Interview mit "Hannes Schulze"  von Engeling

Interviews

14.12.2007 - Berlin - Peter Edel

Engerling

 

danke Thomas  ( keletizene.de )

 

Das letzte Engerling - Konzert in diesem Jahr in Berlin - und zum ersten Mal am rockradio-Mikrofon das, in zweifacher Hinsicht, jüngste Mitglied der Band: Hannes Schulze...

Ich bin der Trommler von Engerling, bin seit zweieinhalb Jahren dabei, Boddis Sohn und mit meinen sechsundzwanzig Jahren tatsächlich der jüngste Musiker in der Band - kenne sie aber, wie manch anderer Fan sicher auch, schon wesentlich länger, weil ich natürlich damit aufgewachsen bin.

Wie kommt es überhaupt dazu, dass Du in der Band deines Vaters am Schlagzeug sitzt?

Ich fand das, was er macht, schon immer gut, bezeichne mich selbst als deren Fan und bin mit ihnen groß geworden, kannte so natürlich auch die jeweiligen Schlagzeuger und habe mir viel von ihnen abgeschaut. Für mich war es immer ein schöner Traum, eines Tages auch mal selbst diese Lieder zu spielen.

Wie kam es überhaupt zu Deiner Entscheidung, Schlagzeug zu spielen?

Das war schon so ´ne Art Urknall, ich habe bereits im Alter von sechs Jahren auf allen möglichen Blechbüchsen ´rumgetrommelt - das war von den Genen wohl so vorbestimmt, da brauchte ich mich gar nicht zu entscheiden, das war von Anfang an klar. Nebenher spiele ich auch etwas Gitarre, singe; war lange Zeit bei Blank und bei Bluestift als Gitarrist und Sänger - aber das Schlagzeug ist schon MEIN Instrument.
Ich habe immer viel Musik gehört, genau so viel dazu gespielt und habe natürlich eine ordentliche Ausbildung als Drummer, so wie der Vater das wollte...

Welchen konkreten Anteil hat Boddi an der Karriere seines Sohnes?
Hat er das nur toleriert (´´Lass den Jungen mal machen´´), war er skeptisch (´schön und gut, aber Musiker als Beruf muss nicht sein´´) oder doch eher ermutigt?

Das waren nicht nur mein Vater und meine Mutter, welche mich in meinem Vorhaben unterstützten, sondern auch viele andere Leute aus unserem persönlichen Umfeld, wie z. B. die ehemaligen Engerlinge Lello und Bernd `Kuhle´ Kühnert, die dann später bei Monokel gespielt haben - Bernd ist da ja immer noch dabei - haben mir geholfen, u. a. haben die beiden mir mein erstes Schlagzeug besorgt.
Unterstützung also gab es wirklich allenthalben, von Boddi aber natürlich schon am meisten, er hatte auf mich den größten Einfluss: ´´Mach das mal so statt so´´ oder ´´Spiel´ die Titel langsamer, achte mehr auf´s timing´´, all die ganzen Tricks und Kniffe eines ´´alten Hasen´´ halt, die ich mir dann natürlich auch zu Herzen genommen habe.

Von wem kam die Idee, der Vorschlag, dass Du bei Engerling fest einsteigst?

Im Grunde kam das von mir. Boddi achtet ja immer darauf, dass der Junge aber auch ´´ ´was Ordentliches´´ lernt, sein Studium macht, aber da kann man mir noch so viel erzählen - das hilft nix, zumal: mein Vater - Musiker, meine Mutter - Malerin und dann ich: ´was Ordentliches...: MUSIK IST MEIN LEBEN

Hat denn ´´der Junge ´was Ordentliches´´ gelernt?

Hat er! Ich habe mich dann doch dazu durchgerungen. Ich bin zwar nach dem Abitur erst einmal zwei Jahre mit Bluestift durch die Lande & die Läden getourt, habe dann aber doch gemerkt, das es nicht schaden könne, doch noch ´´was Ordentliches´´ zu lernen - zumal es die Eltern auch entspannter werden lässt - und bin also seit 2003 an der Filmhochschule Babelsberg zum Zwecke der Ausbildung zum Tonmeister und wenn alles so weiter läuft wie bisher werde ich im nächsten Jahr dann mein Diplom machen.

