Gisbert Piatkowski - Renft  Interview 2007

Interview mit "Gisbert Piatkowski"

Interviews

26.10.2007 - Berlin - Wabe

Renft

 

danke Thomas

 

     
  Erst einmal Glückwunsch zum heutigen Konzert, war ´ne tolle Sache! Zuerst natürlich die Frage aller Fragen: wie kommt Gisbert ´Pitti´ Piatkowski zu Renft?

Ganz einfach. Mit Delle, unserem Trommler, arbeite ich an der gleichen Musikschule, da sehen wir uns mindestens einmal wöchentlich und irgendwann im Frühjahr oder Frühsommer fragte er mich, ob ich mich mit dem Gedanken anfreunden könne, bei Renft zu spielen, es zumindest mal zu probieren. Da haben wir uns dann einen Termin ausgemacht, mit Delle und Marcus, zum gegenseitigen Beschnuppern und Krach machen im Übungsraum.

Das Ergebnis fanden wir alle ganz geil und so haben wir dann ein erstes gemeinsam zu spielendes Konzert vereinbart. Angedacht dafür war ein Gig im September in Chemnitz, doch plötzlich kam  - bedingt durch Cäsars Krankheit - eine Anfrage , ob ich nicht bei einem Konzert auf Rügen, wo Renft gemeinsam mit Cäsar und den Spielern auftreten und das auch unbedingt stattfinden sollte, spielen könne. Wir hatten gearde erst ein-, zweimal geprobt, es war also eine ziemliche Hau Ruck-Aktion, mit Monster hatte ich noch gar keine Probe, bin nur mit ihm zusammen nach Baabe gefahren - zur Freilicht-Mugge.
Das Ergebnis war dann aber schon cool, ich war beeindruckt, wie sehr die Fans - die ganzen, alten aus dem Süden waren oben an der Ostsee - doch an der Band hängen...
So kam dann hier ´n Gig, da ´n Konzert und dort noch ´ne Mugge, ich lernte die Jungs näher kennen. Monster ist ein ganz liebenswerter Typ, Marcus macht ab und zu schönes Catering hinter der Bühne - die sind alle wunderbar und ich fühle mich wohl bei und mit ihnen, wir haben unseren Spaß. Das ist ja auch der springende Punkt an der Geschichte, denn wenn die Freude an der Musik fehlt, sollte man sich schon ´n anderen Beruf suchen, zumal es ja  ´Arbeit´ oder ´Beruf´  im landläufigen Sinne nicht ist. Musik ist Gefühl, Musik ist Spaß - fehlt beides, kann man es bleiben lassen!

Oder wie Mutti schon sagte: Lern ´nen ´´ordentlichen´´ Beruf!...

Genau, das haben wir ja alle schon durch. Als die jungen Burschen dann partout Musik machen wollten, kamen dann diese Sprüche.

Nun gibt es für Dich ja nicht nur Renft als Arbeitsplatz, sondern auch die Modern Soul Band und Mitch Ryder als ´´Arbeitgeber´´...

Die Modern Soul Band spielt ja nicht so häufig. Da bin ich in den frühen Neunzigern eingestiegen, weil es mir Spaß macht, in dieser orchesterähnlichen Truppe - klasse Bläser - mit von der Partie zu sein, kenne also auch Hugo, den Chef, der in Spanien lebt und ein ganz klasse Typ ist, schon länger. Aber das sind leider nur so zehn, maximal zwölf Konzerte im Jahr, ist es doch für ´ne Band mit dieser personellen Größenordnung ungleich schwieriger, an Gigs heranzukommen. Trotzdem will ich da auf keinen Fall die Segel streichen, dass habe ich auch Delle zu Beginn gesagt, doch er sah da keine Schwierigkeiten, falls es wirklich mal zu terminlichen Überschneidungen kommen sollte, also: Let´s do it!´´
Ich kann also die wenigen Modern Soul Konzerte spielen, auch wenn sich der Renf - Kalender mehr und mehr mit Terminen füllt.
Bei Mitch Ryder bin ich seit drei Jahren bei seinen regelmäßigen Winter-Touren mit dabei, da habe ich ebenfalls mit den Jungs abgesprochen, dass ich diese Gigs - immer im Februar - realisieren kann. Zur Zeit ist Mitch ja gerade wieder in Berlin um seine neue CD aufzunehmen, an der ich, zusammen mit Engerling, ebenfalls beteiligt bin. Auf diese Tour freue ich mich immer -  bei der nächsten geht es u.a. auch nach Spanien -  zumal man als freischaffender Musiker ja auch irgendwie überleben muß., deshalb unterrichte ich auch ziemlich viel. Andererseits gibt mir die Musik auch wieder die Kraft, um all das zu bewältigen, womit wir wieder bei der ´´Arbeit´´ wären, denn würdest du das rational nur unter Broterwerb verbuchen, stündest du das körperlich gar nicht durch. Aber wir sind ja noch sooo jung und in den besten Jahren...

Bei Renft soll ja auch - sagt die Gerüchteküche - eine neue Scheibe anstehen...

Da gibt es noch keinen genauen Termin. Auf jeden Fall werden wir etwas herausbringen und kreativ sein, diese Zusage kann ich öffentlich machen.

Demnächst, am 30.November, steht das Gedenk-Konzert für Heinz Prüfer an. Wir haben vorhin schon Monster befragt, der uns aber noch nichts genaueres sagen konnte...

