Im Fremden

Thalheim

Lyrik

Komp.  Barbara Thalheim / Kross

Text: Fritz-Jochen Kopka

Er hatte die Aura eines Mannes mit einer Wohnung

ohne heißes Wasser
Auch einer jener, wo es gleich beim ersten Mal klappte
Aber er liebte diese erste Frau und wurde ein Lehrer
auf dem Dorfe
Wo ihm die Schulkinder das Leben vom ersten Tage
an zur Hölle machten
Bis er alles hinter sich ließ und in eine schwarze
Wohnung Berlin Prenzlauer Berg zog
Da schrieb er Bücher eins nach dem anderen und
einfach zu gut
Um einfach gelesen zu werden
Einfach zu schlecht bezahlt, um eine Wohnung mit
heißem Wasser zu kriegen
Seine Werke ließen den Westen kalt, weil sie dem
Staat nicht an die Wäsche gingen
Nicht, dass er so edel gewesen wäre, aber der
politische Kleinkram war ihm zu blöd
Aber blöd war auch, dass sie aus seinem letzten Buch
sechzig Seiten rausstrichen
Und dass sie ihn nicht auf seine verbohrte Art für die
Gasbehälter kämpfen ließen
Was hätte Thälmann dazu gesagt, der dort jetzt seine
Faust ballt kaum wiedererkennbar
Nirgendwo war er gern gelitten mit seinen Stumpen
Marke Freiwilliges Exil
In keiner kleinen Seele fand er Platz mit seiner
herzlosen Ablehnung alles Angepassten
Nur eine Kellnerin mit Häufig wechselndem
Geschlechtsverkehr Ausreiseantrag und Mittelschnauzer
Erlöste ihn zu allem entschlossenen von dem
allgemeinen Übel nicht geliebt zu werden
 

Jetzt ist er schon lange ausgereist und weg

Die heimatliche Bräutlichkeit verlassen
Ja irgendwer wie eine kleine Braut

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.