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Zu einem kulturellen
Höhepunkt von überragender Bedeutung für die Stadt Hoyerswerda gestaltete
sich die Adaption der Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ am Freitag in
der ausverkauften Lausitzhalle. Entstanden war das Projekt im
Schulförderverein des Lessinggymnasiums, die Idee dazu hatte
Vereinsmitglied Ralf Kiefel bereits 2004 ins Gespräch gebracht mit dem
Ziel, die musische Ausbildung zu vertiefen.
Große Herausforderung
Der Umsetzung bedurfte es allerdings doch einiger Zeit. Schließlich gelang
es Ralf Kiefel, neben den beiden Chören des Lessinggymnasiums weitere zehn
Chöre aus Hoyerswerda und Umgebung für das aufwendige Projekt zu
begeistern. Im Herbst 2007 begannen die Proben unter der Leitung der
Musikpädagogin Kerstin Lieder. Monatlich einmal trafen sich die rund 100
Chorsängerinnen und -sänger, um gemeinsam zu üben. Mit viel Disziplin und
Liebe zur Sache gelang die ungewöhnliche, anspruchsvolle Herausforderung.
Die Besucher in der Lausitzhalle erwartete zunächst eine musikalische
Reise durch die 1970er und 1980er Jahre des Ostrocks, „als gute Rockmusik
noch mit deutschen Texten erklang, in denen sich die Träume, Wünsche und
Hoffnungen der Menschen ebenso widerspiegelten wie die Erfahrungen, die
das Leben mit sich brachte“, sagte Moderator Detlef Heuke. Auf diese
musikalische Reise hatte sich der Kinderchor des Lessinggymnasiums
vorbereitet. 75 Kinder der Klassen 6, 7 und 8 sangen Lieder von Berluc,
Keimzeit,
Neumis Rockzirkus, Veronika Fischer und Thomas Natschinski.
Die musikalische Begleitung
des Abends hatten Schüler und ehemalige Schüler des Lessinggymnasiums
übernommen. Nach den Kinderchören lenkte
Detlef Heuke die Aufmerksamkeit auf Kurt Demmler, der als der
erfolgreichste Rockkomponist und Texter der DDR gilt und für viele Gruppen
und Künstler schrieb. 1971 veröffentlichte er seine erste LP. „Die
Sichtweisen von Kurt Demmler halten ein ganzes Leben, er erhielt dafür
sogar den Nationalpreis der DDR“, erzählte Detlef Heuke.
Aus Demmlers CD „Kerzenlieder“ sangen Franziska Kiefel, Romy Steinbach,
Thomas Brand und Max Proksch die Titel „Prinzen“, „Land der Tränen“ und
„Mein Lied“.
Nach zwei Titeln der Gruppe „Electra“, dargeboten von der Formation
„Dreiklang“ des Lessinggymnasiums, folgte noch eine Filmeinspielung aus
dem Meißner Dom, unterlegt mit dem Electra-Original „Tritt ein in den
Dom“.
Kulisse aus Burghammer
Dann kam der spannendste Teil des Abends, als die 100 Chorsängerinnen und
Chorsänger die Bühne betraten und hinter dem sich hebenden Vorhang ein
atemberaubendes Bühnenbild sichtbar wurde, das die Sixtinische Madonna
hoch oben im Himmel zeigte. Angefertigt wurde es von Aleksander Koryzna
aus Burghammer mit seinen fleißigen Helfern. Spätestens hier zeigte sich,
welcher Gemeinsinn die Region bei diesem Projekt einte.
Die im Jahr 1512 von Raffael gemalte „Sixtinische Madonna“, die nur zwei
Besitzer hatte, ist in der Dresdener Galerie Alte Meister zu sehen und kam
1979 als Rocksuite mit dem Text von Kurt Demmler und der Musik von Bernd
Aust mit der Gruppe Electra zur Aufführung. Welche Emotionen würde sie nun
in der Lausitzhalle wecken, fast 30 Jahre später?
Es waren die gleichen Emotionen, nachdem die drei Sätze der Rocksuite „Der
Maler“, „Das Bild“ und „Der Betrachter“ verklungen waren. Eine
Meisterleistung hatten die Chöre und der Dresdner Tenor Jens-Uwe Mürner
geboten.

Der Beifall, der auch den Musikern galt, nahm kein Ende, so dass der
dritte Satz wiederholt werden musste. Zutiefst angetan von diesem
kulturellen Glanzereignis zeigten sich auch die Ehrengäste, unter ihnen
auch Bernd Aus: „Es hat sich gelohnt, heute dabei gewesen zu sein“
Komponist Bernd Aust spricht über die Arbeit an der „Sixtinischen
Madonna“, die Aufführung und seine Erinnerungen an Hoyerswerda.
Herr Aust, wie haben Sie das Konzert empfunden?
Ich bin beeindruckt vom Fleiß und der Ausdauer der Mitwirkenden und vor
allem über die Anzahl der Chöre. Zwei Proben habe ich selbst miterlebt,
und ich kann nur sagen: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, heute in der
Lausitzhalle dabei gewesen zu sein.
Wie entstand in den 1970er Jahren die Idee zu dieser Rocksuite?
1979 hatte unsere Gruppe ihr zehnjähriges Bestehen, dazu fand ein
Jubiläumskonzert statt. Wir wollten dazu etwas Besonderes bieten, und die
„Sixtinische Madonna“ war damals das bekannteste Bild in der Kunststadt
Dresden. An der Rocksuite haben wir damals genauso lange geübt wie jetzt
die Chöre.
Welchen Stellenwert hat die Rocksuite heute?
Sie ist zeitbezogen und das Bild gibt es ebenfalls noch. Eventuell spielen
wir sie erneut in zwei Jahren. Dann wird eine Sonderausstellung
„Italienische Meister“ in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zu
sehen sein.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Hoyerswerda?
Vor allem unseren Auftritt in der letzten Folge von „Wiedersehen macht
Freude“. Wenn wir eingeladen werden, geben wir 2009 auch gern ein Konzert
in der Lausitzhalle anlässlich „40 Jahre Electra“.
Gespräch: Jost Schmidtchen
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