Leipziger Volkszeitung 12.07.2005

   

Bert Stephan Group bei Freestyle-Session im Tonelli`s

Quälend gut

Peter Matzke

 

Freestyle im Tonelli´s . Hansi Noack, bekannt vor allem als die Geige von DEKAdance , von Musikfreunden geschätzt als Spiritus Rector des Avantgarde-Projekts A . i . d . S ., hatte mal wieder zur Session geladen . Stargast des Abends ist Bert Stephan, die Trompete und der Kopf von DEKAdance aus Dresden, die Gitarre bei den Rockys und , wie sein kürzlich erschienenes zweites Solo-Album beweist, hinter allem musikalischen Geblödel ein sehr ernst zu nehmender Musiker mit progrockigen Ambitionen. Ihm zu Ehren heißt die Band an diesem Abend Bert Stephan Group.

Vor Jahren hat er sich mal mit dem kongenialen Programm ´´was Sie schon immer über Jazz wissen wollten´´ über eben jenen lustig gemacht. Jetzt spielt er welchen. Pech für alle, die in der Hoffnung auf dekadenten Klamauk gekommen sind. Songs im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die Band spielt genau zwei Stücke eines vor und eines nach der Pause. Alles wird frei improvisiert, Strukturen sind nicht vorgegeben, sie entstehen höchstens. Die Musiker spielen miteinander , im wahren wie im übertragenen Sinne. Sie kreuzen zwanglos umher, suchen einander und finden gemeinsam zu Höhepunkten – um sich anschließend wieder zu verlieren. Stephan spielt erst Gitarre , dann Trompete , Hansi liefert verblüffende Beweise, wie sehr Geigentöne verfremdet werden können, wenn man nur genügend Effektgeräte hat. Sehr belebend das Saxophon in Teil zwei.

Mario von Mad X-Ray am Bass ist die Seele des Ganzen. Betont zurückhaltend beteiligt er sich kaum an den musikalischen Kapriolen seiner Kollegen auf der Bühne, ist aber ständig hellwach, spürt sofort, wenn Ideenfunken hörbar werden, nimmt die Vibes sensibel auf und Verpasst ihnen ein Fundament. Wenn gelegentlich alles auseinander zu driften droht, behält er die Übersicht, sein Bass ist die letzte Rückzugslinie vor dem Chaos. Das Ganze ist natürlich schwer gewöhnungsbedürftig, und es gibt ohrenscheinlich quälende Passagen, in denen alle mehr oder minder hilflos aneinander vorbeistolpern. Doch wenn sie sich gefunden haben, laufen sie zu großer Form auf. Auch das Publikum genießt diese Momente, der Applaus ist durchaus begeistert.

Die Musiker allerdings lassen sich nach dem weiten Stück nicht noch einmal auf die Bühne bewegen – auch da sind sie sehr eigen…