Rezension aus Melodie und Rhythmus 1984

Lutz Bertram

 Nach allem was man hört und noch hören wird, ist 1985 für Amiga ein fettes Jahr, also auch für uns. Nach Berluc und der außergewöhnlichen Silly – LP nun City mit der zweiten Produktion in der Vier – Mann – Besetzung.

Schon die erste Platte „Unter der Haut“ signalisierte deutlich die Wende: Weg vom Berliner Motorrad – Rocker und hin zu einem modernen Rockkonzept mit klaren Strukturen. Allerdings hatte sie noch spürbare Schwächen. Vor allem der monoton geratene Keyboard Sound und auch die einzelnen Titel wollten nicht so recht zueinander passen. Man sah sich beständig vor der Frage, ob City nun eine keyboardlastige Band sein möchte oder Songs nach alter Gitarrenmanier vorzieht. Aber Stücke wie „Unter der Haut“ und „Glastraum“ wiesen schon auf das, was in der Zukunft kommen könnte.

Gemessen an Silly und Pankow zeigt sich bei allen drei Produktionen, das diese Bands ihren eigenen und unverkennbaren Weg gehen und das die drei LP `s kaum miteinander zu vergleichen oder abzuwägen sind. Da wird man `s am Jahresende bei der Kritikerumfrage leidlich schwer haben, aber besser so als andersrum.

Um mit der Schwachstelle anzufangen: Der Titelsong „Feuer im Eis“, ist das mit Abstand blasseste Stück auf der Platte, darum bleibt mir seine exponierte Stellung ein Rätsel. Aber dann geht `s los und hört bis zum Ende nicht mehr auf.

Die Rezeptur ist klar: gute Grundeinfälle, die sich logisch aufbauen und nie überfrachtet sind. Die Platte verrät eine außergewöhnliche, geschmackliche Sicherheit. Die Frage, ob nun Keyboards oder Gitarre, ist auf dieser LP auf moderne Weise gelöst worden. Heraus kommt ein kombinierter Keyboard – Gitarren – Sound, wobei die Gitarre klar vorgeschriebene Chorusstrecken hat, ohne in akrobatische Übungen auszuarten.

Handwerklich ist die LP blitzsauber gearbeitet, der Sound kann sich international hören lassen, der Tonmeister, Walter Müller, hat eine Arbeit abgeliefert, die zeitgenössischen Soundvorstellungen in der populären Musik voll gerecht wird. Dabei rutschen Band und Tonmeister nicht in Effektschnickschnack ab.

Ich glaube, das City mit dieser Platte eine für sich gültige Spielauffassung gefunden hat, eine Spielauffassung, in der sich Rock `n` Roll und Popmusik mit ihren besten Stellen berühren. Die Formel, wer Tanzmusik macht, kann kein guter Rock `n `Roller sein, geht seit einigen Jahren nicht mehr auf.

City versucht mit der LP „Feuer im Eis“ bewusst rhythmische Strukturen anzubieten, bei denen man mitwippen kann, nach denen man tanzen kann. Die Diskjockeis werden `s ihnen danken.

Texte haben in dieser Musik keine solch zentrale Bedeutung wie bei „Silly“. Vielleicht erklärt sich daraus die Tatsache, das Werner Karma nur noch mit einem Stück ( „Liebe unterm Satellit“ ) vertreten ist. Dennoch haben es City und der neue Texter Kuno Kleinfeld  fertig gebracht, mit ihren Aussagen nicht in banale Tanzweisheiten abzugleiten. Der Grat, den man da gehen kann, ist ja sehr schmal. Die Musik bringt es mit sich, das die Texte ihren genauen Inhalt erst beim zweiten oder dritten Hören preisgeben. Zunächst bleiben nur Signalzeilen im Ohr: z.B. Kontakt läuft nur noch über `s Telefon …“.

Das für mich schönste Lied ist „Schattenbild“. In der Art etwa angelegt wie „Glastraum“, gehen in ihm die modernen Rock – Pop – Verbindungen am bündigsten auf, ein Stück, wie für Toni gemacht. Übrigens hat mich die Platte neuerlicher weise davon überzeugt, das Toni Krahl mit zu den besten Rocksängern des Landes gehört. Sicher im Ausdruck, mit einem Schuss Maniriertheit und eben einer tollen Stimme, so präsentiert er sich die ganze Platte.

Irgendwie stimmt das mit dem „Feuer im Eis“ doch: Scheinbar kühl und genau berechnet, steckt doch eine Menge Hitze in der Platte.