Karat Presse 2007

Freies Wort  28.06.2007

Mario Keim

SUHL – Die Musiker von Karat hatten am 20. Juni im denkmalgeschützten Sendesaal 1 des ehemaligen DDR-Rundfunkstudios Berlin vielen Gratulanten. Tags zuvor hatte das Landgericht entschieden, dass sich die Band fortan wieder „Karat“ nennen darf. Dabei galt das Interesse an diesem Tag doch eigentlich der CD „Ost-Rock in Klassik“. Stars der Rock- und Popszene aus dem Osten, darunter die Puhdys, Silly, Ute Freudenberg und Veronika Fischer, steuerten ihre besten Hits bei und spielten diese mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg ein. Die gleichnamige CD mit 17 Stücken ist seit letztem Freitag im Handel. Gemeinsam gehen die Künstler nun auf Tour. Wir sprachen über das Projekt und die Band mit Karat-Sänger Claudius Dreilich und Gitarrist Bernd Römer. 

Zwei Karat-Stücke, „Der Blaue Planet“ und „Albatros“, sind unter Mitwirkung des Deutschen Filmorchesters Babelsberg in klassischem Gewand erschienen. Warum hat sich vor dieser CD noch niemand an ein solches Vorhaben getraut, zumal die Hits von Karat an sich schon Klassiker sind?

Bernd Römer:  Der „Albatros“ wurde schon während der Uraufnahme mit klassischem Orchester eingespielt, für uns also nichts Neues. Das Besondere an der Produktion „Ostrock Klassik“ aber ist, dass neue Orchesterstimmen dazu arrangiert wurden, die unsere beiden Liedern „Blauer Planet“ und „Albatros“ eine wunderbare neue Stimmung verleihen.

Claudius Dreilich:  Es gab schon diverse Konzerte zum 25-jährigen Geburtstag mit dem Deutschen Filmorchesters Babelsberg. Davon ist auch eine DVD produziert worden. Die Idee zu dem aktuellen Projekt ist im vergangenen Jahr auf dem Gendarmenmarkt geboren worden, als wir ebenfalls mit einem Orchester gespielt haben, unter anderen mit den Puhdys, City, Ute Freudenberg und Dirk Michaelis. 

Sind Sie während der Produktion nicht auf den Geschmack gekommen, demnächst mal eine eigene Klassik-CD zu produzieren?

Bernd Römer:  Das Problem daran ist, dass die Kosten für Studioproduktionen mit Orchestern dieses Ausmaßes wesentlich höher sind als normale Produktionen. Deshalb geht ein großes Dankeschön an Klaus Koch von „Buschfunk“, der dieses einmalige Projekt ermöglichte. 

Viele der Lieder von Karat sind vom langjährigen Komponisten und Keyboarder Ed Swillms komponiert worden. War er bei der aktuellen Produktion von „Ostrock in Klassik“ dabei?

Claudius Dreilich:  Er war natürlich bei der Produktion dabei und wird uns auch während der Tour mit den anderen Künstler begleiten, was für uns natürlich ein Glücksfall ist und für das Publikum ebenfalls.

Bernd Römer:  In diesen Stücken steckt schließlich Ed‘s Seele. Deshalb geht er mit uns auf Tour, wie er auch bei keinem Produktionstermin fehlte. 

Am 13. Juli tritt Karat am Stausee Hohenfelden mit den anderen Stars von Ost-Rock-Klassik auf. Ohnehin scheint es eine enge Verbindung mit Thüringen zu geben – seit über zehn Jahren gibt es die jeweils ersten Auftritte eines Jahres im Erfurter „DasDie“. Haben Sie eine besondere Beziehung zu diesem Landstrich?

Bernd Römer:  Erfurt ist meine über alles geliebte Heimatstadt. Logischerweise ist jeder Auftritt in meiner Heimat etwas ganz Besonderes. Nachdem wir drei Mal unseren jährlichen Tourneeauftakt im „DasDie“ bestritten, und wir in dieser fast familiären Atmosphäre traumhafte Konzerte erlebten, beschlossen wir, dies zur Tradition zu machen. Sie hat sich bis heute nicht verbraucht. Ein Dank an das gesamte DasDie-Team. 

Wenn Karat alleine auftritt, sagen sich nicht wenige Fans unterschiedlichen Alters, die Band sei mit Claudius Dreilich rockiger geworden. Wie sehen Sie das selbst?

Bernd Römer:  Auf jeden Fall. Claudius ist im Schnitt zwanzig Jahre jünger als wir und macht uns ganz schön Dampf, was mir persönlich sehr entgegen kommt. Wobei man nicht vergessen darf, dass Herbert in den letzten Jahren durch seine schwere Krankheit auf der Bühne arg gehandicapt war und wir uns als Band natürlich auf ihn eingestellt haben und ihn unterstützten.

Claudius Dreilich:  Natürlich muss es hier Unterschiede geben. Ich bin zwar voller Stolz der Sohn von Herbert Dreilich, aber ich bin nicht auf die Bühne gegangen, um ihn zu kopieren. Es ist eine wirkliche Ehre für mich, dass ich es sein darf, der diese Nachfolge antreten durfte und heute mit dieser wunderbaren Musik die Menschen gemeinen mit meinen Kollegen unterhalten darf. 

Wann gibt es endlich eine solche mit neuen Produktionen?

Claudius Dreilich:  In den vergangenen zwei Jahren war es unsere Hauptaufgabe, uns so gut wie möglich auf das Konzertgeschehen zu konzentrieren, da das für mich völlig neu gewesen ist. Unter dem Bandnamen Karat wird es aber eine neue CD geben. Zur Zeit verstehen wir uns in einer kreativen Phase, an der im übrigen auch Ed Swillms mitarbeitet. Man darf also gespannt sein

Bernd Römer:  Nach der Produktion unserer Songs für die Klassik-CD und unserem Prozesstermin um den Bandnamen am Dienstag dieser Woche werden wir erstmal kräftig Luft holen und uns vorrangig auf unsere Live-Auftritte konzentrieren. Parallel wird natürlich am eigenen Album gearbeitet.

Dafür sind die alten Stücke noch immer sehr gefragt. „Über sieben Brücken musst Du gehn“ schaffte es 2005 bei den „Jahrhundert-Hits“ im ZDF auf Platz 2, hinter Wind Of Change von den „Scorpions“. Für viele Karat-Fans ist „Albatros“ der Favorit. Welche Titel mögen Sie am liebsten?

Bernd Römer:  Meine Favoriten sind ganz klar „Der blaue Planet“ und „Albatros“. Was die Klassik- Produktion noch bestärkt hat.

Claudius Dreilich:  Es ist wirklich sehr schwer, einen Favoriten auszusprechen, da ich mit so vielen Songs verbunden bin. Der „Albatros“ ist sicherlich ein großartiges Werk, das jedes Mal auch live für mich eine sehr emotionale Sache ist. Aber „König der Welt“ oder die „Abendstimmung“ sind ebenso phantastisch.