Interview mit "Björn Casapietra"

 

Interviews

März 2009

 

 

danke Thomas Behlert

 

Von der ersten Minute an unterhalten

Gab es für Sie einen anderen Berufswunsch als Musiker zu werden? Schließlich wurde ihnen die Musik bereits in die Wiege gelegt.

Björn Casapietra: Zu aller erst wollte ich Elvis werden. Da es diesen aber schon gab, schwenkte ich um auf Schauspieler. Durch meine Eltern fand ich sehr schnell meine Berufung als Sänger. Dieser herrliche Beruf steht für mich immer im Fordergrund.   

Als Moderator und Schauspieler brillierten Sie im Fernsehen. Trotzdem stellten Sie diese Sachen zu Gunsten der Musik in den Hintergrund. Warum?

BC: Die Moderationen im ZDF waren ein netter Ausflug. Diese Erfahrungen verbinde ich nun mit meiner frechen „Berliner Schnauze“ und setze alles während meiner Konzerte ein. So kann ich die Zuschauer während der Veranstaltung unterhalten und zum lachen bringen. Jeder soll sich freuen und von einer Gänsehaut in ein Lachen fallen und wieder Gänsehaut bekommen. Es ist einfach das Wichtigste für mich, das sich das Publikum von der ersten Minute an unterhalten kann.  

Ihr neues Album und auch ihre neue Tournee heißt „Verführung“. Wen wollen Sie damit verführen?

BC: Ich will alle die verführen, die den Mut haben, sich unsere Konzerte anzusehen. Ich will alle verführen, die Klassik nicht als langweilig einstufen und auch die, die Unterhaltung nicht nur unter der Rubrik Schlager oder Volksmusik suchen. Mit meinen Liedern gehe ich gegen das so genannte Schubladendenken an. Die „Verführung“ ist für Menschen, die unterhalten werden wollen, aber auch ein gewisses Maß an Intellekt besitzen. Ich singe dabei nicht nur für die Ohren der Zuschauer, sondern vor allem für ihre Seele. Die Menschen sollen verändert aus den Konzerten gehen und vielleicht die Sterne am Himmel etwas heller leuchten sehen. 

Sie singen klassische Arien, aber auch bekannte Popsongs. Wie treffen Sie die Auswahl?

BC: Klassische Arien und Popsongs sind es nicht. Man hört eine klassische Stimme, gepaart mit der Lockerheit und der Entspanntheit von jüngerer Musik. Ich bin kein verstaubter Tenor, der auf die Bühne kommt und sich tierisch ernst nimmt. Die Menschen sollen einen lockeren Abend erleben und dabei Künstler auf der Bühne sehen, die mit geschlossenen Augen die schönsten Liebeslieder singen. Mir geht es darum, dass man mir glaubt, was ich singe. Es gibt viele Leute, die schön singen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen schön singen und glaubhaft singen.

Etwas ganz besonderes ist in ihrem Leben geschehen: Sie sind Vater einer Tochter geworden. Wird es da schwieriger auf Tournee zu gehen?

BC: Nein, viel schöner, weil ich immer wieder zurückkomme. Schon während des Konzertes freue ich mich, dass ich bald wieder meine Tochter sehe und meine Frau in die Arme schließen kann. Meine Mutter, die Sopran-Primadonna Celetina Casapietra, hat immer gesagt, sie wäre bestimmt nicht 18 Jahre mit meinem Vater verheiratet, wenn sie sich jeden Tag gesehen hätten. Dieses nicht sehen und immer wieder auf einander freuen ist für mich der Schlüssel für eine gute Beziehung.

Ein Familienmitglied ist mit auf Tournee: Uwe Hassbecker von der Band Silly.

BC: Es ist eine große Ehre und ein großes Vergnügen mit Uwe auf der Bühne stehen zu dürfen. Wir ergänzen uns mit geschlossenen Augen. Es kommt mir so vor, als ob wir nie etwas anderes gemacht hätten. Uwe ist ein ganz hervorragender Musiker. Wir wussten zwar voneinander, haben uns aber nie so gekümmert. Er hatte seine Karriere mit Silly und ich meine Karriere als Sänger und Moderator. Irgendwann kam aber der Zeitpunkt, schon wegen unseres Vaters (der berühmte ostdeutsche Dirigent Herbert Kegel – die Red.), etwas gemeinsam zu machen. Jetzt können wir gar nicht mehr aufhören. Uwe ist sogar an meinem neuen Album beteiligt, dass im Herbst diesen Jahres erscheinen wird.  

Haben Sie musikalische Vorbilder?

BC: Meine musikalischen Vorbilder sind Bono von U2, Nick Cave, Pavarotti. Eben alle Menschen, die Musik machen, weil sie es wollen und nicht müssen.

Welche Musik hören Sie privat?

BC: Bei der Musik bin ich sehr flexibel. Ich höre gerne Nick Cave oder Peter Fox. Es muss nicht die Musik sein, mit der ich groß geworden bin. Jede Musik ist etwas besonderes, ob nun Rockmusik oder eine Sinfonie von Gustav Mahler.

Sie sind auf Tournee, nehmen Platten auf. Wie halten Sie ihren Körper fit und was tun Sie, damit ihre Stimme in Schuss bleibt?

BC: Meine Stimme halte ich fit, indem ich hoffentlich mit einer guten Technik singe, und meinen Körper, indem ich gut esse.

Was kommt nach der Tournee? Ist ein neues Album geplant?  

BC: Das neue Album wird sich diesmal nur mit einer Musikart beschäftigen: mit mystischen und keltischen Klängen. Bisher habe ich italienisch, spanisch, englisch und deutsch gesungen. Diesmal soll es nur ein Stil sein. Ich glaube, das wird ein Wendepunkt in meinen Leben mit einem sehr persönlichen Album. Ein Lied für meine Tochter ist ebenfalls auf dem neuen Werk.

Was möchten sie während ihrer Konzerte sehen?

BC: Strahlende Gesichter, die von der Musik, von der Show, begeistert sind. Jeder sollte während dieser Zeit all seine Sorgen und Probleme vergessen können. Mein Konzert ist für Menschen die gute Musik mögen und für alle Klänge offen sind.