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Interview mit "Transsylvianans" |
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Interviews |
09.11.2007 - Potsdam - Lindenpark |
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danke Thomas ( keletizene.de ) |
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Interview mit Isabel Nagy, András Tiborcz, Hendrik Maaß und Thomas Leisner für ostmusik.de, rockradio.de & keletizene.de
Frage: Ein Konzert am 09.November - der Fall der Mauer wird volljährig - ist das Zufall oder Absicht?
Isabel: Ein schöner Zufall - das hat sich aber im letzten Jahr schon angedeutet, da haben wir uns diesem Datum angenähert und sind am 10.November aufgetreten.
Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, die Zeit der ´´großen´´ Jahresrückblicke allüberall - wie ist eure Bilanz für 2007?
Hendrik: Ein ereignisreiches Jahr für uns, begannen wir es doch am 13.Januar mit dem Record-Release-Konzert zur neuen Doppel-CD ´´Fél és ègesz´´ im Glashaus der Berliner Arena. Seit Mitte des Jahres sind wir wieder als Quartett unterwegs, da sich die Wege von uns und unserem langjährigen Keyboarder Andreas Hirche trennten. Mit dem heutigen Auftritt endet unsere Live-Präsenz für 2007 und wir freuen uns auf das nächste Jahr.
Welches waren, außer dem erwähnten, phantastischen Auftritt im Januar, eure persönlichen Highlights 2007?
Hendrik: Ich erinnere mich an das Bunte Republik Neustadt - Konzert in Dresden und an die zwei Stoppok und Artgenossen – Konzerte im Sommer.
Isabel: Die Semestereröffnungsparty würde ich dazu zählen, das ist für uns auch schon Tradition, wir spielen dort jedes Jahr und diesmal war es besonders schön.
András: Das ist auch eines meiner Highlights.
Wie viele Konzerte habt ihr in diesem Jahr gegeben?
Hendrik: Wir haben sie nicht gezählt, aber es müssen so um die fünfzig Auftritte gewesen sein, also nicht so viele wie in den Jahren davor, doch wir hoffen, dass die Tendenz wieder nach oben geht und wir wieder mehr spielen können.
Da schließt sich natürlich gleich die Frage an, ob ihr von eurer Musik leben könnt?
Hendrik: Wir machen alle nebenher noch andere Sachen, aber hauptsächlich sind wir als Transsylvanians unterwegs und leben davon, wenn auch bescheiden. Auf Tour zu sein ist schön: wir sehen viel, bekommen gutes Essen und trinken abends im Hotel noch ein Bier aus der Backstage. Wieder zu Hause habe ich dann kein Bedürfnis mehr, kostspielig irgendwohin zu fahren und genieße die Ruhe. Die Konzertpause darf nur nicht zu lang werden. Wir sind jedenfalls ernsthaft bestrebt, die Früchte unserer Arbeit auch weiterhin zu ernten.
Gibt es konkrete Pläne für 2008?
Hendrik: Nein, jetzt sind wir erst einmal dabei, uns zu viert einzuspielen, haben wir uns doch u.a. ´n paar neue Instrumente angeschafft, mit denen wir auch auf der Bühne experimentieren, wie z.B. ein Keyboard, welches wir alle vier benutzen können. Dazu kommt, dass wir kräftig am Proben und einstudieren neuer Titel für ein neues Konzertprogramm und die Nachfolge-Scheibe zu ´´Fél és égesz´´ sind. Da gibt es aber keinen konkreten Zeitplan, wir gehen das in Ruhe an, lassen es reifen und wenn es dann soweit ist, geht das bei uns auch relativ schnell.
Wie lange gibt es euch als Band eigentlich schon?
Hendrik: Wir sagen immer ´´seit zehn Jahren´´, und seitdem ist viel passiert. Einige Musiker haben uns verlassen, andere kamen hinzu - die transsylvanische Geburtsstunde ist aber schon im Jahre 1995 anzusiedeln.
Machten sich die diversen Umbesetzungen auch stilistisch bemerkbar, gab es in dieser Hinsicht hörbare Veränderungen?
