Karat Presse 2005

Sächsische Zeitung 29.11.2005

Küss mich munter wenn ich sterbe

Zum 30. Geburtstag von „Karat" gibt's ein Album mit vielen Hits, letzten Liedern von Herbert Dreilich und Ärger um den Namen.

Oliver Reinhard

Vor und nach dem irdischen Leben gibt es kein irdisches, aber doch ein Leben" - wenn es stimmt, was der Dichter Jean Paul schrieb, dann darf man sich für den am 12. Dezember 2004 verstorbenen „Karat"-Sänger Herbert Dreilich gleich mitfreuen, dass zehn bislang unveröffentlichte Lieder, die er im letzten irdischen Lebensjahr geschrieben und eingesungen hatte, jetzt doch noch seine Fans erreichen: auf dem Doppelalbum „30 Jahre Karat", erschienen zum Bandjubiläum.

Die erste CD vereint die größten Hits von „König der Welt" über „Der blaue Planet" und „Über sieben Brücken" bis zu „Wo bist du". Das bewegendste Erlebnis aber ist das zweite Album. Produziert hat es Peter Keller, Gitarrist von Peter Maffay. „Herberts großer Wunsch war es, einmal mit Maffays Band zusammenzuarbeiten", erzählt Keller. „Zu seinen Lebzeiten klappte es wegen seiner Krankheit nicht mehr. Jetzt haben wir seinen Wunsch erfüllt." Es sei eine sehr schöne und intensive Arbeit gewesen. „Zugleich ging diese Produktion mit einem toten Künstler uns allen psychisch sehr an die Substanz." Das kann man beim Hören nachfühlen.

Die vom Karat-Kopf komponierten, aber nicht mehr aufgenommenen Lieder werden von Peter Maffay, Thomas Natschinski und Petra Zieger gesungen. Sie tun es mit viel Einfühlungsvermögen und erreichen doch nicht annähernd die Wirkung wie Herbert Dreilich selbst.

Von der Krankheit gezeichnet, atemlos, brüchig, aber ungebrochen klingt seine Stimme. Sie erzählt auch von der Ehrlichkeit eines Menschen, der weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, mit letzter Kraft sein Letztes gibt und bis zuletzt am Leben hängt:. „Heute lachen, morgen Tränen, heute blind und morgen sehn. Jeder Tag kann so viel geben, Leben ist einmalig schön", singt er.

Und „Küss mich munter, wenn ich sterbe, bis ich mich dann wieder spür" in „Zeit der Gewinner.

Apropos Gewinner: Es wäre interessant zu wissen, was Dreilich zum momentanen Gezerre zwischen seinem heute bei Karat singenden Sohn Claudius und Witwe Susanne sagen würde. Die hat nämlich - warum auch immer - der Band untersagt, weiter den Namen Karat zu tragen. Den hatte Dreilich selbst - warum auch immer - ins Register eintragen lassen und seiner Frau dann „vererbt". Vielleicht meinte  er ja dies , als er im letzten Jahr sang: „Was ich da im Traum getan, war nicht wirklich ich.“