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Seilschaft, Mitstreiter und Publikum sangen Gerhard Gundermanns Lieder
Der
Mond ist aufgegangen mit zittriger tonloser Stimme sang die sechsjährige
Linda Gundermann, unterstützt von ihrer Mutter, den 3 000 Besuchern das
Gute-Nacht-Lied. Da war es ganz still rund um die Bühne am Weißen See.
Genauso still wie bei der kurzen Ansprache von Conny Gundermann, die alle
Kraft zusammennehmen musste, um sich bei den Fans für die Kondolenzen zu
bedanken: "Ich war überrascht, wie gut ihr Gundi nicht nur als Künstler,
sondern als Mensch kanntet." Dann sang die zierliche Frau mit der Brigade
Feuerstein das Hochzeitslied, das ihr Gerhard Gundermann vor 18 Jahren
geschrieben hatte.
Das
Abschiedskonzert verlief erstaunlicherweise fast so kernig wie immer, vor
der Bühne wogte es heftig. Seine Band, die Seilschaft, rockte los, als wäre
ihr Chef nur im Stau stecken geblieben und hätte angerufen: Fangt schon mal
ohne mich an. Saxophonist Andy Wieczorek übernahm das Kommando, sang
kräftiger und klarer als Gundermann. Musiker und Weggefährten wie Uwe
Hassbecker, Ritchie Barton und Jams sorgten für einen satten und
abwechslungsreichen Sound.
Doch
auch die aufgekratzte Seilschaft wurde von der Trauer übermannt: Wieczorek
bekam das Lied "Und musst du weinen" über das frühe Ende zweier hart
arbeitender Leute nicht zu Ende. Das Stück "Einmal", in dem Gundermann und
Tamara Danz, beide mit 43 gestorben, über den Tod sangen, spielte Uwe
Haßbecker vorsichtshalber gleich instrumental.
Gundermanns oft sehr persönliche Lieder haben auch in den Interpretationen
seiner Kollegen nichts an Wirkung verloren. Sein Heimatlied über HoyWoy
Hoyerswerda, vorgetragen von seinem Kumpel Maik Pillokat, blieb genauso
echt. Peter Butschke (Pension Volkmann) mit der Hymne von der "Grünen
Armee", Aurora Lacasa mit der spanischen Originalversion von "So wird es
Tag" oder Thomas Rühmann, der Gundis Songs mit der "Entdeckung der
Langsamkeit" verwob, gaben den Liedern eine eigene Note.
Gymnasiasten aus Treptow führten die freche Nummer über den "Terminator"
Günthi Krause auf. Als Dirk Michaelis allerdings den Kanon "Sonntag in
Schwarze Pumpe" anstimmte, wirkte es etwas anbiedernd: Auf einmal haben wir
alle auf Gundis Bagger gesessen. Den berührendsten Gesang lieferte sowieso
das Publikum: Begleitet nur von Haßbeckers filigranem Gitarrenspiel summte
das Publikum unaufgefordert "Immer wieder wächst das Gras", bei "Alle oder
keiner" tönte es laut "Fernseher aus, Sternschnuppen an, rein in die Frau
und raus ausm Mann". Gundermanns Lieder sind Volkslieder im besten Sinne
geworden. |