Hendrik: Meiner Ansicht nach sind wir ungefähr auf dem gleichen stilistischen Level geblieben. Sicher waren wir zu Beginn etwas folkloristischer, traditioneller - wir spielten ja zunächst rein akustisch, als Straßenmusiker - mit Akkordeon, einer zweiten Geige und sind über die Jahre mehr und mehr zu ´ner Rockband geworden, aber im Grunde hat sich unser Stil nicht so grundlegend gewandelt, nur dass wir durch Eigenkompositionen und instrumentelle klassische Stücke unser musikalisches Spektrum erweitert haben.
András: Es klingt schon anders als früher. Wenn man sich z.B. ´´A Baratok ´´ (´´die Freunde``) von unserer ersten CD anhört und das mit der heutigen Version vergleicht, merkt man schon, dass da jetzt viel mehr Power drin ist, durch die Interpretation von Isabel (der eine große Rolle zukommt) gleichzeitig aber auch softer, da sie anders als Szilvana singt; in musikalischer Hinsicht sind wir heute auf jeden Fall interessanter.
Hendrik: Wir haben diese verschiedenen Entwicklungsstadien auch gut dokumentiert, weil fast auf jeder unserer CDs eine andere Besetzung spielt –( nur András, Thomas und ich sind die Konstanten in dem Ensemble). Wer genauer hinhört wird es interessant finden, wer zu welcher Zeit Nuancen einbrachte. Aber ich kenne auch genügend Leute, die Musik nicht analytisch hören und sich nur vom Gefühl und vom Gesang leiten lassen, und denen ist es egal, ob da eine zweite Geige das Solo spielt oder ein Saxophon.
Eure Musik wird in den diversen Konzertankündigungen oft als ´´Speed-Folk-Music´´ offeriert. Ist das eine Bezeichnung, die es trifft, die ihr unterschreiben würdet?
András: Ja, klar, benutzen wir ja selbst. Everybody knows what ´´speed´´ means, die Schnelligkeit und auch die Abwechslung in unserer Musik. ´´Folk´´ ist auch richtig - so also we can say ´´Folk-Rock´´ or ´´Folk-World-Music´´, because ich liebe diese Definition ´´Weltmusik´´, the people they use it as a neues Wort für´´Folk-Music´´. We are also eine Weltmusik-Band, because we play german music or hungarian music or indish music or american music with all the influences of the whole world und wir sind täglich umgeben von Musik aus der ganzen Welt. For us - The Transsylvanians - ist Speed-Folk-Music schon das richtige Wort, aber auch wenn man uns unter Weltmusik ankündigt, ist das nicht falsch.
Wie viele Nationalitäten sind in eurer Band vertreten?
Isabel: Jetzt sind es nur noch zwei.
András: Es gibt ein hungarian, ein hungarian-german und two germans.
Hendrik: Die Liste der Ex-Musiker und ihren unterschiedlichen Nationalitäten ist lang und bunt…russisch-bulgarisch-griechisch, da kann jeder im Internet mal in den alten Bandfotos stöbern.
Bezeichnet ihr euch als deutsche oder als ungarische Band?
Hendrik: Wir haben durch András ein erheblich authentischen ungarischen Anteil in der Band und wir singen auf ungarisch. Der deutsche Anteil reduziert sich auf Ansagen wie z.B.: „Wir sind die Transsylvanians aus Berlin und spielen ungarische Musik.“
Isabel: Wir wohnen in Berlin - keiner von uns ist hier geboren. András, unser Geiger, kommt aus Nagykanizsa, einer Stadt, vierzig Kilometer südwestlich des Balaton gelegen. Hendrik kommt aus..
Hendrik: Ich komme aus dem Osten, aber da gibt es keinen festen Ort, den ich da nennen könnte...
Isabel: ..er war nur am Umziehen. Thomas - unser Schlagzeuger - kommt aus Bonn und ich komme aus Radebeul, einer Stadt in der Nähe Dresdens, mein Vater aber ist Ungar.
In welchen Ländern seid ihr bislang aufgetreten?
Isabel: Überall in den angrenzenden Staaten - Polen, Holland, Belgien, Österreich, Schweiz, Tschechien...
Hendrik: ...in England sind wir auch schon aufgetreten...