Nun werden Dir aber auch noch andere Ideen zugeschrieben, z. B. das ´´Väter & Söhne´´- Projekt...

So genau kann ich das nicht mehr eruieren. Wir hatten alle mal zusammen gespielt: Cäsar, Boddi, Cäsars Bengel Moritz und ich. Mit Moritz hatte ich ja schon zusammen bei Bluestift gespielt und dann gab es eben dieses legendäre Konzert auf Burg Wandersleben in Thüringen mit Cäsar, Engerling und Bluestift und da entstand dann diese Idee, die ja im Grunde auf der Hand lag...

Sind in dieser Hinsicht ´´Nachauflagen´´ geplant, gibt es doch noch einige andere Väter & Söhne- und/oder Väter & Töchter- Projekte wie z.B. bei Kerth oder Wenzel?

Ich denke schon, dass dies ein eher einmaliges Projekt war, bedarf es doch dazu zumindest einer gemeinsamen musikalischen Sprache. Das mag ´ne Weile gehen, aber irgendwann macht doch jeder wieder sein eigenes Ding...

Welche Art von Musik hörst Du Dir zu Hause an ?

Bedingt durchs Elternhaus bin ich mit den Stones aufgewachsen, deren Musik ich natürlich auch weiterhin liebe. Aber bei Boddi lief ja auch immer noch anderes wie Jazz oder Experimentelle Musik, die ich mir natürlich ebenfalls reingezogen habe. Meine derzeitige Lieblingsband ist Wilco, weil sich darin vieles von dem, was ich liebe, vereint: Stones, Beatles, Experimentelle Musik. Aber ich höre mir auch viele alte und noch ältere Sachen an, gibt es da doch für mich noch jede Menge zu entdecken, einfach unglaublich. So kann ich jedes Jahr mindestens eine Neuentdeckung abfeiern, sei es Frank Zappa oder oder oder.
Die Beatles habe ich für mich relativ spät entdeckt, war doch in meiner Generation damals - so sie es überhaupt wahrgenommen hat - die Devise: ´´Die Beatles sind doof - die Stones sind die Coolen´´... Da will ich mich gar nicht ausnehmen, doch inzwischen bin ich für vieles offen.

Mit wem würdest Du gern mal zusammen auf de Bühne stehen? Hast Du da irgendwelche Träume?

Schwierig. Aber immerhin spiele ich ja inzwischen mit Mitch Ryder, mit dessen Musik ich auch schon seit Kindheitstagen vertraut bin, insofern ist das schon mal die Erfüllung eines Traumes. Die anderen internationalen Größen sind im Grunde in der gleichen Traumschloß-Kategorie zu verorten, darum will ich sie jetzt auch nicht nennen, aber es gibt auch einige Größen hiesiger Breiten, mit denen ich gerne Musik machen würde, z. B. mit Jan Plewka, dem Sänger von Selig, der ein sehr, sehr gutes Rio-Reiser-Pogramm auf die Beine gestellt hat. Das hat mich sehr beeindruckt, da wär´ ich auch gern daran beteiligt gewesen.
Aber eigentlich bin ich glücklich und habe momentan keine großen Wünsche.

Das sieht man Dir an - letzte Frage: Was ist das für ein Gefühl, gemeinsam mit dem Vater auf einer Bühne zu stehen und miteinander zu spielen?

Ich sag´s mal so: Mein Vater war ja immer weg, immer auf Tour, immer unterwegs und so kam es erst sehr spät zur Auseinandersetzung mit dem Typen, der mein Vater ist. Wir lernten uns beide also relativ spät kennen - mit all den Macken, aber auch den Qualitäten, die ein jeder nun mal hat. Jeder Abend ist also anders. Ich freue oder ärgere mich jedesmal über ihn - genauso, wie er sich über mich freut oder ärgert; ein sehr facettenreiches Geschehen. Aber ich bin schon froh und glücklich, dass es so ist wie es ist.
Ich wundere mich aber ein wenig darüber, dass es diese Band nun schon so lange gibt und versuche, hinter dieses Geheimnis ihres Erfolges zu gelangen - gleichzeitig macht es mich aber auch stolz!