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Interview mit "Boddi Bodag" von Engeling |
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Interviews |
13.10.2007 - Berlin - Wabe |
Engerling |
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danke Thomas ( keletizene.de ) - Foto Dietmar Korth |
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Eine neue
Engerling - Scheibe ist also eher im Konjunktiven anzusiedeln ? Ja, ich bin eh nicht so der Plattenmacher-Mensch. Ihr seid ja nun inzwischen mehr als 30 Jahre unterwegs, da kommt einiges zusammen an Erlebnissen und Geschichten. Gibt es da eurerseits Überlegungen, darüber ein Buch zu veröffentlichen? Nein, überhaupt nicht. Zum einen bin ich ja kein 50jähriger Jungspund mehr, habe also einiges vergessen und auch nicht das zu Hause, was man als Archiv bezeichnen könnte; zum anderen haben sie mir in den achtziger Jahren mal die Bude ausgeräumt - da habe nicht einmal mehr alte Aufzeichnungen und Fotos von Engerling. Vielleicht findet sich mal jemand, der das aufschreibt- ich bestimmt nicht. Da fällt mir natürlich sofort Christoph Dieckman ein, nicht nur ein begnadeter Autor, sondern auch langjähriger Begleiter und exzellenter Kenner der (ost-)deutschen Rockgeschichte. Ja, nee - eigentlich bin ich dagegen. wenn jeder ein Buch schreibt, müssen wir nicht auch noch eins machen, das ist ja auch meistens ´ne Geldgeschichte... Mir reicht der kleine Beitrag über Engerling in ´´Bye, bye Lübben City ´´, der ist ok, der Band angemessen - schließlich sind wir ja nicht die Stones... Gehen wir ein paar Tage zurück. Wie kamen die Engerlinge, wie kam Boddi Bodag zum Blues - oder kam der Blues zu euch, zu Dir? Der kam zu mir durch so ´ne Amiga-Platte, ´´American Folk Blues´´, aber nicht das Doppelalbum mit dem Live-Mitschnitt, sondern eine Studioproduktion, aufgenommen in der Brunnenstraße. Hubert Sumlin, Howlin´ Wolf - der was nicht dabei, der durfte nicht, war aber auf derTour dabei - ,Willy Dixon, der wunderbare Willy Dixon...Diese Platte habe ich durch einen Zufall gehört und dachte, das ist ja das Gleiche, was die Stones auch machen, die fingen ja auch mit Blues an - na und dann habe ich mich dafür mehr interessiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war Blues für mich nur so ´ne Art Musik, nach der man tanzen kann.Wir lernten in der Tanzstunde eine Schrittfolge, die hieß ´´Blues´´. Da kann ich mir die nächste Frage ja fast klemmen, ich stell sie Dir aber trotzdem: Gab es für Dich eine musikalische Initialzündung nach dem Motto: ´´DAS ist es, genau das will und werde ich später auch machen´´? Ja, das war diese Platte, obwohl dies ja nicht so ´´tastenlastig´´ war. Aber so richtig entwickelte sich das erst während meiner Armeezeit, die Vorliebe für die schwarz-weißen Tasten. Natürlich hatte ich als Kind Klavierunterricht, das war zu jener Zeit aber nicht sooo mein Ding, das ist schon eher dem Wunsch von Mama und Papa zuzuschreiben. Ich bin damals lieber Radrennen gefahren... Das war dann vielleicht sogar die erste Platte, die Du Dir selbst gekauft hast. Und falls ja, hörst Du sie heute noch? Ja, war sie. Aber im Prinzip liegt sie heute wie in Watte gepackt. Die habe ich mir damals gleich auf Kassette überspielt und ich höre sie heute noch gern. Welches Format bevorzugst Du, wenn Du Musik hören willst, Vinyl oder CD? In
meiner alten Bude hatte ich mal ´n Wassereinbruch, da kam dann gleich die
geleimte Wandfarbe mit runter. Die ganze Beschichtung der CDs löste sich ab,
die konnte ich dann nur noch in die Tonne drücken, aber die Platten brauchte
ich nur abzuwaschen und dann konnte ich sie wieder hören. Vinyl ist mir
