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Eigentlich war der Besuch
dieses Konzerts unter der Rubrik ´´just for fun´´ eingetütet, gibt es doch
das Wesentliche - zumindest der eigenen Wahrnehmungs-Essenz - schon
hier,
da & auch
dort nachzulesen, warum also nicht auch mal die Backen halten und nur
genießen statt erneut labernder Weise der Hybris zu erliegen = wieder einmal
auf´s Neue die Quadratur des Kreises (Musikvermittlung per nachträglicher
Beschreibung ) anzugehen und somit wider den Stachel von Madame Nemesis zu
löcken - hoffen wir also auf deren altersweise Milde; üblen von der wir
jedoch noch völlig unbeleckt sind im eigenen Tun und Lassen, so dass wir uns
gleich der sogenannten Vierten Macht im Staate mittels Lobpreisung(en) der
unchristlichen Art zuwenden können (wovon deren Vertreter garantiert ´´schwer
beeindruckt´´ sein werden).
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Entweder werden Konzerte dieser Coleur ( und deren Ankündigung) schlichtweg
ignoriert - da hilft auch kein persönliches Erscheinen in den redaktionellen
Elfenbeintürmen - oder man legt die Anfangszeiten nach eigenem Gutdünken
fest wie z.B. in jenem Stadtmagazin, dessen Titelgeschichte der aktuellen
Ausgabe die Vermutung provoziert, dass deren leib-haftige Auswirkungen für
die Gesundheit im Allgemeinen eher abträglich, der Förderung der Legasthenie
im Speziellen aber schon hilfreich sind; vielleicht gab es aber einfach auch
nur keine ´´19´´ mehr im Setzkasten...
So trudelten gut zwei Dutzend Spreefalter-Afficionados erst gegen Ende des
ersten Teils ein und waren alles andere als ´´amused´´ über ihr
unverschuldetes Zuspätkommen.
Doch in der Reaktion auf diesen ´´Sachverhalt´´ erwies sich die
mehrdimensionale Maxime des
Kulturagenten - ´´Wir kultivieren die Stadt´´ - erneut als
deckungsgleiche Übereinstimmung von ´´Theorie & Praxis´´; kurzerhand ward der
zu löhnende Eintrittspreis halbieret und
Spreefalter(ns) selbst widerlegten Gorbatschows These von den üblen
Folgen der Trödelei mittels Bonustracks: Die Wiederholung eines Teils ihres
Repertoires der ersten Stunde ... |
Selbiges bestand zum überwiegenden Teil aus Titeln ihrer demnächst
erscheinenden Live-CD, deren exclusive Vorauflage man an Ort & Stelle
erwerben konnte, wovon zahlreiche Konzertbesucher - querbeet durch die
Generationen und sozialem ´´Standing´´ - ebensolchen Gebrauch machten.
Darauf enthalten einige Titel, die durchaus in heavy rotation bei den
Radiostationen laufen könnten, hätten letztere Format statt Formatierung als
Credo und allumfassende Bildung an Stelle von universeller Verblödung in
ihrem Sendeauftrag.
Seien es nun ´´Das Pokerspiel´´, ´´Ist der Zirkus mal verschwunden´´ - beide
aus der anscheinend nie versiegenden Text- und Kompositionsquelle von
Spiritus Rector Götz Lindenberg, den, wäre ´´die Welt´´ nur etwas gerechter
, jene in einem Atemzug mit seinem panischen Namensvetter zu nennen wüßte -
Suzannas Erstling ´´Pennerlied´´ oder das ihr von
KarstenTroyke auf den Leib und in die Seele maßgeschneiderte ´Berlin´´
und und und...
Die Frontfrau wie gewohnt souverän agierend mit ihren unverwechselbaren
stimmlichen Qualitäten, changierend von der Diseuse über die ´´Berliner
Göre´´ zur Femme fatale und wieder zurück und noch ganz woanders hin, von
den schauspielerischen Qualitäten gar nicht erst zu reden und so manch
Spreefalter-Konzert-Novizem stockte allein beim Anblick Suzannas der Atem -
als er diesen dann wieder ausblies, beschlugen gar die noch nicht einmal
angefertigten Brillengläser späterer Tage und auch der Oberhirte
untermauerte unseren Verdacht, dass ´´Kirchens´´ den weltlichen Genüssen
schon längst mehr zugetan sind ´´als wie´´ es ihnen ihr großes
Lebensanleitungsbuch zugesteht...
