05.11.2007  Berlin - Spreefalter

 
Konzerte Bericht Thomas ... vielen Dank  
 

Eigentlich war der Besuch dieses Konzerts unter der Rubrik ´´just for fun´´ eingetütet, gibt es doch das Wesentliche - zumindest der eigenen Wahrnehmungs-Essenz - schon hier, da & auch dort nachzulesen, warum also nicht auch mal die Backen halten und nur genießen statt erneut labernder Weise der Hybris zu erliegen = wieder einmal auf´s Neue die Quadratur des Kreises (Musikvermittlung per nachträglicher Beschreibung ) anzugehen und somit wider den Stachel von Madame Nemesis zu löcken - hoffen wir also auf deren altersweise Milde; üblen von der wir jedoch noch völlig unbeleckt sind im eigenen Tun und Lassen, so dass wir uns gleich der sogenannten Vierten Macht im Staate mittels Lobpreisung(en) der unchristlichen Art zuwenden können (wovon deren Vertreter garantiert ´´schwer beeindruckt´´ sein werden). 

  Entweder werden Konzerte dieser Coleur ( und deren Ankündigung) schlichtweg ignoriert - da hilft auch kein persönliches Erscheinen in den redaktionellen Elfenbeintürmen - oder man legt die Anfangszeiten nach eigenem Gutdünken fest wie z.B. in jenem Stadtmagazin, dessen Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe die Vermutung provoziert, dass deren leib-haftige Auswirkungen für die Gesundheit im Allgemeinen eher abträglich, der Förderung der Legasthenie im Speziellen aber schon hilfreich sind; vielleicht gab es aber einfach auch nur keine ´´19´´ mehr im Setzkasten...
So trudelten gut zwei Dutzend Spreefalter-Afficionados erst gegen Ende des ersten Teils ein und waren alles andere als ´´amused´´ über ihr unverschuldetes Zuspätkommen.
Doch in der Reaktion auf diesen ´´Sachverhalt´´ erwies sich die mehrdimensionale Maxime des Kulturagenten - ´´Wir kultivieren die Stadt´´ - erneut als deckungsgleiche Übereinstimmung von ´´Theorie & Praxis´´; kurzerhand ward der zu löhnende Eintrittspreis halbieret und Spreefalter(ns) selbst widerlegten Gorbatschows These von den üblen Folgen der Trödelei mittels Bonustracks: Die Wiederholung eines Teils ihres Repertoires der ersten Stunde ...