schon lieber, aber nicht nur aus diesem Grunde. Mit wem hättest Du gern mal gemeinsam auf der Bühne gestanden? Das ist ja von Zeit zu Zeit unterschiedlich. Aber schon in den achtziger Jahren hätte ich gern einmal zusammen mit Mitch Ryder gespielt - das hat dann ja auch geklappt. Das ist natürliche eine klasse Vorlage für die nächste Frage. Wie kam es überhaupt zum Kontakt mit Mitch Ryder? Das war eigentlich ´ne Geschichte des Managements. Mitch Ryder war doch 1988 hier im ´´Palast der Republik´´ und unser Gert, unser Manager Gert Leiser, der ja auch recht gut der englischen Sprache kundig ist, erhielt den Auftrag, beim nachfolgenden Konzert von Mitch Ryder in Dessau diesen übersetzungshalber zu betreuen und lernte da auch dessen Manager kennen. Engerling spielte im September 1989 zum ersten Mal im Westen, in Hamburg im Knust und der Besitzer des Ladens, Karsten Schöllermann, war auch gleichzeitig der europäische Manager von Mitch. Dieser Karsten Schöllermann nun fiel völlig ins Essen, als da Engerling ankam, ´ne Band aus dem Osten, und Mitch Ryder-Songs spielte. Nun ist es ja so, dass Mitch Ryder in den USA sein Ami-Programm, seine eigenen Hits, hier in Europa aber ein völlig anderes Repertoire spielt. Die Band, mit welcher Mitch Anfang 1990 nach Berlin kam, war nicht so berauschend, die konnten die Titel nicht richtig spielen, kannten wohl nur die alten Rock´n´Roll-Standards, das Publikum war davon alles andere als entzückt und so hieß es dann eines Tages: nehmen wir eben Engerling. Die sind A: billiger (geht es doch immer auch ums Geld) und B: besser und wir haben unseren Spaß... Wie entstehen eure Titel, hast Du zuerst eine musikalische Idee im Kopf, oder kommt zunächst der Text und dann schaust Du mal, wie Du diesen akustisch illustrieren kannst, oder kann man das nicht so genau trennen?
Boddi Bodag : Kann
man nicht so genau. Bei den ganz frühen Liedern kam beides gleichzeitig, wie
aus einem Guss. Als zum Beispiel damals der Franz-Club abgebrannt ist,
entstand der EFC-Blues, also die ´´Abkürzung von ´´Erich Franz-Club´´, da
habe ich auch die Töne e-f-c eingesetzt und mit dem Text kam sofort die
Musik, das war alles eins. Nun ist das ja beim Blues, zumindest beim alten,
traditionellen, auch nicht so schwierig mit den Harmonien. Später dann bin
ich dann auch mehr in die rockige Richtung gegangen... Wie ist die Arbeitsweise innerhalb der Band ? Hasst Du einen Titel fertig und sagst dann : ´´Jungs, so und so machen wir das jetzt oder haben Deine Kollegen da ein Mitspracherecht? Auf jeden Fall! Ich bezeichne uns da schon als demokratische Band - sonst wäre es ja ´ne Bodag-Solo-Kiste... 1976 habe ich euch - als Lehrling - das erste Mal live in Frankurt an der Oder gesehen und war sehr angetan von eurer Version des Doors-Klassikers ´´Riders On The Storm´´...Mit welchen Erwartungen bist Du damals auf die Bühne gegangen, mit welchen setzt Du Dich heute hinter Dein Instrument - gibt es überhaupt irgendeine Erwartungshaltung?
´76, bei diesem unsäglichen deutsch-polnischem Jugendtreffen? Für mich eine
der schlimmsten Veranstaltungen, die ich je erlebt habe! Da bin ich völlig
ausgerastet, weil wir irgendwie mitbekommen haben, dass die ganze Stadt
abgesperrt war. Leute, keine Ahnung, ob nur die ´´Langhaarigen´´, auf jeden
Fall aber sogenannte ´´asoziale Elemente´´, wurden ausquartiert, nach
Beeskow, Seelow und sonst wo, in irgendwelche Turnhallen gesteckt... Ist ja ´ne ziemliche üble Geschichte, gibt es da noch mehrere? Ich denke da z. B. an die Sache mit Deinen Handgelenken... Ja,
