Silly Konzert 09.02.2007  Jena

09.02.2007 Jena  Silly & Anna Loos  (1)

Konzerte

Bericht und Fotos Mario Keim

Silly

 

  Anna Loos im Interview

 

Prickelnde Silly-Klassiker in neuem Gewand

Elektroakustik-Tour mit Sängerin Anna Loos ist ein Gewinn für die Fans


JENA.   Silly-Fans mögen nicht nur die leisen Töne. "Sie klingen immer noch sehr rockig", beruhigt Kerstin Grottker, die viel beschäftigte Frau hinter dem Verkaufsstand mit CD's und T-Shirts. Sie muss es schließlich wissen. Ihr Bruder Jäcki Reznicek zupft seit 1986 den Bass bei Silly und ist einer von drei Musikern, die das Unternehmen Silly weiterhin auf Kurs halten möchten. Und dies mit Erfolg. Nach ausverkauften Konzerten wie zuletzt in Leipzig und Weinböhla bescherte die Elektroakustik-Tour auch dem Volkshaus in Jena einen voll besetzten Saal. "Noch vor einer Woche hatte ich richtige Angst, als wir nur 250 Karten verkauft hatten", berichtete Heidi Waldmann, die künstlerische Leiterin des Hauses. Mit Konzertbeginn waren fast alle 770 Stühle im Saal und auf dem Rang besetzt.
Apropos Stühle: "Heute haben die Besucher etwas länger gebraucht, ehe sie sich von ihren Sitzplätzen erhoben haben", hatte Kerstin Grottker in Jena beobachtet. Doch das lag scheinbar eher am Ambiente des altehrwürdigen Hauses und weniger an der Stimmungslage des Publikums.
Mit Neffen Sebastian Reznicek am Schlagzeug gehört ein weiteres Familienmitglied zur Band, der, so Sängerin Anna Loos, "den Geist von Silly schon mit der Geburt erhielt".
Anna Loos ist auf dem besten Weg, ein festes Mitglied der Silly-Familie zu werden. Eindeutig gehört ihre Vorliebe den Liedern jüngeren Datums, deren Texte Tamara Danz schrieb (Alben "Hurensöhne" und "Paradies"). Zu ihrem Lieblingslied erklärte sie "Wo bist du" aus dem Album "Paradies", welches schon Rosenstolz auf ihrer Tour 2006 spielten. Wie eng sich die Schauspielerin mit Gesangausbildung diesen Zeilen verbunden fühlt, hört man ihr auf der Bühne an. Den Gesangpart bei Silly meistert sie in Jena sehr souverän, schon allein deshalb, weil sie an diesem Tag "mit dem letzten Stück Stimme" erfolgreich einer Grippe trotzt.
Die Fans der Berliner Band kommen bei Titeln älteren Datums ebenso auf ihre Kosten. Nur einmal packen Uwe Hassbecker und Gast Reinhard Petereit gleichzeitig die Gitarren mit Verstärker aus und lassen es richtig krachen ("Alles wird besser"). Akustikgitarre, Akustikbass, Flügel und Cello, letzteres meisterhaft von Daniel Hassbecker bedient, umgarnen den Gesang bei "Mont Klamott" und "Bataillon d'amour". Den Zuschauern stehen bei diesem Hörerlebnis die Emotionen ins Gesicht geschrieben, Gänsehaut-Erlebnis inklusive. Ebenso packend ist die "Kleine Frau" arrangiert. Während "Bye, Bye" setzt sich Anna Loos anstelle von Ritchi Barton kurz an den Flügel und beweist, dass sie ein Multitalent ist.
"Musikalisch werden die Lieder auf unserer Tour fast auf ihre Essenz dezimiert, was ihre Qualität unterstreicht und zu sehr interessanten Arrangements geführt hat, so dass auch die für Silly-Fans bekannten Lieder eine neue Nuance bekommen", sagte die Sängerin und unterstreicht während des zweistündigen Konzertes eindrucksvoll ihre Aussage.
Anna Loos ist bei den Fans von Silly angekommen. "Und sie wird von Konzert zu Konzert besser", schwärmt Kerstin Grottker.