|
Ganz klar die
Nummer 1 in diesem Monat - und ich denke, sehr lange noch: die neue
City - LP "Casablanca".
Für
mich das Beste, was ich seit geraumer Zeit an deutschsprachigem Rock
gehört habe. Zwei Jahre haben sich die vier Berliner Musiker Zeit für
diese Platte genommen ... und es hat sich gelohnt. Auch wenn sie
eigene Traditionslinien - vor allem in der Musik - nicht total
verleugnen, finden sich doch jede Menge neue Ansatzpunkte. Gabe es an
ihren beiden Vorgänger - Scheiben "Feuer im Eis" sowie "Unter der
Haut" im Nachhinein, auch aus selbstkritischer Sicht der Musiker,
Abstriche an der Komplexität des künstlerischen Produkts zu machen,
legen sie nun mit "Casablanca" ein Konzeptalbum vor, das diesen Titel
zurecht verdient.
Kintopp, Leinwandhelden und Filmerlebnisse gehören zum Leben von jedem
von uns ... Und gibt es mal wieder einen Anstoß dazu, treten diese
Schlüsselerlebnisse aus Kindheit und Jugend sehr nachhaltig in das
Bewusstsein unserer Erinnerungen ... machen wehmütig und traurig,
entlocken hier und da ein verschmitztes Lächeln. City gibt diesen
Anstoß. Und immer wieder. Ich habe die Platte mit den 9 Songs gerade
zum vierten Mal gehört.
Bei
dieser LP stimmt einfach alles, von der Idee bis zur Umsetzung. Kino -
tausendfach dem Fernsehen geopfert und immer wieder auferstanden.
Hoffentlich kommt ein solcher Film-Klassiker wie "Casablanca" ( mit
jener Musik "As Time Goes By" ) zum Wiedereinsatz in die
Lichtspielhäuser... Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann ... dazu heute
die Musik von City. Die Arrangements und Sounds sind gerade so sparsam
oder aufwendig, das sie jeweils die Wirkung der einzelnen Songs
erhöhen. Details muss sich jeder selbst erschließen. Ich habe mich
jedenfalls sehr darüber gefreut, mit welcher Konsequenz - im Sinne des
gemeinsamen Anliegens - jeder Musiker sein profiliertes Spiel
einbringt, Toni Krahl mit seinem ganz eigenen Charisma zu einem noch
überzeugenderen Sänger geworden ist.
Führt
uns der Titelsong auch weit weg, nach Casablanca, spielen die
Geschichten der anderen Songs zwischen "Cinema Hall" und Biertisch
nicht gerade unterm "Pfefferminzhimmel", aber in einer Realität und
Gegenwart, die nun schon wieder 26 Jahre Geschichte hat.
|