Kann ich auch nicht. Wir werden einige Gäste am Start haben und werden natürlich weitere namhafte Leute einladen. Auf jeden Fall wird es eine würdige Veranstaltung!

Du hast ja in vielen Bands gespielt, Magdeburg, NO 55, Gitarreros...Kannst Du Dir vorstellen, das es für ein paar Gigs mal wieder ein Gitarreros-Projekt geben wird, geben könnte?

Ja, warum nicht. Ich mag die Jungs alle, wir haben uns damals sehr gut kennen und schätzen gelernt und sind sehr gut miteinander befreundet auseinander gegangen. Erst neulich habe ich zusammen mit Bernd Römer und der Sängerin Caro einen kleinen Gig bei einem AC/DC-Cover-Festival  - zwei, drei Nummern als kleine Einlage, gespielt, u.a. ´´Whole lotta Love´´ (welches wir eventuell mit ins Renft-Programm übernehmen, mal sehen, was Monster dazu sagt), und ´´Paranoid´´...
Aber es ist natürlich auch ´ne Frage der Organisation, die Leute sind ja alle involviert, Hasbe hat mit Silly viel zu tun, Bernd mit Karat...
Da musst du schon jemanden finden, der das auch organisiert, ist es doch ein ziemlich großer Aufwand, vom finanziellen Aspekt gar nicht zu reden. Da brauch es dann schon ´n richtiges Management, mit einfach mal so kurz treffen is da nix...
Aber als Möglichkeit will ich das nicht ausschließen.

Nun bist Du ja nicht gleich mit den Händen an der Gitarre auf die Welt gekommen, welches war also Deine musikalische Initialzündung, gab es da bei Dir eine bestimmte Band oder einen ganz speziellen Titel ?

Das erste, wo es so richtig geknackt hat, waren die Beatles. ´´She loves you´´ und natürlich ´´Help´´ - als ich die Nummer im Radio hörte, bekam ich Gänsehaut. Später kamen die Stones dazu, das Intro von ``Jumping Jack Flash´´, die verzerrte Gitarre bei ´´(I can get no) Satisfaction´´, das hat richtig tief gesessen.
Später dann, im Teenager-Alter und zu Internats-Zeiten, erschlug mich dann das Riff von ´´Whole Lotta Love´´, ich wollte einfach nicht glauben, was ich da hörte. Zu dieser Zeit kam dann auch ´n Kumpel von mir mit der obligaten Wanderklampfe, zeigte mir ´n paar Griffe - und dann ging´s los...
War ja alles schwer gitarrenlastig damals, Black Sabbath ´´Iron Man´´, Deep Purple - das hat mich regelrecht fertig gemacht. Cream nicht zu vergessen, Hendrix - das musste alles sein, dazu kam ja noch, dass die Erwachsenen das überhaupt nicht verstanden haben. Ich weiß noch, wie meine Mutter zu mir sagte, dass es da jetzt noch so ´ne neue Band gebe, völlig verloddert, mit dreckigen Klamotten und total brutaler Musik - wurde ich natürlich hellhörig und fand, was die machten, einfach super-interessant: die Stones. So ging das damals für mich los.
Ich selbst habe Musik ja von klein auf gemacht, es gab bei uns immer - initiiert von meinem Vater - Hausmusik, jeder spielte und sang, von Geige bis Akkordeon war alles, was irgendwie Krach macht, vertreten, und für ein Kind ist es natürlich immer von Vorteil, in einem musikalischen Umfeld aufzuwachsen. Darum auch hier meine Empfehlung: mit Kindern sollte man immer singen!

Ging diese aktive Musikbegeisterung von Dir aus oder haben da Mama und Papa nachgeholfen?

Zu meinem ersten Musikunterricht, im Alter von neun oder zehn  Jahren, hat mich meine Mutter hinbeordert, da musste ich zum Akkordeon-Unterricht. Zunächst widerwillig, fand ich aber so nach zwei, drei Stunden Gefallen an der Möglichkeit, mittels Instrument selbst Musik zu machen und war dann auch vier Jahre lang Mitglied eines kleinen Akkordeon-Orchesters, mit dem ich dann z.B. in Seniorenheimen zu Kaffe und Kuchen aufspielte. Während meiner Zeit im Internat, also von der neunten bis zur zwölften Klasse, gab es eine Internats-Band, da waren wir zu Gast bei deren Proben, die spielten z.B. Beatles ´´She´s a woman´´, das hat mich auch beeindruckt...

Worüber kannst Du Dich freuen?

Wenn ich einen freundlichen Menschen treffe, dem ich offen in die Augen schauen kann und der dann diesen Blick auf gleiche Weise zurück gibt, wie hier z. B. bei den Renft-Fans der Gustl mit seiner offenen, ehrlichen und freundlichen Art.
Ich freue mich auch über die Freude der Leute oder wenn ich beim Unterrichten merke, dass durch die Musik in den Menschen etwas auftaut - das ist ganz wunderbar. Natürlich freue ich mich auch, wenn ich Musik hören kann, die mir gefällt, obwohl man da in den unendlichen Weiten des musikalischen Ozeans, der einen umgibt, schon eine Weile suchen muß - doch es gibt sie noch, diese persönlichen Diamanten

Was ärgert Dich ?

Pitti: Wenn Leute lügen, nicht sie selbst sind und dadurch anderen auf den Zünder gehen, wenn jemand seine Vorstellungen anderen überstülpen, andere verbiegen will - das finde ich grauenhaft. Unehrlichkeit... da kommt schon einiges zusammen an negativen Dingen...