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„Bei arroganten Plattenbossen keine Klinken putzen“
Dirk Michaelis kam als
Sohn einer Künstlerfamilie in Karl Marx Stadt zur Welt. Schon früh hatte er
kleine Filmrollen (z.B. mit Gojko Mitic) und begann Musik zu machen. Wurde
dann bald zum besten Nachwuchskünstler der DDR gekürt.
Nun hat er sein eigenes
Label ROCKchanSONG. Da steckt alles drin, was Dirk Michaelis ausmacht:
Rocker, Chansonnier und Liedermacher. Der Mann, der als Sänger der
DDR-Rockband Karussell die Hitparaden beherrschte, kommt endlich wieder nach
Thüringen. Hingehauchte Balladen, wie das unverwüstliche „Als ich fortging“
werden immer fest mit Michaelis verbunden sein. Zu all diesen Dingen
befragte ihn unser Mitarbeiter Thomas Behlert.
Sie sind Botschafter
der Deutschen Josè Carreras Leukämiestiftung. Wie Sie sind dazu gekommen und
wie bringen Sie sich ein?
DM: Ich hatte die ganz
große Ehre mit Jose Carreras das Lied „Als ich fortging“ im Duett zu singen,
im Rahmen seiner jährlichen Gala. Das war für das Lied wie ein Ritterschlag.
In der folgenden Zeit hielt er mich immer auf dem Laufenden über die
Stiftung. Irgendwann konnte ich mich mehr in die Öffentlichkeitsarbeit
einbringen. Vor einigen Wochen ereilte unserer Band ein Schicksalsschlag,
den keiner braucht: Mein Freund, Gitarrist und Produzent Thomas Maser ist an
Leukämie erkrankt. Da die Krankheit vor niemanden halt macht, ist solch eine
Stiftung sehr wichtig. Im Moment haben die Chemo-Therapien bei Thomas
angeschlagen und er kann mit nach Gotha kommen. Unser Album „Halleluja“
bieten wir preisgünstiger an und stellen die Einnahmen der Stiftung zur
Verfügung.
Ihr eigenes Label „ROCKchanSONGS“
gibt es nun schon eine Weile. Wollten Sie unabhängiger sein? Aber ist es
jetzt nicht ungemein schwieriger mit seiner Musik in die großen
Verkaufsmärkte vorzudringen?
DM: Ich wollte wirklich
mit dem Label unabhängig sein und nicht bei arroganten Plattenbossen Klinken
putzen und erzählen müssen, wer ich bin und wie mein bekanntestes Lied
heißt. Die Krise in der Musikbranche macht deutlich, dass man lieber „kleine
Brötchen“ backen sollte, aber die stetig. Ich will gerne ein populärer
Geheimtipp sein, als irgendwann in einem Katalog einer großen Firma
gestrichen zu werden.
Immer wird ihr Name im
Zusammenhang mit dem DDR-Lied „Als ich fortging“ genannt. Ist dieser Hit
immer noch Segen, oder mittlerweile schon Fluch?
DM: „Als ich fortging“ ist
mein „Yesterday“. Paul McCartney wird sein Lied bestimmt auch nicht als
Fluch empfinden. Ich bin froh, dieses Lied geschaffen zu haben und singen zu
dürfen, zumal es zeitlos ist und einfach von allen Generationen gehört wird.
Mit dem Text von Gisela Steineckert werden sich noch viele Generationen
identifizieren können. Es gibt im Leben genügend Künstler, die solch einem
Lied ewig hinterher rennen.
Es existieren
mittlerweile jede Menge Coverversionen, sogar auf Spanisch und Griechisch.
Kennen Sie alle und welche ist die schönste Version? Und welche sollte
verboten werden?
DM: Oh, es sind
mittlerweile über 20 Coverversionen, die ich aber nicht alle kenne und nicht
beurteilen will. Ich bin immer wieder überrascht, was für neue Cover
auftauchen. Udo Jürgens hat mich mal gefragt, ob „Als ich fortging“ ein
Volkslied sei. Darauf antwortete ich, dass ich mich freuen würde, wenn es
zum Volkslied wird, aber komponiert habe ich es. Einige Varianten gehen ans
Herz und an andere muss man sich gewöhnen. Ich finde es großartig, wenn das
Lied auch bei der jungen Generation ankommt. Die neueste Version ist
übrigens seit Wochen in den Charts, nämlich auf dem zweiten Album von „Adoro“.
Singen Sie das Original
auch auf den Thüringer Bühnen? Was kann der Zuschauer erwarten?
DM: Na logisch, sonst
komme ich bestimmt nicht von der Bühne. An Thüringen habe ich gute
Erinnerungen, da ich als junger Liedermacher öfters hier gastierte. Es wird
Lieder aus meiner Karussell-Zeit geben, aber vor allem Songs von meinen
Soloalben.
Ihr letztes Album liegt
doch schon eine kleine Weile zurück. Wird es bald etwas Neues geben? und
können wir das eventuell schon hören?
DM: Das neue Album „Glaube
Liebe Hoffnung“ bringen wir mit nach Gotha. Aber wie gesagt, die Erkrankung
von Thomas hat alles Musikalische in den Hintergrund gerückt. Er sollte erst
einmal gesund werden, damit wir jetzt wieder angreifen können.
Wer ihre Karriere
genauer beobachtet, merkt, dass sie auf ihren Alben immer mehr eigene Texte
verwenden, zumindest seit dem Werk „Solo“. Was war dafür der Auslöser?
DM: Man wird im Laufe der
Karriere mutiger und selbstbewusster und beginnt eigene Ideen zu
verarbeiten. Früher hatte ich eine Schere im Kopf und traute mich nicht
eigene Dinge beim Namen zu nennen und in einem Song zu verarbeiten. Diese
Scheu ist mir nun abhanden gekommen. Ich möchte eben einfach Sachen singen,
die ich selbst erlebt habe, die mir erzählt worden sind.
Hast du schon mal
überlegt englische Lieder zu singen?
DM: Daran denke ich
öfters. Ab und zu singe ich englische Lieder, die mir gefallen und zu mir
passen. Ich habe großes Interesse daran, deutsche anspruchsvolle Songs zu
schreiben. Gute englische Songs gibt es genug, aber deutsche noch nicht zu
sehr.
Wie entwickelst Du
deine Lieder? Ist zuerst der Text da oder erst die Melodie?
DM: Oft ist es so, dass
mich ein Song regelrecht anspringt. Oder eine Zeile fällt mir ein, die dann
gleich am Klavier weiter verarbeitet wird. Es gibt keine feste Zeit ein Lied
zu entwickeln, wenn die Idee halt mitten in der Nacht kommt, wird sie eben
mitten in der Nacht bearbeitet.
Info: 12.3. Erfurt, 19.3.
Jena, 26.3. Gotha |