Melodie und Rhythmus 3 / 2007

Engerling

Engerling Blues

Der Melodie & Rhythmus-Kalender im März : ENGERLING

Sebastian Frindte

Der Melodie & Rhythmus-Kalender 2007 mit historischen Aufnahmen des DDR-Rocks ist mittlerweile nur noch in wenigen Restexemplaren im Handel zu ergattern. Alle die ihn haben, erhalten an dieser Stelle Informationen zu den jeweiligen abgebildeten Künstlern. Wer ihn nicht hat, versäumt trotzdem nichts und bekommt hoffentlich Lust auf den Kalender 2008.

Wenn es in der DDR eine Institution in Sachen urigem Blues-Rock gab, dann gebührte dieser Titel mit großer Sicherheit Engerling. Die Gruppe um Sänger Wolfram Bodag und Gitarrist Heiner Witte formierte sich 1975 als ´´Engerling-Blues-Band´´ in Berlin. Mit der Namenswahl war der musikalische Weg gewissermaßen vorgezeichnet. Der Blues war immer das Fundament, verarbeitet wurden aber auch Einflüsse aus Boogie und Rock. Dass man gerade den Engerling, also die Larve eines Käfers, im Namen führte, wirkt im Nachhinein ebenso passend, denn das erdige, natürliche Element ist es, was die Band seit jeher auszeichnete.

So wie sich die Larve irgendwann verpuppt und nach der Metamorphose ganz anders aussieht, so waren auch Engerling nicht vor Veränderungen gefeit. Die Gründungsmitglieder Erhard Klauschenz, Reiner Greger und Peter Brandl verließen die Band bereits 1978 wieder. Bis dahin hatte man immerhin schon die beiden Singles ´´Da hilft kein Jammern/Der Zug oder die weiße Ziege´´ und ´´Schwester Bessies Boogie/Mama Wilson´´ bei Amiga eingespielt. Auch die Ersatzleute Bernd Kühnert und Jens Saleh blieben nur bis 1980. Auf dem Motiv unseres M&R-Kalenderblattes im Monat März sind sie aber noch zu sehen . Genauso wie zwei deutlich weniger populäre Personen, die im Hintergrund stehen.

Aber es spricht wohl für die Bodenständigkeit von Engerling, dass sie bei den bierseligen Foto-Aufnahmen in der Kneipe Fengler Wirt und Wirtin ihre Plätze zugestanden. Zu jener Zeit hatte man schon die Debüt-LP ´´Engerling Blues´´ veröffentlicht. Bis zur Wende sollten nur noch zwei weitere Scheiben, ´´Tagtraum´´ (1981) und ´´So oder so´´ (1989) folgen. Echte Hits hatte man zwar nie, auch wurden weiterhin fleißig Bandmitglieder ausgetauscht, jedoch erspielten sich Engerling durch ihre Live-Qualitäten ein treues Publikum. Dass sie dabei fast ohne Showelemente und große Promotionaktivitäten auskamen, passte zu ihrem urwüchsigen Image.

Mit der Wiedervereinigung ergaben sich auch für Engerling ganz neue Möglichkeiten. So pflegte man ab 1994 eine innige Beziehung zur Rock-Legende Mitch Ryder. Begleiteten Engerling den Amerikaner anfangs noch sporadisch auf seinen Europa-Tourneen, so ist daraus seit 2002 eine alljährliche Tradition geworden. Auch an den CD-Produktionen Ryders wirkten die Engerlinge maßgeblich mit, zuletzt 2006 auf ´´The Acquittet Idiot´´.

Und so touren Engerling, derzeit in der Besetzung Wolfram Bodag, Heiner Witte, Manne Pokrandt und Hannes Schulze, auch in diesem Jahr wieder durch die Lande – mit und ohne Mitch Ryder . Ein Ende ist nicht abzusehen.