Isabel: ...aber noch nie in Ungarn! Einzig András mit seiner damaligen Rockband hat dort gespielt und Konzerte gegeben, aber wir als Transsylvanians noch nicht.
Wollt ihr da nicht mal vorstellig werden?
Isabel: Ja klar!
Hendrik: Wir sparen schon die ganze Zeit auf ´n großen Bauwagen; mit ´ner noch größeren PA hinten dran....
András: Das ist bei uns natürlich schon seit längerer Zeit ein Thema, das wir einmal beim größten Festival des Landes, beim Sziget auftreten können. Keine Ahnung, warum das bislang nicht möglich war, but we hope next year could it be we play some concerts in Hungary - und natürlich in Transsilvanien also. Sometimes after the concerts kommen die Leute und sprechen uns auch darauf an, dass es in Cluj-Napoca/Kolozsvár/Klaussenburg jedes Jahr ein Sommer-Festival, organisiert von der dortigen Universität, gibt und wir auch da mal auftreten sollten.
Ihr seid also als Transsylvanians noch nie in Transsilvanien aufgetreten?
András: No, wir waren nur privat dort und haben bissel am Lagerfeuer gespielt - offiziell als The Transsylvanians aber noch nicht.
Wie seid ihr überhaupt zu eurem Namen gekommen?
Thomas: András hat sich ins falsche Land verirrt. Er kommt ja ursprünglich aus dieser Gegend, ist aber, über vielerlei Umwege in der Welt, dann doch hier in Deutschland angekommen und so kam es dazu, dass wir hier in Deutschland - als Deutsche - diese Musik spielen und jetzt zusehen müssen, wie wir wieder nach Transsilvanien zurück kommen.
Hendrik: Als Band brauchten
wir einen Namen, und es ist besser sich einen auszusuchen, der ein bisschen
´´was her macht´´ als einen, den man nicht aussprechen oder sich nicht merken
kann. Irritierend könnte sein, dass die Leute denken wir treten im
Dracula-Outfit auf oder beißen das Publikum. Das tun wir nicht. Bei sehr
bekannten Bands assoziiert man sofort die Musik mit dem Namen. Wenn man z.B.
Rolling Stones sagt, fragt sich keiner „Rollen da Steine über die Bühne?“ Da wir
nicht ganz so populär sind, werden uns diesbezüglich immer Fragen gestellt, auch
weil Transsilvanien seit dem Ende des 1. Weltkrieges nicht mehr zum ungarischen
Staatsgebiet gehört. Aber es entsteht über diese Fragen immer ein netter Kontakt
zu den Konzertbesuchern.
András: In the beginning, in unserer Anfangszeit, war natürlich die
ungarisch-transsylvanische Musik unsere Basis, unser Background. Diese Musik ist
die interessanteste ungarische Musik, etwas, das bleiben wird. Wir sind eine
internationale Gruppe, Transsilvanien ist international - es leben da auch
Deutsche und andere Nationalitäten - wir leben in Berlin, diese Stadt is also a
little bit like Transsylvania... Aber ausschlaggebend für mich war auch- und
darauf bin ich schon stolz - dass Transsilvanien das erste Land war (irgendwann
im 16.Jahrhundert), dass jedem seiner Bürger Glaubens- und Religionsfreiheit
zustand und es schon damals international besiedelt war: Siebenbürger Sachsen,
Hungarians, Rumänen , Gypsies natürlich, Juden usw.
Sind denn eure Alben in Ungarn und/oder Rumänien erhältlich?
Thomas: Wir sind jetzt in gut zwanzig Ländern vertreten, ich weiß aber nicht genau, ob da auch Ungarn und Rumänien dabei sind.
Hendrik: In dieser Hinsicht sind wir eher ein kleines Unternehmen. Unser Vertrieb gibt sich alle erdenkliche Mühe, dass unsere CDs im Fachhandel erhältlich sind. Aber da gibt es viele verschieden Ketten und Probleme. Einfacher ist es dann gleich unter www.transsylvanians.de sich eine CD zu bestellen oder sich in den gängigen Musikportalen einzelne Lieder herunter zu laden. Es ist für uns immer wieder überraschend, aus welchen Gegenden der Welt wir ein Feedback erhalten.