Selbiges bestand zum überwiegenden Teil aus Titeln ihrer demnächst erscheinenden Live-CD, deren exclusive Vorauflage man an Ort & Stelle erwerben konnte, wovon zahlreiche Konzertbesucher - querbeet durch die Generationen und sozialem ´´Standing´´ - ebensolchen Gebrauch machten. Darauf enthalten einige Titel, die durchaus in heavy rotation bei den Radiostationen laufen könnten, hätten letztere Format statt Formatierung als Credo und allumfassende Bildung an Stelle von universeller Verblödung in ihrem Sendeauftrag.
Seien es nun ´´Das Pokerspiel´´, ´´Ist der Zirkus mal verschwunden´´ - beide aus der anscheinend nie versiegenden Text- und Kompositionsquelle von Spiritus Rector Götz Lindenberg, den, wäre ´´die Welt´´ nur etwas gerechter , jene in einem Atemzug mit seinem panischen Namensvetter  zu nennen wüßte - Suzannas Erstling ´´Pennerlied´´ oder das ihr von KarstenTroyke auf den Leib und in die Seele maßgeschneiderte ´Berlin´´ und und und...
Die Frontfrau wie gewohnt souverän agierend mit ihren unverwechselbaren stimmlichen Qualitäten, changierend von der Diseuse über die ´´Berliner Göre´´ zur Femme fatale und wieder zurück und noch ganz woanders hin, von den schauspielerischen Qualitäten gar nicht erst zu reden und so manch Spreefalter-Konzert-Novizem stockte allein beim Anblick Suzannas der Atem - als er diesen dann wieder ausblies, beschlugen gar die noch nicht einmal angefertigten Brillengläser späterer Tage und auch der Oberhirte untermauerte unseren Verdacht, dass ´´Kirchens´´ den weltlichen Genüssen schon längst mehr zugetan sind ´´als wie´´ es ihnen ihr großes Lebensanleitungsbuch zugesteht...
Was dem Berliner Quintett gewiß auch noch reichliche Sympathie-Punkte einbringt, ist - neben dem unüberseh- und -hörbaren Spass an der Arbeit - die so völlig undeutsche (und unbiblische) Gabe der Selbstironie, sollte man doch hierzulande ´´sein Brot´.. usw. usf.,  beharrt nicht nur der Psychopath von nebenan im brüderlichen Schulterschluß mit dem Neurotiker von untendrunter, dass des Lebens Arbeit Pflicht und Mühsal sei und bestenfalls ´ne Ecke im Keller zum gelegentlichen Spaß an der Freud´ tauge.
´´Keinen Platz also auch nicht´´ in diesem hermetischen Weltbild gäbe es da für den begnadeten Komödianten Pan Mareck, für den ohnehin alles Resonanzkörper ist, was in seiner Reichweite oder ihm im Wege steht, sei es nun ein metallener Kerzenständer, das eigene Mobiltelefon oder die Schuhsohlen des im Liegen klarinettierenden Jan `der Hammer´-Hermerschmidt - die Welt ist Klang, das haben sie immer schon gewußt.
Der oft beschönigende und inflationär verwendete Terminus vom Ganzen, welches ist mehr ist als die Summe seiner Teile - hier trifft er es tatsächlich. (Bei solch überbordender Improvisationskunst & -lust war  auch so manch Vertreter der Flinke-Linse-Fraktion schlichtweg überfordert, muß doch die Kamera, die selbsttätig die spannendsten Momente einfängt und auf Dauer verewigt, erst noch erfunden werden.)
Special Guest des Abends war Toto (Cotugno inkognito), welcher sich nicht immer harmonisch ins Ensemblespiel einfügte und der - noch am Anfang seiner Karriere stehend - mitunter regelrecht diverse Starallüren raushängen ließ, vielleicht aber braucht man das noch in diesem Alter...
Und um halbwegs die sprachbildliche Kurve zu dem am Anfang benannten Orte des gestrigen Geschehens und dessen ethischer Ausrichtung zu kriegen, appellieren wir an die zumindest rudimentär erhaltenen Reste von protestantischer Pflicht und gehorsamen Glauben und ´´aposteln´´ zwei weitere Gebote:

1. - und also 11. : Du sollst die Spreefalter-CD nicht nur kaufen, sondern auch hören!

2. = 12. : Du sollst zum Zeitpunkt eines Spreefalter-Konzerts keine Termine neben diesem haben!

Die nächste Gelegenheit, vom rechten Glauben Zeugnis zu geben, wird rechtzeitig verkündet, doch um das Abfallen von eben jenem zu vermeiden, sollte man sich dieseTermine schon mal ins persönliche (Berliner) Gebetbuch eintragen:

11.11.2007 --- Pan Mareck, L. & A. Krupsky -- Passionskirche

12.11.2007 --- Suzanna --- Martin Luther Kirche

25.11.2007--- Pan Mareck, A. & L. Krupsky -- Passionskirche

26.11.2007 -- Suzanna --- Stadtbibliothek  Berlin-Mitte

07.12.2007 --- Pan Mareck & Forszpil ---- Passionskirche

P.S.: Und wer nun meint, wir haben da bewußt und böswilliger Weise einen entscheidenden Akteur namentlich und lobpreisend unterschlagen, sündigt gar schwer mit diesem Verdacht. Denn wer uns - per Müller-Prinzip - diesen mitsamt seines Arbeitsgerätes mitteilt, kann schon mal zwei Freitix für das nächste livehaftige Flügelschlagen sein Eigen nennen...