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Die Welt 19.12.2000 |
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Michael Pilz |
Aljoscha Rompe, Vorbild für gelebtes Anderssein in der DDR
Atemlose Hatz durch die Subkultur
Im Grunde war die DDR ein Paradies für Hippies, Punks, Exoten aller Art. Ein ganzer Staat nahm ihr Erscheinen ernst. Sie wurden vom System, das sie missachteten, in Sorge oder Hass umhegt. Wer wirklich Punk ist, dem genügt es nicht, von alten Damen angewidert angestarrt zu werden. Der will mehr. Anarchie und Spaß. Hier gilt der alte Lehrsatz noch: kein richtiges Leben im falschen. Aljoscha war ein Muster-Punk.
Sein Vater, Werner Rompe, war berüchtigt als Parteisoldat der SED. Aljoscha zog durch Kirchen, saß im Knast, ergatterte den Schweizer Pass und blieb, er legte seine Wohnung mit Matratzen aus und lud zum Musizieren ein. Die Band hieß Feeling B. Beliebt war ihre Drohung: "Wir woll'n immer artig sein. Hea-hoa-ha-ha-ha!" Ihr rasendes Geschrei bekümmerte vor allem Vater Staat.
Vor 17 Jahren fing die Party an. Sie flaute mit der Wende ab und endete in diesem Jahr. Am 23. November stieß ein Bauarbeiter zufällig auf einem Hinterhof in einem Wohnmobil auf einen Toten, der den Namen Alexander Rompe trug und 53 war. Aljoscha soll Asthmatiker gewesen sein.
Sein Leben war die atemlose Hatz durch eine Subkultur, die dazu neigt, sich selber abzuschaffen. Man musste in der DDR kein Lebenskünstler sein, man kam mit ein paar Mark zurecht. Es gibt die DDR nicht mehr. Die Punks sind jetzt als Kreative gut bezahlt oder im Selbstmitleid erstarrt. Die Musiker, für die Aljoscha in der Gruppe Feeling B gesungen hat, sind nun als Rammstein unterwegs. Wenn jemand das System des Marktes tadellos begriffen hat, dann sie. Inzwischen rang Aljoscha um ihr einst besetztes Haus und rieb sich auf im Kleinkrieg mit den neuen Eigentümern. Aus Starrsinn und Protest zog er ins Wohnmobil. Und wenn die Sprache auf Aljoscha kam, dann lächelten die Punks von gestern mild. Ein Spinner, sagten sie. Ein Dilettant, der Künstler spiele, von erstaunlich sonnigem Gemüt. Die liebenswerte Nervensäge, dem die Wende als Vertreibung aus dem Paradies für Punks erschien.
Am 19.12. um 14.30 Uhr, wird Aljoscha Rompe auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Am Abend findet in der Kulturbrauerei ein Gedenkkonzert mit den Hinterbliebenen von Feeling B, mit Freygang, den Anderen und der Bolschewistischen Kurkapelle statt.