Frankfurt war schon ganz übel. Aber es gab ja gewiß auch schöne und sehr schöne Erlebnisse. Was war für Dich das mit Abstand schönste? Richtig super war ja das allererste Engerling-Konzert 1975 in Blankenfelde, südlich von Berlin. Da haben wir ´ne knappe Stunde gespielt, war für uns auch völlig ausreichend, aber die Leute waren so begeistert und wollten einfach nicht gehen - da haben wir das ganze Konzert gleich noch mal gespielt. Überhaupt so die alten Zeiten, in den sogenannten ´´Nahkampfdielen´´, die waren schon der Hammer. Natürlich auch Großveranstaltungen, aber ich spiele eigentlich lieber in kleineren Sälen. Wir haben in der Seelenbinder-Halle zusammen mit Canned Heat gespielt, das war schon gut, war auch beeindruckend, aber richtig Spaß macht es in den kleinen, verrauchten Schuppen. DJ Fredi : Weil Du gerade die kleinen, verrauchten erwähnst : Da erinnere ich mich an einen Auftritt von euch - irgendwann 1977/78 in Berlin-Mitte - im Krausnick-Keller, geführt von Sybille. Da war ich sogenanntes Klubmitglied, und dann hieß es eines Tages : ENGERLING wird bei uns spielen. Mein erster Gedanke war : viiiel zu klein für Engerling und euer Kollege Schlagzeuger hatte dann ja auch Probleme, seine Becken da zu bedienen... Ja klar erinnere ich mich daran. Das war sooo eng, aber gespielt haben wir da; und nicht nur einmal. Irgendwann kam da auch mal die Polizei, oder war das irgend ´ne Privatfeier? DJ Fredi : Privatfeier in dem Sinne gab es damals nicht, war ja nicht erlaubt in diesem Jugendklub. Es kam dann auch schon mal Polizei. Ich erinnere mich, 1978 gab es dann noch ´ne ´´Klubleiterin´´ - also nicht nur Sybille als Chefin - blond (was nichts heißen soll), von Musik aber nix Ahnung. Ich hab´ da gerade mit meiner Diskothek angefangen, Classic-Rock und so. Diese Dame nun hat mir strengstens verboten : Kein Black Sabbath, kein U.F.O. . Da hab´ ich gewartet bis die sich da bei uns vorn platziert hat und habe dann einen Mitschnitt von ´´Stimme der DDR´´ - extra mit Moderation - und Extra-Ankündigung für dieses Mädel gespielt, natürlich mit Black Sabbath, mit U.F.O. - die wusste überhaupt nicht, wer oder was da gerade lief. Die wurde ja deshalb bei uns eingesetzt - wahrscheinlich zum Berichte schreiben - , weil vierzig Prozent der Besucher vom Krausnick-Keller über die Friedrichstraße, sprich: Westberlin, kamen. Die berühmten drei Wünsche... Ich will jetzt endlich mal ´ne Platte machen, wirklich! Dann würde ich mir wünschen, dass ich noch schön lange - so lange, wie ich noch Musik machen - auch noch Fahrrad fahren kann, langsam geht es ja los mit den Schmerzen im Kreuz und so Wehwehchen... und ansonsten : Ich will nicht 100 werden! Worüber kannst Du Dich freuen , wann geht bei Dir im Herzen die Sonne auf? Wenn wir spielen und mein Bengel am Schlagzeug sitzt! Das fing ja an mit Cäsar und ´´Väter & Söhne´´, da hat das schon großen Spass gemacht. Aber Cäsar ist ja dann irgendwie ausgefallen. Ich weiß gar nicht, wie es ihm jetzt geht. DJ Fredi : Ein Wort zu Cäsar. Wir waren letzten Dienstag in Leipzig bei der Einweihung der Renft-Str. mit anschließendem abendlichen Konzert im ´´Anker´´ von Monster & Co., mit Pitti ...und auch Cäsar, dem es meiner Meinung nach sehr gut geht, zumindest war das mein Eindruck. Falls er es hört, natürlich allerliebste Grüße nach Leipzsch! Was treibt Dir den Blutdruck in die Höhe, worüber kannst Du Dich aufregen ? Da gibt es genug, brauchst Du ja nur in die Zeitungen schauen, die ganze Politik und das ganze Gewurschtel, das erinnert mich schon manchmal an schlimmste Ost-Zeiten.. Auch schon ´n paar Tage her... So um 1995/96 gab es eine von euch zusammen mit Hannaske eingespielte CD. Der gute Mann hat nun schon seit längerer Zeit genügend Material für ein zweites Album. Wäre ´ne Überlegung wert, oder? Bei der Produktion im Studio unseres Bassisten, Manne Pokrandt, war ich ja nicht mit dabei, da saß Egge Schumann an den Tasten. Bei dem von Kutte produzierten Promo-Video und den Konzerten dann aber schon. Hannaske - ja, war schon ´n netter Kerl, ich mochte ihn. Wir waren sozusagen seine Begleitband und ich genieße das auch immer, wenn ich mal nicht singen, sondern mich nur auf die Tasten unter meinen beiden Händen konzentriere brauche und nicht immer auch an die Texte und die Intonation denken muß. |
