![]() |
Rezension aus Melodie und Rhythmus 2 / 1990
|
![]() |
|
„…Stil und Gestus dieser Musik sind lange nicht mehr frisch, international belagern tausende solcher Scheiben die Plattenläden. Diese Rille hätte Mitte der 80´er besser gepasst, einige Titel kenne ich schon aus dieser Zeit. Ist das nun Konsequenz oder Zähigkeit dieser Gruppe? Feeling B galt nie als besonders fleißig, man beschied sich mit einem schmalen Repertoire. Zu loben ist jedoch, dass die Band versucht hat, ihr Material zu beleben und zu bereichern. Das geschieht einerseits durch den Frische und Farbe einspielenden Sampler Bo Müllers, andererseits durch die wirklich spaßig-schrillen Bläser des bolschewistischen Kurorchesters. So entsteht hier derber Orchesterpunk! Feeling B pocht hier an die Knochen mit ihren brachialen unbehauenen Songs, ihr Sound produziert angenehmes Sodbrennen. Sie klotzen und meißeln dem Hörer ihre Songs ins Ohr. Dabei benutzen sie alle gesicherten Werte des Punk Rock: Hauruck Gitarren, lärmende Mitgröhlrefrains, Spielzeugkeybords und bolzende Trommeln. Manche Titel wirken zäh und gleichförmig, z.B. „am Horizont“, oder „ du wirst den Gipfel nie erreichen“. Und natürlich fehlen die typischen Feeling B Klassiker nicht wie „Mix mir einen Drink“, „Artig“ und „geh zurück in dein Buch“. Dieses Debüt scheint mir sowieso eine Art „Best of“ Sammlung zu sein. Mit ihrem ungetrübten Debüt erzeugen sie oft eine Bierzeltstimmung, man kann den Alkohol und den Spaß bei der Produktion im Studio Brunnenstraße richtig riechen. Echt lebendig werden die Stücke, wo eben die lustigen schrägen Bläser mithupen oder wenn auf Seite zwei der „Emax“ mitmischt. Natürlich benutzt auch Feeling B diverse musikalische Zitate. Da wird russisch geblödelt und gescracht, türkischen Bauchtanz impliziert, en Beatles Fetzen per Akustikgitarre taucht auf oder auch manche Metal Phrase. Textlich will Feeling B keine allgemeinen Weisheiten verkünden, sie beschränken sich auf einzeln herausgegriffene Themen, die sie schlagwortartig behandeln. Inhaltsvolle Texte waren nie Sache von Feeling B, eher schon fröhlich sein und singen. Nun weiß ich, dass das alles Aljoschas (Rompe), Paulchen (Landers) und Flake (Christian Lorenz) nicht sonderlich kratzen wird, denn es geht ihnen um Spaß, Krach, Wild Times. Hauptsache derb, rau, harsch, wirr und schrill. Nix von wegen, wir wolln immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Recht so, Feeling B hatte es nie nötig sich anzupassen. Sie macht lieber den Bürgerschreck. Haltung und Lebensstil der Band waren ja in „flüstern und schreien“ gültig zu besichtigen. Wirklich gut und anzuerkennen, dass die Berliner ihren Punk nicht dröge durchpoltern, sondern durch diverse Effekte und Spielereien variiert haben. Vielen wird die Platte sehr gefallen, manchen nicht und ich weiß nicht, ob es ein dazwischen gibt. Es ist auf jeden Fall aber wichtig sie zu kennen. |