|
Freestyle im Tonelli´s . Hansi
Noack, bekannt vor allem als die Geige von DEKAdance , von
Musikfreunden geschätzt als Spiritus Rector des Avantgarde-Projekts A
. i . d . S ., hatte mal wieder zur Session geladen . Stargast des
Abends ist Bert Stephan, die Trompete und der Kopf von DEKAdance aus
Dresden, die Gitarre bei den Rockys und , wie sein kürzlich
erschienenes zweites Solo-Album beweist, hinter allem musikalischen
Geblödel ein sehr ernst zu nehmender Musiker mit progrockigen
Ambitionen. Ihm zu Ehren heißt die Band an diesem Abend Bert Stephan
Group.
Vor Jahren hat er sich mal mit
dem kongenialen Programm ´´was Sie schon immer über Jazz wissen
wollten´´ über eben jenen lustig gemacht. Jetzt spielt er welchen.
Pech für alle, die in der Hoffnung auf dekadenten Klamauk gekommen
sind. Songs im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die Band spielt genau
zwei Stücke eines vor und eines nach der Pause. Alles wird frei
improvisiert, Strukturen sind nicht vorgegeben, sie entstehen
höchstens. Die Musiker spielen miteinander , im wahren wie im
übertragenen Sinne. Sie kreuzen zwanglos umher, suchen einander und
finden gemeinsam zu Höhepunkten – um sich anschließend wieder zu
verlieren. Stephan spielt erst Gitarre , dann Trompete , Hansi liefert
verblüffende Beweise, wie sehr Geigentöne verfremdet werden können,
wenn man nur genügend Effektgeräte hat. Sehr belebend das Saxophon in
Teil zwei.
Mario von Mad X-Ray am Bass ist
die Seele des Ganzen. Betont zurückhaltend beteiligt er sich kaum an
den musikalischen Kapriolen seiner Kollegen auf der Bühne, ist aber
ständig hellwach, spürt sofort, wenn Ideenfunken hörbar werden, nimmt
die Vibes sensibel auf und Verpasst ihnen ein Fundament. Wenn
gelegentlich alles auseinander zu driften droht, behält er die
Übersicht, sein Bass ist die letzte Rückzugslinie vor dem Chaos. Das
Ganze ist natürlich schwer gewöhnungsbedürftig, und es gibt
ohrenscheinlich quälende Passagen, in denen alle mehr oder minder
hilflos aneinander vorbeistolpern. Doch wenn sie sich gefunden haben,
laufen sie zu großer Form auf. Auch das Publikum genießt diese
Momente, der Applaus ist durchaus begeistert.
Die Musiker allerdings lassen
sich nach dem weiten Stück nicht noch einmal auf die Bühne bewegen –
auch da sind sie sehr eigen… |