllner steht auf Soul, der Bassist Frank Bennecke mag
angefunkte Sachen wie zum Beispiel „Level 42“ ( die nicht nur Hits wie
„Lessons In Love“ spielen ). Die beiden bestimmen hauptsächlich den
Sound von Chicoree, aber Heavy-Metal-Fan Garret Matzko ( Gitarre ),
Pop Stratege Andre Kuntze ( Keyboards ) und der familär jazzig
vorbelastete Achim Schulze ( Schlagzeug ) können ihre Vorlieben auch
nicht verleugnen. Da wird jeder ernst genommen, ist gleichberechtigt.
Die
fünf Musiker sind auch fünf Freunde ( deshalb sie auch bislang allen
verlockenden Angeboten renommierter Bands widerstanden ). Um Team
gehören zwei Techniker, die für die Band viel Zeit ans Bein binden.:
Marco Hoffmann kümmert sich um den Ton. Und dafür, das alles im
rechten Licht erscheint, sorgt Reyk Zöllner.
Wie
läuft bei euch so eine Woche ab ? fragen immer wieder Fans.
So
ziemlich normal, sagen die Musiker. Wir arbeiten alle, Achim schloss
vor kurzem erst seine Lehre ab; ein Grund, weshalb wir in der ersten
Jahreshälfte vor allem in Berlin spielten.
Nach
der Arbeit proben sie ( immer noch fehlt ein geeigneter Probenraum, da
muss oft improvisiert werden ), oder sie fahren zur Mugge, oder – was
nach nicht so häufig ist – sie produzieren im Studio, im Rundfunk oder
bei der Platte.
Die
Chicoree – Mannen versuchen das vorzuleben, was sie auch in ihren
Songs vermitteln wollen: Natürlichkeit. Und das sie noch keine
gesetzten Herrschaften sind, kommt dazu noch ein gehöriges Maß an
Verrücktheit.
Für die
Zukunft hat Chicoree viel vor. Natürlich kämpft die Band um Erfolg,
aber sie rennt deswegen nicht jedem neuen Trend hinterher. Chicoree
will mit eigenen Ideen bei den Leuten bestehen.
Als wir
uns trafen, bereiteten sie sich gerade auf die FDJ – Werkstatt
Jugendtanzmusik vor, die vor ein paar Tagen in Suhl zu Ende ging.
Außerdem ist eine Kleeblatt – LP bei Amiga geplant. Und natürlich
stehen in diesem Jahr noch eine Reihe Live – Auftritte an. Die beste
Möglichkeit, die eigenen Maßstäbe auf ihre Wirksamkeit zu testen.
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