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Melodie & Rhythmus 2/1985 |
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| Notizen zum ersten JESSICA - Jahr |
| Alexander Lehmberg |
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Wenn diese Zeilen erscheinen, sitzen und schwitzen Ralf, Andre, Tino, Olaf und Janek irgendwo mitten im kalten Winter und machen sich heiße Gedanken um ein neues Konzertprogramm. Probenlager nennen sie es, dies Sich - Mal - Zurückziehn, um Neues auszuprobieren und über Vorangegangenes nachzudenken. |
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Presse, Funk und Fernsehen
haben `s ausführlich berichtet: JESSICA war die beliebteste Amateurband
des Jahres `84. Das stand schon fest, als es die Band gerade erst ein
knappes Jahr gab - im Dezember 1984. Ein ungewöhnlich, schneller Erfolg,
der die fünf Berliner Musikanten ganz schön überraschte und erstaunte,
denn "wir hatten eigentlich gedacht, das eine Gruppe, die man schon
länger kennt, diesen Titel bekommen würde. Wir wollen und gern noch mal
bei allen bedanken, die für JESSICA stimmten." In der Umfrage von "Junge Welt" und Radio DDR gab es immerhin 114 genannte Gruppen und von den rund 28 000 Zuschriften setzten die meisten JESSICA auf Platz 1. Überhaupt die JESSICA - Fans, sie haben einen engen Kontakt zu ihrer Band. Jeden Tag gibt es Postberge, oft Zeilen, die nicht nur ein Autogramm wollen. Da findet Tino Eisbrenner manche Anregung für die JESSICA Texte. Anfangs unbewusst - inzwischen eine notwendige Resonanz, denn, so sagt Tino: "ich will über das singen, was zum Über - sich - Nachdenken anregt im Verhältnis zur Umwelt, zu anderen Menschen." |
Ein gutes Beispiel sicherlich "Bring mir die Sonne", jener Titel, in dem JESSICA im Zwiegespräch mit dem Tag all jene nachdenklich machen möchte, die eben noch zu sehr "in den Tag hinein leben, jene passiven Typen, die sich nur für den Fernsehfeierabend interessieren, also die Leute, die nichts bewegt und die selbst nichts bewegen."
Premiere hatte dieser Titel übrigens beim Nationalen Jugendfestival Pfingsten `84 vor 100 000 jungen Leuten auf dem Berliner Marx - Engels - Platz in einer Originalübertragung des Jugendfernsehens." An diesen Sonnabendabend denken wir gern zurück, solche Stimmung hatten wir noch nie erlebt, das war aufregend, anregend und natürlich auch Verpflichtung für neue Titel", meint Ralf.
Andere Ereignisse, die die Gruppe forderten und formten, sollten nicht unerwähnt bleiben. Da wäre die erste Titelproduktion im Tonstudio Kagel im Dezember `83, das erste Mal "rund" mit "Ich suche einen Traum", der 1. Platz in der "Notenbude" von Stimme der DDR mit "Ich beobachte dich", das erste Live - Konzert, die FDJ - Werkstattwoche der Jugendtanzmusik in Suhl mit einem Sonderpreis für JESSICA, die gemeinsamen Konzerte mit Roger Chapman, die ersten Produktionen im Funk, die Zusammenarbeit mit den Komponisten Thomas Natschinski und Peter Gotthard bei der Produktion von Filmmusiken, der "Berliner Knüller" mit der Auszeichnung als Amateurband `84 und ...
Dieses Jahr ist JESSICA bei "Rock für den Frieden" dabei, ein paar Lieder werden auf einer neuen "Kleeblatt" - LP zu hören sein, im Sommer steht eine große Ostsee - Tournee auf dem Plan und im Juli eine Tour durch die Ungarische Volksrepublik.
All das kommt natürlich nicht so nebenbei daher. Die Band hatte beim ungewöhnlichen Start 1983 - die englische TV - Sendung "tube" stellte als Beispiel für guten DDR - Rock - Nachwuchs, um den man sich hierzulande behutsam kümmert, JESSICA per Film vor - bereits einen Fördervertrag mit dem Berliner Haus für Kulturarbeit, wenig später auch einen Mentor und recht schnell und unkompliziert auch Produktionen und erste Fernsehauftritte.
Nun ist er also da, jener Erfolg, der ja bekanntlich verpflichtet. Fest steht, das vor allem das junge Publikum in der Bewertung kaum einen Unterschied zwischen den Klängen von Amateurgruppen und Berufsformationen macht. Und das wissen Ralf Böhme (keyb), Andre Drechsler (g), Tino Eisbrenner (voc), Olaf Becker (dr) und Janek Skirecki (bg) inzwischen genau, denn mit den hohen Ansprüchen des Publikums werden sie immer konfrontiert, wenn sie im Konzert auf der Bühne stehen.
Unterschiede zu Berufsformationen hört und sieht man da durchaus noch, weniger in einzelnen Liedern als in der Konzeption des gesamten Programms. Da will das "Kleine Rock - Kollektiv", wie sich die fünf selbst manchmal bezeichnen, künftig noch mehr Kraft und Ideen investieren. Der Anfang wird dieser Tage gemacht.