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Eastrock Symphony - Berlin 09.07.2007 |
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Konzerte |
Bericht: Jens / Fotos: Sandra ... vielen Dank |
Ostrock in Klassik |
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Am Abend mancher Tage ... |
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| Es sollte ein ganz besonderer Abend werden: hohe Erwartungen, große und lange Vorfreude auf Musiker und Lieder, mit denen wir aufgewachsen sind, das ganze in würdigem Ambiente auf dem Berliner Gendarmenmarkt – was soll da schon schief gehen ? | ||||||
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Pünktlichst 19.30 eröffnete das großartige Neue Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Prof. Bernd Wefelmeyer mit einer eigens für diesen Abend geschriebenen East Rock Ouvertüre, gespickt mit Zitaten diverser Rocksongs. Klasse ! Unterstützt übrigens von den Herren, die an diesem Abend ein großes Pensum absolvierten und vielen Kollegen musikalischen Rückenhalt gaben: Ecki Lipske ( electra ) an der Gitarre, der unübersehbare, langsam zum Allroundstar mutierende Bassist Alexander Prokop und an den Drums der Mann mit den scheinbar 8 Armen, Micha Behm ( beide Stern Meißen ) . Aber warum so verhalten, wunderte ich mich – naja, das war vielleicht als Opener so gedacht, das wird schon noch ... Was für ein Irrtum ! Habt ihr schon mal Beethovens 5. Sinfonie aus dem Kofferradio gehört ? Genießt ihr Musik mit Ohrstöpseln aus dem Formel-Eins-Umfeld ? So müßt ihr euch den gesamten Abend vorstellen !! Unfassbar ! Die Moderationen waren kaum zu verstehen, die klatschenden Nachbarn waren lauter als die Darbietung ... Lift begann mit „Am Abend mancher Tage“ – Werther Lohse mit deutlichen Problemen in den Höhen. „Nach Süden“ kam besser, die Orchesterversion war sehr interessant. Doch die Sound-Balance zwischen Band und Orchester stimmte nicht. Schade drum ! Dann fegte der ewig jugendlich schlanke Wirbelwind Petra Zieger auf die Bühne ( die Männer: oooh, die Frauen : wie macht die das bloß ? ) – da ging richtig was los. Aber auch hier: die Textverständlichkeit der Ansagen erforderte höchste Konzentration, im Titel war ihre Stimme zeitweilig weg, die Gitarre schien nur von den Marshalls der Bühne zu kommen. Doch Petra machte ihren Part gut, das schau ich mir mal separat an ! IC Falkenberg machte gut Miene zum bösen Spiel ( Zitat: man hat ja Demut gelernt ) – er durfte einen einzigen Titel spielen, und zudem noch einen aus der Stern-Zeit ( Dein Herz ). Was sollte das denn ? Der Mann hat ja nun wirklich mehr drauf, und auch mehr verdient ! Da war die Anmoderation ja fast länger als der Song. Als nächste durfte Dirk Zöllner ran, klar, mit Andre Gensicke am Piano, und dem „Käfer aufm Blatt“. Was braucht es mehr als eine unter die Haut gehende Stimme ? Scholle hat es wie immer in wenigen Minuten geschafft, dass ihm das versammelte Volk zu Füßen liegt. Nun enterten die restlichen Musiker der legendäre Stern Combo Meißen die Bühne und gaben ( was sonst ) den „Kampf um den Südpol“. Schon bei den Windgeräuschen und dem Temptation-Bass-Thema gabs Wiedererkennungsbeifall. Es folgte in absoluter Perfektion ein Ausschnitt aus dem „Weißen Gold“, das ich vor 2 Jahren beim Konzert von Stern mit dem Orchester des Theaters Cottbus für mich neu entdeckt habe. Das war für mich ein Highlight des Abends ! Unter großem Jubel erschienen Cäsar und seine Spieler (-innen) und gaben den „Apfeltraum“ – alles stand, sang, tanzte vor sich hin – in diesem Moment waren alle