András: Die meisten in Ungarn oder in Transsilvanien von uns befindlichen CDs sind sicher auf touristischem Wege dahin gelangt, sei es, dass die Leute gezielt danach suchen oder sie bei unseren Konzerten kaufen und sie dann für ihre Freunde kopieren, das ist ja heute mittlerweile die Normalität...
Isabel: ..aber es ja auch ein Kompliment für uns. Die Zeiten, in denen man mit CDs noch Geld verdienen konnte, sind ohnehin vorbei und wer weiß, vielleicht wird der eine oder andere mit einer kopierten CD Beschenkte dadurch auch den Weg zu einem unserer Konzerte finden.
Wie habt ihr vier überhaupt zueinander gefunden?
Isabel: András ist ja aus Ungarn ausgewandert über Italien nach Australien...
András: ...long time ago...
Isabel: ...und wahrscheinlich ist es dann so, dass man - weit weg von zu Hause - Heimweh bekommt und sich, so man z.B. Musiker ist, sich mit den Klängen wieder befassen will - was er vielleicht nicht getan hätte, wäre er in Ungarn geblieben - und so musste er, sozusagen im Exil, Leute finden, die sich für seine Musik begeistern - und das kann András wie kein zweiter, andere für seine Musik zu begeistern - so suchte und fand er dann auch Musiker dafür; in Australien waren es australische, hier in Deutschland deutsche Musiker. András ist also der Motor, die treibende Kraft.
András: Die Nr.1 ist immer die Freundin...
Isabel: ...ja genau, die Freundin. Die hat er sich nicht gesucht, die hat ihn gefunden...
Bist Du zufrieden mit den deutschen Musikern und ihrer Art, ungarische Musik zu spielen?
András: Ja, bin ich. Sehr sogar und glücklich dazu. Schon allein die Tatsache, dass es überhaupt Leute gibt, die das interessiert und die dann auch noch so leidenschaftlich, aktiv und professionell sich engagieren, sei es nun im organisatorischen oder rein musikalischem Bereich. Das ist unsere gemeinsame Basis, auf der es sich sehr gut arbeiten läßt, sei es nun beim Einstudieren neuer Stücke, bei der Arbeit an einer CD oder auf Tour.
Könnt ihr anhand der Publikumsreaktionen ausmachen, wo ihr euch gerade befindet, gibt es in den einzelnen Ländern unterschiedliche Reaktionen auf eure Auftritte?
Isabel: Hier in Deutschland ist eher die Lokalität entscheidend, weniger die Region, da können wir nicht sagen ´´typisch norddeutsch´´ oder so... Die Holländer sind ziemlich schnell zu begeistern...
András: ...und da gibt es gutes Gras wie in Deutschland gutes Bier...
Hendrik: Die Mentalitäten sind schon sehr unterschiedlich. Wir spielten z.B. mal auf einem Festival und wurden vorgewarnt in dem Sinne, dass, würden die Leute auch nur etwas mit dem Fuß wippen, wir sie schon bekommen hätten. Da waren wir dann natürlich froh als sie zu tanzen begannen und wir wussten, wir hatten gewonnen... Aber eine allgemeingültige Faustregel läßt sich natürlich nicht aufstellen, entscheidend kann die Uhrzeit sein, der Stand der Party... Manchmal sind Konzerte mit spätabendlicher Beleuchtung für die Leute animierend, manchmal Auftritte am Nachmittag, wo die Familien mit Kind und Kegel erscheinen, offen und begeisterungsfähig - da kann man kein pauschales Urteil abgeben.
Nun seid ihr ja nicht schon mit den Instrumenten vor der Brust auf die Welt gekommen. Welcher Anlass war für jeden Einzelnen von euch ausschlaggebend für die Entscheidung, Musiker zu werden?
Hendrik: Da habe ich nie so richtig darüber nachgedacht - ich wußte und fühlte nur, dass ich einmal ein Instrument spielen werde. Zur Gitarre bin ich durch meine Schwester gekommen, die schon spielen konnte - die üblichen geschwisterlichen Eifersüchteleien in diesem Alter - und so wollte ich das natürlich auch können - das war der Beginn meiner Passion zu diesem Instrument. Die musikalischen Vorbilder wechselten im Laufe der Zeit, ich war und bin aber für viele Richtungen offen. Punk und Rock wären da vielleicht als Schwerpunkt zu nennen - der richtige Klassikfan oder schwer jazzbegeistert war ich nie. Ich hab zwar mit klassischer Gitarre begonnen, habe mir aber deswegen nicht ständig klassische Musik angehört.
