Karat Platten Rezension

Rezension Neues Leben  3/1987

Wolfgang Martin

 

Auf einer früheren LP von Karat gab es schon das „Narrenschiff“ auf der neuen Karat – Scheibe nun eine „Narren – Galerie“, der Titel „In deiner Galerie“.

Und wie es scheint, ein immer wieder reizvolles Thema, das zu immer neuen Variationen verführt. Es taucht bei den großen Dichtern der Weltliteratur ebenso wie bei den Rock – Poeten unserer Tage auf.

Auch musikalisch verfolgt dieser Titel eine Traditionslinie; nur ist diese nicht so alt. Und ich akzeptiere sie genauso, denn sie führt zu einem wichtigen Quell der gesamten Rockmusik und heißt in einem Gruppennamen „Rolling Stones“. „In meiner Galerie“ ist für mich der Top – Song auf der neuen Karat – LP, auf Position zwei gefolgt von mehreren Liedern zu gleichen Anteilen. Karat neu – und dennoch anknüpfend an Früheres.

Keine Überfrachtung der Sounds mehr, viel Raum für Melodik und Harmonik in abwechslungsreichen Arrangements, die allen Instrumentalisten ein variationsreiches Spiel ermöglichen.

Die letzte Karat Studio – LP („Die sieben Wunder der Welt“) wurde vor gut zwei Jahren veröffentlicht und musste sich einige Kritik gefallen lassen. Zwei Jahre, die also nicht nur zu personellen Veränderungen geführt haben?

Die Platte gibt eine positive Antwort, mit ihren einfachen, schlichten Balladen / Liedern ebenso wie mit sehr rockigen Stücken. Bewegung gibt es immer dann, wenn völlig unterwartete Stil – Zitate von Blues bis Zydeco die Lebendigkeit heutiger Karat – Musik betonen.

Im Zentrum des Instrumentariums stehen die Keyboards, mit dem Hauptkomponisten Ed Swillms und Thomas Kurzhals doppelt besetzt. Dennoch wurden sie sparsamer eingesetzt als in mach früherem Song, was zum Vorzug gereicht.

Auch der Einsatz von Gitarre (Bernd Römer), Bass (Christian Liebig) und Schlagzeug (Michael Schwandt) lassen uns wissen, das da kreative Musiker ans Werk gegangen sind, die nicht alles den Computern – und auch nicht nur denen, die sie bedienen können – überlassen.

Davon hat die Rockmusik ja gegenwärtig genug zu bieten.

Das sich Karat dennoch um Perfektion im Sound und damit im gesamten Produktionsstandard bemüht hat, ist sie ihrer auch international enormen Popularität schuldig.

In einigen Stücken gibt es für Herbert Dreilich als Leadsänger Unterstützung von Gastsolisten wie Mike Kilian im Titelsong „Fünfte Jahreszeit“, der die extremen Höhen stimmlich scheinbar mühelos erklimmt. Toni Krahl ist in der „Narren – Galerie“ mit von der Partie, und Tamara Danz leistet – im Part der zweiten Stimme – Gesellschaft in dem engagierten Lied „Glocke 2000“, mit dem sich Karat erneut zum wichtigsten Thema unserer Zeit, der Friedenssehnsucht der Menschheit, bekennt.

Die meisten Texte sind wieder vom Stamm – Autor Norbert Kaiser. Mit „Der Liebe Fluch“ erinnert Herbert Dreilich als Autor und Interpret sogar an Vor – Karat – Zeiten.

Alles in allem eine gelungene LP mit vielen Hit – Chancen und der Garantie, das mit Karat nach dieser etwas längeren Pause erneut und sehr nachdrücklich zu rechen ist.