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Melodie und Rhythmus 10/1987 Doch immer wieder sind es meine Lieder ... |
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Waltraud Heinze |
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Seitenflügel - Hinterhof / inmitten von Berlin / da leb ich, da haus ich ... |
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Diesen Seitenflügel im Hinterhof, von dem Gaby Rückert in einem ihrer neuen Lieder singt, den hat Ingeborg Branoner nicht erfunden. - Unlängst war ich wieder dort. Schräg übern Hof, die ausgetretenen Treppenstufen bis fast unters Dach, oben rechts den Klingelknopf gedrückt. Hinter der Wohnungstür gleich die Küche und: Schau dich bloß nicht um, bin erst seit heute Nacht wieder zu Hause. Endlich da, wo man spät noch, wenn der Schlaf noch nicht gleich kommen will, die Klaviertasten drücken, das Radio aufdrehn` oder mit dem Mann diskutieren kann - über Musik natürlich. |
Da, wo es sich morgens ausschlafen lässt, weil sich der Lärm der erwachenden Großstadt schon an der Fensterfront des Vorderhauses bricht. Da, wo die vielen Grünpflanzen, in den großen und kleinen Übertöpfen trotz Abwesenheit gedeihen, weil die Parterre - Oma für `s gießen sorgt. Und da, wo man in der gemütlichen Ecke der Couch und an dem schweren eichernen Tisch endlos schwatzen kann ...
Oft haben wir in den vielen Jahren, seit Gabi sich statt für den medizinischen für den musikalischen Beruf entschieden hatte, so zusammen gesessen, meist dann, wenn sich Veränderungen ankündigten, ergaben. Diesmal war eine Anzeige im 88 `er Rockkatalog der Anlass:
Neues bei Drei ! Seit Februar `87 verbindet die Gruppe eine enge Zusammenarbeit mit Gaby Rückert. Geplant sind gemeinsame Konzerte und Mitwirkung in Programmen. Gabi singt Lieder von Thomas Natschinski und Ingeborg Branoner.
Ich frage: Wie ist das zu lesen, zu sehen, Gaby?
Ganz einfach so: Nach vier Jahren Zusammenarbeit mit der Gruppe YoYo wollte jeder für sich mal was anderes probieren. Es geschah wohl zu wenig Neues, Aufregendes. Ich war ein wenig tourneemüde. Wir haben viele Konzerte gegeben - eine Sieben - Mann Band muss schließlich leben. YoYo reizte auch immer mehr eine rockige Richtung - doch ich bin nun mal keine Rocksängerin. Habe Gott sein Dank einen Sack eigener Lieder, es sind meine Lieder, die mir Thomas und Ingeborg schrieben. Ich fühle mich mit ihnen wohl, als Sängerin und menschlich einfach auch - wenn sich beides überhaupt trennen lässt. Als YoYo und ich uns trennten, ließen wir uns die Möglichkeit offen, das sich unsere Wege vielleicht irgendwann wieder treffen ...
Und dann kamen die "Drei" des Weges?
Nee, erstmal saß ich da und überlegte, wie nun weiter ? Mit `ner Notenmappe unterm Arm von dieser zu jener Begleitband. Mit Kassetten im Gepäck von einem Playbackauftritt zum anderen reisen, das kam überhaupt nicht in Frage. Die Idee, mal mit den "Drein" zu reden, hatte ich, weil ich sie aus gemeinsamer Arbeit an einer Rundfunkproduktion in Rostock und über Thomas, der früher mit Ingo gemeinsam Musik machte, auch persönlich kannte. Ich wusste, sie mochten Thomas ` Kompositionen und mir lag die liedhafte Art ihrer Rockmusik. Ich rief an, wir trafen uns, berieten mit Thomas und begannen mit der Arbeit.
Wie sieht eurer Konzert in der Praxis aus, ist Gaby Rückert mit neuer Begleitband oder "Drei" mit neuer Sängerin?
Eigentlich beides nicht. Auf keinen Fall sind aber die "Drei" meine Begleitband - sie machen auch weiterhin ihre eigenen Konzerte ohne mich, was mir Freiräume lässt, für Fernsehsendungen, wie "Viele Lieder kennt der Wind" oder "Lieder, Land und Leute" etwa und für Rundfunkproduktionen. Es sind wirklich, wie es im Rock - Katalog heißt, gemeinsame Konzerte, in denen wir mein Repertoire und das der "Drei" mischen, wo Ingo Koster Leadgitarre, Carsten Görner Akustikgitarre, Burkhard Neumann Keyboards spielen und wir alle vier gemeinsam singen. Schlagzeug und Bass kommen vom Band, das unser Tonmann Eberhard Bunzel - genannt Spencer - bedient.
Wenn man so will, habt ihr ja eine Art Feuertaufe bereits hinter euch - denn in Musikantenkreisen sagt man, fährt eine junge Band an die Trasse: entweder schweißen die Auftritte, das Leben unter den dort recht harten Bedingungen zusammen oder sie hält nicht stand und fällt auseinander. Ihr wart im April an der Trasse und macht feste weiter ...
Das war wirklich so. Von Ende Januar bis April trat ich lediglich mit Burkhard und Ingo auf, weil Carsten im Krankenhaus war. Das war mehr Spielerei, so zu dritt, mit halbem Repertoire. Aber ab April, hieß es immer, ist Carsten wieder da, da fahren wir an die Trasse und dann werden wir sehen - ob ja oder nein. Denn sicher waren wir uns alle nicht, ob das zusammen geht. Die "Drei" haben sich zehn Jahre lang was aufgebaut, und ich hatte auf einer solchen Basis noch nie gearbeitet. Als wir zurück kamen war zwar meine Stimme völlig runter - es war eisekalt im April in der Sowjetunion - aber mein Mut war obenauf.
Auch wenn in den Reihen von "Drei" komponiert und getextet wird - deine Autoren bleiben nach wie vor Thomas Natschinski und Ingeborg Branoner?
Natürlich behält Thomas musikalisch die Schirmherrschaft über mich und Inge als Texterin, beide sind auch als Freunde gar nicht mehr aus meinem Leben weg zu denken. Wir haben auch in in weniger, reit zeitlich begründeten produktiven Jahren zueinander gestanden. Als Thomas fast drei Jahre bei "Karat" für Ed an den Keyboards stand, da waren kaum neue Lieder für mich drin, da wartete ich beharrlich. Aber jetzt haben wir wieder jede Menge neue Lieder und die komplette Konzeption für eine dritte LP, "Handvoll Liebe" soll sie heißen und Titel vereinen wie "Ich will zu dir", "Liebe braucht Spiel", "Holiday", "Seitenflügel - Hinterhof". Nur produziert muss sie noch werden.