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„Cafe Anonym“, so
nennt sich das `87er Schallplattenopus der Leipziger Gruppe
„Karussell“ – komplett im Rundfunk produziert und fast aus einem Guss.
Einzige Ausnahme vielleicht der Titel „Ab und zu“.
In letzter Zeit
hatte es ja bei der Band eine ganze Reihe personeller Veränderungen
gegeben, die auch musikalisch – stilistische Konsequenzen nach sich
zogen. Und obgleich Karussell erfreulicherweise eigene
Traditionslinien nicht verleugnet, muss sich der `87er Platten –
Rezensent dennoch ganz offen den Veränderungen stellen, die eine solch
langjährig erfolgreiche Gruppe – und das ganz sicher nicht ohne Risiko
– mit jüngeren Musikern, neuem Konzept und Texter vornimmt.
Ich gebe zu, dies
erst nach ungefähr dem dritten Anhören der neuen Karussell - LP für
mich ganz begriffen zu haben. Und seitdem gefällt sie mir mehr und
mehr. Musikalisch hat Karussell aufwendiger gearbeitet, als auf den
letzten Platten; Besonderheiten in ihren Arrangements und Sounds bis
ins Detail ausgefeilt. Künstlerische Arbeit bedeutet nicht
automatisch, mit jedem neuen Werk auch neue Maßstäbe zu setzen oder an
einstige Erfolge anzuknüpfen. Trotzdem denke ich, das Karussell es mit
einigen Liedern schaffen könnte.
Zwei Beispiele sind
Anfang und Ende der Platte; der erste Song das bisher härteste
Karussell – Stück und der letzte Titel ihr vielleicht schönstes Lied
überhaupt. Ein Liebeslied, allerdings eines, das den wehmutsvollen
Abschied von einer Liebe zum Inhalt hat. Und spätestens hier muss
geschrieben werden, das sich mit dieser LP der neue Karussell –
Dichter Michael Sellin in der nicht allzu üppigen Riege unserer
landesbesten Text – Autoren etabliert haben dürfte. Ich kenne Zeilen
von ihm, die jene von Karussell umgesetzten in ihrer Substanz und
poetischen Qualität noch übertreffen.
Aber immerhin macht
Karussell nachdenkenswerte Angebote mit ganz unterschiedlichen
Stimmungsbeschreibungen. Da sind zum Beispiel die „Riesengroßen
Herzen“, eine musikalische Nummer Eins der Platte mit einem Text, der
genaues Hinhören und Überdenken erfordert. Hat man sich dieser (vielleicht) Mühe unterzogen, bieten die Zeilen schon manch
bedenkenswertes für das eigene Leben.
Und nicht jeden Tag ist eitel Sonnenschein, also auch mal das
„Katzenjammer - .Ballett“ am Sonntagabend. Da schlürft dann auch noch
ein Saxophon durch den Song, das es einem gleich ein ganzes Seufzer –
Orchester entlockt.
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