Isabel: Ich habe als Kind Gitarre lernen sollen - was ich ja auch wollte - fand aber den Lehrer nicht so umwerfend, der war schon bissel komisch, erzählte fortwährend von der Musikschule, an der er zuvor unterrichtete, wie toll doch die Schüler da und wie schlecht wir hier seien - das machte also keinen Spaß; im Sommer Winterlieder lernen, auf dass man sie dann im Winter spielen könne... Später - im Alter von siebzehn Jahren - nahm ich dann Gesangsunterricht, brachte mir selbst das Flötenspiel bei, hörte dann - mit vierundzwanzig - zum ersten Mal die Transsylvanians, dachte ´´Das ist ja tolle Musik!´´, spielte zu deren Liedern zu Hause im Bad Flöte - und lernte irgendwann András kennen, der meinte nur ´´Mit ´ner Blockflöte würdest du nie bei den Transsylvanians mitspielen können, das ist ein total verpöntes Instrument.´´ Dann bekam aber Szilvana ein Kind, verließ die Band, András brauchte ´ne neue Frau - nicht nur auf der Bühne - und so musste ich dann binnen zweier Monate, in der Winterpause Dezember/Januar, Kontrabass lernen. Neues Equipment mußte besorgt werden - wir hatten zwar einen Kontrabass, der aber total kaputt war und einen Riss hatte, so dass Kontrabass-Bauer Bernhard Korth uns die Empfehlung gab, das Teil zu entsorgen, da man es nicht reparieren könne. Doch ein anderer Meister seines Fachs konnte das und so spiele ich bis heute auf András´ Kontrabass, der zwar schwer aussieht, aber doch nicht so viel wiegt, lediglich auf Dauer wird es für den Rücken etwas anstrengend - doch da muß man halt durch.
Thomas: Bei mir begann es in der Schulzeit. Freunde von mir hatten eine Rockband, von der ich völlig begeistert war und so wollte ich natürlich auch sein, gründete meine eigene Band, studierte später Schlagzeug und als ich damit fast fertig war, kamen die Transsylvanians auf mich zu - seitdem bin ich dabei. Bis zu dieser Zeit hatten sie noch keinen Schlagzeuger, spielten aber mehr und mehr auf großen Bühnen und wollten auf noch größeren spielen, wozu sie aber ´n Schlagzeuger brauchten. So hörten sie sich um, spielten mit verschiedenen Drummern zusammen und mit hat es dann wohl gestimmt.
Hendrik: Wir haben damals, wie Thomas gerade erwähnte, einen Schlagzeuger gesucht, um auch größere Bühnen bespielen zu können. Szilvana hatte ja einen sehr eigenständigen Bass-Stil, sie hat viel geslapt und dadurch auch für die Percussion, den Beat gesorgt. Die vielen Schlagzeuger, die wir ausprobiert haben, wußten deshalb im Grunde nicht so recht, was sie denn nun bei uns sollten, welche Funktion sie zu erfüllen hätten. Das war schon schwierig, da jemanden zu finden. Über Umwege sind wir dann an Thomas geraten, der die Musik interessant fand und sich da auch hineinarbeiten wollte, zumal es in der ungarischen traditionellen Musik - ebenso traditionell - auch kein Schlagzeug gibt und er demzufolge auch keine Beispiele hatte, um sich das anzuhören. Dazu kommt, das die meisten Stücke langsam anfangen und dann immer schneller werden - für einen Schlagzeuger ist das nicht so einfach, diesen Vorgaben zu folgen oder eine dementsprechende Methodik zu entwickeln, wie er mit diesen permanenten Änderungen des Tempos umgeht.
