Das Fest

A.Schmidt

Lyrik

Komp. Arno Schmidt

Text: Ed Stuhler

 

Haben alles ausgeleert,

bis zum letzten Rest,
keiner keinem zugehört,
Mann, war das ein Fest.

 

Lieder haben wir gesungen,

schaurig schön und schief.
Traurig haben wir getrunken,
als das Ende rief.
 

Ach, wir waren viel zu laut,

zu viel Blasmusik.
Hörbar haben wir gekaut
an der Politik.
Hemmungslos herumgehampelt,
oft bis früh um neun.
Manches haben wir zertrampelt,
was wir heut bereu'n.
 

Längst hat uns der Alltag wieder,

  die Trompeten ruhn.
Wollen wieder, brav und bieder,
 unsre Arbeit tun.
 Sehn wir uns nach Jahren wieder,
  was durchaus geschehen kann,
singen wir die Heldenlieder -
schaun die alten Fotos an.
 

Jeder brachte seine Lust,

seine Wärme ein,
jeder konnte seinen Frust
von der Seele schrein.
Jeder sprach mit sehr viel Phon,
jeder über sich.
Es war wie in Babylon
wie am runden Tisch.
 

Spiele haben wir gespielt,

häufig und zu Hauf,
daß das Schiff nach oben kielt,
fiel nicht weiter auf.
 

Was war das für ein Gewühle,

Mittel heiligt Zweck,
zogen gegenseitig Stühle
unterm Arsch uns weg.
 

Längst hat uns der Alltag wieder,

  die Trompeten ruhn.
Wollen wieder, brav und bieder,
 unsre Arbeit tun.
 Sehn wir uns nach Jahren wieder,
  was durchaus geschehen kann,
singen wir die Heldenlieder -
schaun die alten Fotos an.
 

Jeder konnte jeden lieben,

wie es grade kam.
Zahme, die wie wild es trieben,
Wilde eher zahm.
 

Es gab allerhand zu lachen,

kurz vor Ultimo.
Gute Ehen gingen krachen,
andre sowieso.
 

Lieder haben wir gesungen,

schaurig schön und schief.
Traurig haben wir getrunken,
als das Ende rief.
 

Haben alles durchprobiert,

bis zum letzten Kuß.
Keiner keinem zugehört,
seltsam war der Schluß.

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.