Ich brauch jemand

A.Schmidt

Lyrik

Komp. Arno Schmidt

Text: Ed Stuhler

 

Wir sind die Kinder unsrer Mütter,

wir bleiben somnambul und blind.
Wir sind gewöhnt an unsre Gitter,
wir sind so wie wir eben sind.
Egal ob Männer oder Weiber,
wir finden nirgendwo hinein,
wir pressen uns an fremde Leiber,
mutterseelenallein.
 

Ich brauche jemand, der mich mit den Flügeln streift,

ich brauche jemand, der mir in die Zügel greift,
ich brauche jemand, der mal nach dem Rechten guckt,
ich brauche jemand, der mir meinen Buckel kratzt, wenns juckt.
 

Wir tragen wundersame Kappen,

wir gehen grundsätzlich maskiert,
die Memoiren in den Mappen
bis zur Unkenntlichkeit frisiert.
 

Wir sitzen in den letzten Reihen,

weil uns der Lärm da vorne stört,
wir öffnen nie den Mund beim Schreien
und staunen, daß uns niemand hört.
 

Ich brauche jemand, der mich mit den Flügeln streift,

ich brauche jemand, der mir in die Zügel greift
ich brauche jemand, der nach mir die Hand ausstreckt,
ich brauche jemand, der mir meine Wunden leckt.
 

Ich brauche jemand, der mir meine Knoten löst,

ich brauche jemand, der mich von der Schaukel stößt,
ich brauche jemand, der mit mir die Suppe teilt,
ich brauche jemand, der mich mit nem Lächeln heilt,
ich brauche jemand, der mal nach dem Rechten guckt,

ich brauche jemand, der mir meinen Buckel kratzt, wenns juckt.

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.