András: Für deutsche - oder überhaupt westliche
- Schlagzeuger ist das schon schwer, das war in meiner Zeit mit australischen
Musikern auch alles andere als einfach, diese freien Tempi, die rhythmischen
Veränderungen innerhalb der Stücke, zu spielen. Das ist der Unterschied zur
westeuropäischen Musik, die zwar auch verschiedene Rhythmen kennt, die auch
groovt und rockt, aber in dem Sinne nicht diese breite Palette enthält. Ich sehe
aber bei unserer Musik genügend Raum für ein Schlagzeug - was ja eigentlich der
Tradition entgegen steht. Zwar gibt es auch in der traditionellen ungarischen
Musik eine Reihe perkussiver Instrumente, aber eben nicht in dieser geballten
Konzentration von Möglichkeiten, wie sie ein Schlagzeug von vornherein hat...
Aber um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen:
I was born in Hungary in 1955, 19th of February in Nagykanizsa in the
Red-Army-Street, opposite the music school...
Isabel: ..later they moved to the cemetary...
András: ...yeah, near to the cemetary und ich
hatte das Glück because in my family gab es Tag und Nacht echte Live-Musik, wir
hatten einen schönen, großen
Bösendorf -Flügel im Wohnzimmer unseres Hauses und niemals hat jemand -
weder mein Vater noch meine Mutter - gesagt : ´´Hey, now it is ten o´clock in
the evening - you can´t play the piano this time´´ , oder dass es zu laut oder
zu früh sei. Meine Mutter spielte sehr schön Klavier -
Bartók ,
Beethoven,
Chopin, lauter so schöne Stücke und eines Tages auch Bartóks ´´Evening in
Transsylvania´´, was wir ja auch schon lange im Repertoire haben und das ich
immer noch mit großer Leidenschaft spiele. Das war also meine erste Begegnung
mit der Musik. Dann gab es noch einen Onkel, welcher Geige spielte: Folklore,
Kinderlieder - das war mein zweiter Inspirator und so war es für mich nie eine
Frage, ob ich nun Musiker werde oder nicht. Später gingen
alle Tiborcz-Kinder zur Musikschule, meine Schwester Klavier, mein Bruder
Dénes damals Cello, inzwischen
he´s a very good Jazz-Saxophone-Player and sometimes also he´s a guest of The
Transsylvanians - he played with us also on our CDs ´´Jó!´´
és ´´Igen!´´
- und mein kleinerer Bruder ebenfalls Piano, auch er inzwischen ein guter
Jazzmusiker. I
In den sechziger Jahren kam dann natürlich die große Beatles-Strahlung über den
iron curtain auch zu uns, ebenfalls sehr inspirierend und mit Begeisterung von
uns aufgenommen, die zwar natürlich zensiert wurde, aber nicht so arg wie z. B.
in der DDR oder Rumänien, doch auch wir hörten
Radio Luxemburg. Nicht zu vergessen die ungarischen Beatles -
Illés - da konnten wir ja auch die Texte verstehen, die ungarischen Rolling
Stones -
Omega - , die ja auch in beiden Teilen Deutschlands eine große Karriere
machten und auf die ungarische Rockszene einen großen Einfluß ausübten.
Ich habe dann selbst in einer Rockband gespielt, komponiert, arrangiert - aber
auch schon in dieser Zeit mit transsylvanischen Klängen gearbeitet, es war
progressive Rockmusik - wie man das damals nannte - verbunden mit traditionellen
Elementen. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre habe ich dann auch mitJazz
experimentiert und begann ein Studium am Budapester Bela-Bartók-Konservatorium,
Fachrichtung Kontrabass. Das war eine sehr interessante, intensive Zeit, hatte
ich doch die Möglichkeit, mit den besten Jazzmusikern des Landes zu spielen. Das
Studium konnte ich aber nicht beenden, ich sollte zur Armee, um meinen
Wehrdienst abzuleisten - da zog ich dann doch schon die Emigration vor, die mich
bis nach Australien verschlug und die praktisch der Anfang der
Prä-Transsylvanians-Zeit ist. So schließt sich dann fast der Kreis mit meiner
Ankunft in Europa, in West-Berlin, it was very interested to see when we played
sometimes it´s party, ungarische Musik kann die Leute begeistern. Das sah ich
sofort als Möglichkeit. Natürlich nicht rein traditionelle ungarische Musik, die
gab es schon genug, egal ob in Ost oder West , da z. B. in München, aber in der
Verbindung mit Rock- und Weltmusik, Ethno- und Klassik-Elementen ein Repertoire
für eine Band zu erstellen, das hat mich gereizt and so I´m very happy , dass es
bis heute funktioniert.
