Fragen eines schreibenden Sängers

St. Krawczyk

Lyrik

Komp. Stephan Krawczyk

Text: Stephan Krawczyk

 

Was soll der Liedersänger singen ?
Häng´ sitzend ich vor dem Papier,
der Nachbar restauriert sein Heimchen,
jetzt ist es klar , ich sing von mir.
Mein Blick schweift suchend über Tassen,
die sich vergeblich auf´n Abwasch freuen.
Ich provoziere die Gefühle ,
die rächen sich und ich muß heulen .
Ich heule über meinen Abwasch
Und über diese ganze Welt.
 
Jedwedes Heulen hat sein Ende,
ich such´ den Reim und komm auf Geld .
Bei diesem ganz pikanten Punkte
Läuft wieder Wasser über mein Gesicht,
wie soll ich´s  nur den Menschen sagen ,
ich brauch´ es zwar , doch lieb´ ich´s  nicht.   
Ich würd´ mir ja zu gern das Hemd aufreißen,
wen mir einer die Knöpfe annäht .
Am Ende wird´ ich in das Gras zwar beißen,
aber heut´ bin ich erstmal der , der das Gras mäht .
 
Und weit entfernt vom schnöden Mammon
pack´ ich ein Thema am Gebein ,
der Nachbar stöhnt aus Leibeskräften,
das Thema wird die Liebe sein .
Bei mir ist soweit alles bestens,
wo ist das schreibenswerte Leid,
die Scheidungsquote läßt mich aufheuln ,
der Knoten platzt , es ist soweit.
Und auf das Blatt , das bisher weiße ,
ergieß ich alles über Hahn und Huhn.
Ich such´ den Reim und komm´ auf Scheiße,
doch der hat wohl mit Liebe nichts zu tun .
 
Und wie vom Zeitgeist angebissen,
dem sich die Sinnlichkeit verwehrt,
komm´ ich dem Lauen auf die Schliche
und das ist nicht des Schreibens wert .
 
Ich würd´ mir ja zu gern das Hemd aufreißen…
 
Die letzte Hoffnung , die mich wach hält
Heißt Politik , die alte Hur´,
der Nachbar schläft mit seiner Guten,
jetzt muß ich´s stemmen , noch tickt die Uhr .
Was soll ich nur den Menschen sagen,
was vor mir noch kein Hund gebellt ,
schon Goethe wusste , was die Fäuste
im Innersten zusammenhält .
Doch wenn das Publikum im Saale
Mit heißen Augen auf mich schaut
Muß ich doch wenigstens so tun,
als wüßt´ ich wie man Zukunft baut.
Und wie ein unbändiges Feuer
bricht es ganz tief aus mir heraus :
Ich sollte lieber Tassen waschen.
Ich geh ins Bett und schlaf mich aus .
 
Ich würd´ mir ja zu gern das Hemd aufreißen…

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.