|
Höhlenlied |
||
|
Thalheim |
Lyrik |
|
|
Komp. Barbara Thalheim |
||
|
Text: Fritz-Jochen Kopka |
|
|
|
Wir haben in der Höhle gesessen |
| Und irgend geklaute Sachen gefressen |
| Und alles war irgendwie komisch verdreckt |
| Aber es hat, ja, es hat nach Abenteuer geschmeckt |
| Das war damals gewesen, in jenen Jahren |
| Als wir noch so klein, wie die Kleinen waren |
| Die heute wohl nicht mehr in Höhlen sitzen |
| Weil sie die Wohnungen ihrer Eltern besitzen |
| Unsere Eltern sind die letzten Helden gewesen |
| Sie haben gehungert, Broschüren gelesen |
| Sie hatten geschossen und waren gestorben |
| Sie wurden verstoßen, vergessen umworben |
| Sie haben sich hoch und flach gedient |
| Die Herzen geöffnet, die Seelen vermint |
| Ihre Schuld war klein, ihre Kraft war groß |
| Ihr Leben ging erst nach dem Ende los |
| Doch sie hatten noch Kraft und konnten es wagen |
| Erneut ihre flachen Wurzeln zu schlagen |
| Wieder zu wachsen nach allem Ende |
| Und nicht zu wuchern übers Gelände |
| So haben es unsere Eltern gemacht |
| Und wir haben unsere Zeit in der Höhle verbracht |
| Aber jetzt hat die Welt eine Form gefunden |
| Nichts mehr im Dunkeln, alles gebunden |
| Da wirkt alles so klein, was man tut |
| Auf das wilde Stück Land, wo unsre Höhle war |
| Wo man nur grün und unbesiegbare Sträucher sah |
| Wird jetzt eine große Kaufhalle gestopft |
| Der Bauch unseres Stadtteils - wo bleibt der Kopf? |
| Manchmal möchte ich auch heut noch eine Höhle haben |
| Wo es dunkel ist, und man ist unter sich |
| Einen kleinen Teil der Erde selber haben |
| Wo man sich verbergen kann, |
| auch wenn es nicht sein muss |
| Allem Anfang näher wäre als dem Schluss |
|
Wir haben in der Höhle gesessen |
| Aufs Heldentum vergangener Zeiten versessen |
| Aber keiner wollte sein unser Feind |
| So sind unsre großen Pläne versteint |
| In der Schule hat man uns Halstuch und Sprüche gegeben |
| Ihr lernt nur für euer eigenes Leben |
| Was soll denn das für ein Leben sein |
| Was soll da alles drin wichtig sein? |
| Unser Leben begann erst nach zwölf Uhr |
| Die Schulen im Rücken hinterließ kaum ne Spur |
| Den Wohnungsschlüssel auf unsere Brust |
| benutzten wir nicht, wir hatten zu anderem Lust |
| Wir haben die Straßen und Höfe gestürmt |
| Angst gefühlt und sind doch nicht getürmt |
| Streiche erfunden, Leute erschreckt |
| und bei den Großen Schwäche entdeckt |
| Die Schoßhunde unserer Nachbarn gequält |
| Und immer die scheinbare Freiheit gewählt |
| durchsuchten die dunkelsten Keller und Plätze |
| Was keiner mehr wollte, das warn unsere Schätze |
| Das haben wir ins Dunkel der Höhle gebracht |
| und es war immer um Mitternacht |
|
Wenn wir in unserer Höhle saßen |
| Am Feuer geröstete Schrippen aßen |
| Und jeder Ton von draußen uns schreckte |
| Und die Hoffnung auf wirkliche Feinde weckte |
| Wir freuten uns drauf, uns selbst zu befrein |
| Doch verdammt und verflucht, es musste nie sein |
| Aber nirgends warn wie in dem engen Bau |
| Unsre Träume so weit und so ungenau |
|
Manchmal möchte ich heut noch eine Höhle haben |
| Wo man träumen kann und nicht an Grenzen stößt |
| Eine Handvoll Leute wie sich selber haben |
| Und nur auf sich selber hörn, |
| auch wenn man nicht viel weiß |
| Nur an große Dinge denken und nicht an den Preis. |
| Wir saßen auf den Treppenstufen |
| Rauchten und fühlten uns gerufen |
| Das Verstecken brachte auch nicht mehr viel |
| Wir suchten und fanden kein neues Spiel |
| Wir sah’n unsre Eltern ratloser werden |
| Ihre Pflichten wie Himmel, ihre Wünsche wie Erden |
| Ihre Vorschläge schlugen gar nicht mehr ein |
|
Und die Freiheit der Höhle war auch schon zu klein |
| So saßen wir auf den Treppenstufen |
| Als würde man grade nach unsereins rufen |
| Das Gerufensein aber blieb ein Gefühl |
| Die Rufe warn zu allgemein und es riefen zuviel |
| Sie gingen an unserer Höhle vorbei |
| Wie klein und wie dunkel auch immer sie sei |
| So kommt’s, das ich manchmal noch heute find |
| Das wir noch gar nicht richtig aufgestanden sind |
| Noch gar nicht wissen, was wir wollen |
| Nur grade mal können, was wir sollen |
| Und damit wolln wir nicht zufrieden sein |
| Und so fallen uns Höhlen und Stufen ein |
| Wo man ganz eng aneinanderrückt |
| Ein dunkles, ein kleines, ein Gruppenglück |
| Wo man sich sagt, wenn dir alles missrät |
| Die Höhle ist etwas, das immer geht |
|
Manchmal möchte ich auch heut noch eine Höhle haben |
| Wo man träumen kann und die man verlässt |
| Einen kleinen Teil der Erde selber haben |
| Und am großen Rest beteiligt sein |
| Denn die Freiheit einer Höhle ist zu klein. |
Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.