Was dem Berliner Quintett gewiß auch noch reichliche Sympathie-Punkte
einbringt, ist - neben dem unüberseh- und -hörbaren Spass an der Arbeit -
die so völlig undeutsche (und unbiblische) Gabe der Selbstironie, sollte man
doch hierzulande ´´sein Brot´.. usw. usf., beharrt nicht nur der Psychopath
von nebenan im brüderlichen Schulterschluß mit dem Neurotiker von
untendrunter, dass des Lebens Arbeit Pflicht und Mühsal sei und bestenfalls
´ne Ecke im Keller zum gelegentlichen Spaß an der Freud´ tauge.
´´Keinen Platz also auch nicht´´ in diesem hermetischen Weltbild gäbe es da
für den begnadeten Komödianten
Pan Mareck, für den ohnehin alles Resonanzkörper ist, was in seiner
Reichweite oder ihm im Wege steht, sei es nun ein metallener Kerzenständer,
das eigene Mobiltelefon oder die Schuhsohlen des im Liegen klarinettierenden
Jan `der Hammer´-Hermerschmidt - die Welt ist Klang, das haben sie immer
schon gewußt.
Der oft beschönigende und inflationär verwendete Terminus vom Ganzen,
welches ist mehr ist als die Summe seiner Teile - hier trifft er es
tatsächlich. (Bei solch überbordender Improvisationskunst & -lust war auch
so manch Vertreter der Flinke-Linse-Fraktion schlichtweg überfordert, muß
doch die Kamera, die selbsttätig die spannendsten Momente einfängt und auf
Dauer verewigt, erst noch erfunden werden.)
Special Guest des Abends war Toto (Cotugno inkognito), welcher sich nicht
immer harmonisch ins Ensemblespiel einfügte und der - noch am Anfang seiner
Karriere stehend - mitunter regelrecht diverse Starallüren raushängen ließ,
vielleicht aber braucht man das noch in diesem Alter...
Und um halbwegs die sprachbildliche Kurve zu dem am Anfang benannten Orte
des gestrigen Geschehens und dessen ethischer Ausrichtung zu kriegen,
appellieren wir an die zumindest rudimentär erhaltenen Reste von
protestantischer Pflicht und gehorsamen Glauben und ´´aposteln´´ zwei
weitere Gebote:
1.
- und also 11. : Du sollst die Spreefalter-CD nicht nur kaufen, sondern auch
hören!
2.
= 12. : Du sollst zum Zeitpunkt eines Spreefalter-Konzerts keine Termine
neben diesem haben!
Die
nächste Gelegenheit, vom rechten Glauben Zeugnis zu geben, wird rechtzeitig
verkündet, doch um das Abfallen von eben jenem zu vermeiden, sollte man sich
dieseTermine schon mal ins persönliche (Berliner) Gebetbuch eintragen:
11.11.2007 --- Pan Mareck, L. &
A. Krupsky --
Passionskirche
12.11.2007 --- Suzanna --- Martin Luther Kirche
25.11.2007--- Pan Mareck, A. &
L. Krupsky -- Passionskirche
26.11.2007 -- Suzanna ---
Stadtbibliothek Berlin-Mitte
07.12.2007 --- Pan Mareck &
Forszpil ---- Passionskirche
P.S.:
Und wer nun meint, wir haben da bewußt und böswilliger Weise einen
entscheidenden Akteur namentlich und lobpreisend unterschlagen, sündigt gar
schwer mit diesem Verdacht. Denn wer uns - per Müller-Prinzip - diesen
mitsamt seines Arbeitsgerätes mitteilt, kann schon mal zwei Freitix für das
nächste livehaftige Flügelschlagen sein Eigen nennen... |