Renft - Aber ich kanns nicht verstehn

Gefängnislied

Renft

Lyrik

Komp. Gerulf Pannach
Text: Gerulf Pannach

 

Der Amselhahn, um viere früh,

Schreit mir sein schrilles Tirili

Vom Luftschacht in die Zelle

Schon machen meine Jalousien

Die Augen rauf

Draußen wird es helle

 

Und ich lieg hier lebendig tot

Schön eingemachtes Knastkompott

Im Einweckglas aus Ziegeln

Der Amselhahn singt wie ein Gott

Ach, Brüderchen,

Pump mir deine Flügel!

 

Ich flöge schneller als ein Jet

Und schwupp, zu meiner Frau ins Bett

Mit die gestreiften Sachen

Ich weiß nicht, wie ich landen tät

Doch ein's ist klar,

Sie würde Augen machen!

 

Doch Augen macht mir hier im Knast

Der Posten nur, der gut aufpaßt

Auf mich, den wohlverwahrten,

Unfreiwilligen Dauergast

Und bis sich da was ändert, du,

Da kannste lange warten!

 

Die Amsel schluchzt ihr Freiheitslied

Und mir vergeht der Appetit

Selbst auf 'ne Zigarette

Wie Einer, der vorm Richtblock kniet,

Häng ich den Hals

Über die Toilette

 

Was sonst! mir kommt die Wut hoch, Mann,

Auf den dreimal verfluchten Kahn

Und die am Ruder drehn

Das schwimmt als Dreck im Ozean

Der Menschheit rum

Und will nicht untergehn

 

Der Amselhahn, mich trifft der Schlag!

Ist fort, vielleicht zum nächsten Park

Auf eine grüne Hecke

Und kriech vor dem neuen Tag

Bis an das Kinn

Nochmal unter die Decke

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.