Die Liste meiner musikalischen Vorbilder ist dementsprechend ziemlich lang, die
großen Klassiker habe ich ja schon erwähnt - deren werke spiele ich auch heute
noch gerne mit meinem Schülern - dazu, neben Beatles, Stones und
Jimi Hendrix ,
Emerson, Lake & Palmer und deren Ansatz, Klassik & Rockmusik zu verbinden,
Jethro Tull wären zu nennen, Folk-Music ganz allgemein, die Liste wäre
unendlich...also
Red Hot Chili Peppers, because es klingt für mich like a school-band in
ihrer musikalischen Organisation und totalen Klarheit, sympathisch, einfach und
sehr gut arrangiert.
Hendrik: Ich habe immer sehr gerne
Iggy Pop & the Stooges gehört, überhaupt die Beatmusik der sechziger Jahre.
Frank Zappa mochte ich sehr, die frühen
Pink Floyd, als sie noch mit verschiedenaritgen Sounds experimentierten.
Eine Zeit lang war auch Jazz-Rock angesagt wie z. B.
Mahavishnu und solche Geschichten , bei denen plötzlich andere Instrumente
wie Geige oder Marimba auftauchten - das gab es aber auch schon bei Zappa in
seiner Zeit mit
Jean-Luc Ponty, diese ganzen ´´krummen´´ Takte halt.
Bis zu der Zeit, in der ich in Berlin ankam, wusste ich relativ wenig
überosteuropäische Musik, das war für mich auch ´ne interessante Geschichte. Die
original-ungarische Musik ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig - wenn ich da
Aufnahmen höre, freue ich mich, wenn ich überhaupt Melodien erkenne, aber nur,
weil wir diese auch schon mal gespielt haben. Dieses pure Geigen -´´Gefiedel´´
und diese hohen Stimmen, daran musste ich mich erst gewöhnen, aber man kann aus
diesen Vorlagen ja auch andere Musik machen, so wie wir es z.B. umsetzen und da
hab´ ich dann schon meinen Spaß daran, dies rockig zu interpretieren und den ein
oder anderen ungarischen Vers zu singen.
Thomas: Bei mir waren Police in meinerJugendzeit ein ziemlich starker Einfluss und dann später Sting mit seinen eigenen Projekten, bei denen er dann Rahmen auch immer breiter steckte und so kam ich auch dazu, mich für Neues zu interessieren. Dinge, mit denen ich früher kaum etwas anfangen konnte, sind mir dadurch näher gekommen und mittlerweile bin ich für alles offen und möchte so viel wie irgend möglich kennen lernen. Ich habe mich mit Free-Jazz beschäftigt, selbst Musik studiert und während dieser Zeit auch Jazz gespielt, bin von Hause aus aber eher mit Klassik aufgewachsen und zur Zeit im Pop-Rock-Bereich gelandet.
Isabel: Die musikalischen Vorlieben wandeln sich
ja im Laufe der Zeit, wen ich aber unbedingt nennen muß, das ist
Lou Reed. Meine derzeitige Lieblingsmusik ist
Sanagi, ein norwegisch/englisch-japanisches Duo, dessen weibliche Hälfte -
Lene Toje - meine Mitbewohnerin ist, so dass ich das Gefühl haben kann, die
beste CD des Jahres nebenan wohnen zu haben....Diese Musik kann man nicht
beschreiben, das ist einfach super - ein Hit nach dem anderen auf ihrer
Platte, die man sich unbedingt anhören sollte!
Márta Sebestyén natürlich oder die Rockoper ´´István
a király´´ wären als Einflüsse noch zu nennen...
András: ...Einen muß ich unbedingt noch erwähnen: Miles Davis, der, wie ich finde, größte Bandleader der amerikanischen Musikgeschichte, allein seine beeindruckende Spontanität und unglaubliche Live-Präsenz... Ich hattte das große Glück, ihn 1984 bei einem Festival in Australien zu sehen - Wahnsinn!