|
Nach
allem was man hört und noch hören wird, ist 1985 für Amiga ein fettes
Jahr, also auch für uns. Nach Berluc und der außergewöhnlichen Silly –
LP nun City mit der zweiten Produktion in der Vier – Mann – Besetzung.
Schon
die erste Platte „Unter der Haut“ signalisierte deutlich die Wende:
Weg vom Berliner Motorrad – Rocker und hin zu einem modernen
Rockkonzept mit klaren Strukturen. Allerdings hatte sie noch spürbare
Schwächen. Vor allem der monoton geratene Keyboard Sound und auch die
einzelnen Titel wollten nicht so recht zueinander passen. Man sah sich
beständig vor der Frage, ob City nun eine keyboardlastige Band sein
möchte oder Songs nach alter Gitarrenmanier vorzieht. Aber Stücke wie
„Unter der Haut“ und „Glastraum“ wiesen schon auf das, was in der
Zukunft kommen könnte.
Gemessen an Silly und Pankow zeigt sich bei allen drei Produktionen,
das diese Bands ihren eigenen und unverkennbaren Weg gehen und das die
drei LP `s kaum miteinander zu vergleichen oder abzuwägen sind. Da
wird man `s am Jahresende bei der Kritikerumfrage leidlich schwer
haben, aber besser so als andersrum.
Um mit
der Schwachstelle anzufangen: Der Titelsong „Feuer im Eis“, ist das
mit Abstand blasseste Stück auf der Platte, darum bleibt mir seine
exponierte Stellung ein Rätsel. Aber dann geht `s los und hört bis zum
Ende nicht mehr auf.
Die
Rezeptur ist klar: gute Grundeinfälle, die sich logisch aufbauen und
nie überfrachtet sind. Die Platte verrät eine außergewöhnliche,
geschmackliche Sicherheit. Die Frage, ob nun Keyboards oder Gitarre,
ist auf dieser LP auf moderne Weise gelöst worden. Heraus kommt ein
kombinierter Keyboard – Gitarren – Sound, wobei die Gitarre klar
vorgeschriebene Chorusstrecken hat, ohne in akrobatische Übungen
auszuarten.
Handwerklich ist die LP blitzsauber gearbeitet, der Sound kann sich
international hören lassen, der Tonmeister, Walter Müller, hat eine
Arbeit abgeliefert, die zeitgenössischen Soundvorstellungen in der
populären Musik voll gerecht wird. Dabei rutschen Band und Tonmeister
nicht in Effektschnickschnack ab.
Ich
glaube, das City mit dieser Platte eine für sich gültige
Spielauffassung gefunden hat, eine Spielauffassung, in der sich Rock
`n` Roll und Popmusik mit ihren besten Stellen berühren. Die Formel,
wer Tanzmusik macht, kann kein guter Rock `n `Roller sein, geht seit
einigen Jahren nicht mehr auf.
City
versucht mit der LP „Feuer im Eis“ bewusst rhythmische Strukturen
anzubieten, bei denen man mitwippen kann, nach denen man tanzen kann.
Die Diskjockeis werden `s ihnen danken.
Texte
haben in dieser Musik keine solch zentrale Bedeutung wie bei „Silly“.
Vielleicht erklärt sich daraus die Tatsache, das Werner Karma nur noch
mit einem Stück ( „Liebe unterm Satellit“ ) vertreten ist. Dennoch
haben es City und der neue Texter Kuno Kleinfeld fertig gebracht, mit
ihren Aussagen nicht in banale Tanzweisheiten abzugleiten. Der Grat,
den man da gehen kann, ist ja sehr schmal. Die Musik bringt es mit
sich, das die Texte ihren genauen Inhalt erst beim zweiten oder
dritten Hören preisgeben. Zunächst bleiben nur Signalzeilen im Ohr:
z.B. Kontakt läuft nur noch über `s Telefon …“.
Das für
mich schönste Lied ist „Schattenbild“. In der Art etwa angelegt wie
„Glastraum“, gehen in ihm die modernen Rock – Pop – Verbindungen am
bündigsten auf, ein Stück, wie für Toni gemacht. Übrigens hat mich die
Platte neuerlicher weise davon überzeugt, das Toni Krahl mit zu den
besten Rocksängern des Landes gehört. Sicher im Ausdruck, mit einem
Schuss Maniriertheit und eben einer tollen Stimme, so präsentiert er
sich die ganze Platte.
Irgendwie stimmt das mit dem „Feuer im Eis“ doch: Scheinbar kühl und
genau berechnet, steckt doch eine Menge Hitze in der Platte. |