Die Anderen

Engerling

Lyrik

Komp. Wolfram Bodag

Text: Wolfram Bodag

 
Die Welt platzt aus den Nähten,
die Wüste expandiert.
Wir kauen an den Nägeln
und geb`n  uns kultiviert.
Und haben im Grunde von allem
die Nase voll.
Wir baun uns neue Götzen,
Kurzweil unser Ziel.
Wir zahlen jeden Preis
für ein neues Spiel.
Und bedecken mit kühlem Lächeln unsern Groll.
 

Und wir nuckeln am Daumen,

kitzeln unseren Gaumen,
wollen nicht wie die Anderen sein.
 

Aus der Illustrierten

hört man Kinder schrei`n.
Wir spüren leichten Schauder
und zahlen Spenden ein.
Wir nehmen jeden Tag unser Bad,
wir sehnen uns nach Stränden
ohne Schlamm und Kot.
Und wir fahr`n mit unsern Autos
wilde Katzen tot,
am Tag auf dem Lande,
nachts in der Stadt.
 

Und wir nuckeln am Daumen,

kitzeln unseren Gaumen,
wollen nicht wie die Anderen sein.
Und wir bauen uns Mauern
in denen wir uns belauern,
meißeln goldene Regeln in den Stein.
 

Wir sind nicht wie die andern,

die andern sind nicht wir.
Wir leben unser Leben,
wechseln ständig das Revier.
Am Tag auf dem Lande,
nachts in der Stadt.
Die Welt platzt aus den Nähten,
die Wüste expandiert.
Die Bäume brauchen Zelte,
ein Virus revoltiert.
Und die anderen drücken sich an unseren Scheiben
die Nasen platt.
 

Und wir nuckeln am Daumen,

kitzeln unseren Gaumen,
wollen nicht wie die Anderen sein.
Und wir bauen uns Mauern
in denen wir uns belauern.
Meißeln goldene Regeln in den Stein,
goldne Regeln in den Stein,
wollen nicht wie die andern sein.
Und meißeln, meißeln, meißeln
Regeln in den Stein ...
 

Und wir nuckeln am Daumen,

kitzeln unseren Gaumen,
ahnen das wir die andern verliern.
Doch wir wollen geliebt sein,
niemals wieder betrübt sein,
also tun wir die andern verführn.

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.