glücklich. Nur der Wettergott nicht – denn der beschloß, nun doch die Schleusen aufzudrehn und sie an diesem Abend nicht mehr zu schließen ... Und irgendwie kippte auch Cäsar, denn ausgerechnet „Halelujah“ wurde in der Orchesterfassung zu einer zähen, nicht endenwollenden Sache, schon komisch, schade. Nach der Pause wieder eine Orchester-Overtüre, alles immer noch viel zu leise. Und Holger Biege kam, mit viel Beifall willkommengeheißen. Schnelle Klavierläufe, sein Gesang kam stellenweise nicht hinterher, er intonierte seltsam maniriert 3 Lieder und verabschiedete sich weitauschweifend und voller Begeisterung : tschüß ! – Hä ??? Gerade Holger Bieges Kompositionen hätten sich wie kaum andere für eine orchestrale Umsetzung geeignet, auf den LPs hat ja auch eine Streichergruppe mitgewirkt. Oder ist Holger so unberechenbar in der Darbietung geworden ? Das war für mich der Tiefpunkt im Programm. Doch ich wurde sofort wieder rausgeholt. Jäckie Reznicek und Jürgen Ehle schlenderten mit ihren Instrumenten die Bühne und schon erklang aus aus dem weiten Rund des Gendarmenmarktes „Kille kille Pankow“ – jawoll: Andre Herzberg und seine Leute versprühten weißgott keine „Langeweile“ ! Ehle zeigte sich wieder mal als einer der besten Slide-Gitarristen der Szene, Herzberg spielte mit dem Publikum, und hier stimmte alles: durch das Orchester bekamen „Sehnsucht“ und „Gaby“ eine totale Aufwertung. Respekt, das war großartig, das hatte ich so nicht erwartet ! Das nächste Highlight: Hans die Geige im Duett ( oder Duell ? ) mit dem Geiger Yoshika Shibata. Der ist kein exotischer Nobody, im Gegenteil, er ist Künstlerischer Leiter, Erster Konzertmeister und ständiger Solist des Neuen Sinfonieorchesters Berlin. Mit unglaublicher Spielfreude demonstrierten die beiden Solisten die unterschiedlichen Möglichkeiten des Violine-Spielens. Herrliche Wechsel zwischen beiden Geigern im perfekten Zusammenspiel mit dem Orchester – grandios ! Mehr davon ! Der nicht endenwollende Beifall war lauter als der plätschernde Regen ... Special guest an diesem Abend: Thomas Natschinski. Da muss er erst auf die 60 zugehen, ehe man ihm die verdiente Würdigung zukommen läßt ! Normalerweise ruhig, besinnlich und lyrisch in seinen Liedern und Kompositionen fetzte er, begleitet von Band und Orchester, mit einem Mundharmonika-Solo über die Bühne. So kennt man den Mann sonst gar nicht. Ein Solo am Klavier mit einem Hinweis auf neue, eigene Lieder ging wiedermal durch die Technik fast völlig verloren, ich hab leider kaum ein Wort verstanden, so leise und undeutlich war das. Entschädigt wurden wir durch ein kurzes Medley seiner Kompositionen, angefangen mit der Mokka-Milch-Eisbar, über das zauberhafte „Ich lieb dich mehr und mehr“ bis hin zu seinem wohl schönsten Lied „ Berührung“ – gemeinsam vorgetragen mit Gaby Rückert. Und die Gänsehaut kam nicht nur von der nassen Kälte ... „Mampe Mampe“ rief es von unten, und ein weiterer glücklicher Mensch grüßte von der Bühne zurück. Genau, der letzte Act des Abends war electra. „Das kommt weil deine Seele brennt „ – kein anderer als Peter Mampe Ludewig kann diesen Song jemals machen, das wurde wieder nachdrücklich bewiesen. Stefan Trepte war leider nicht dabei ( schade, ich hätte gern auf der Bühne gehabt, meinetwegen auch als Pirat mit Krücke ), wie zum Geburtstagskonzert im Meissen sang Ex-Gitarrist Gisbert Koreng die anderen Solo-Parts. Eine lange Fassung vom Türkischen Marsch demonstrierte erneut das hohe musikalische und musikantische Können der Dresdener Barden. Gibt’s nix zu meckern ! Grande Finale: alle Mitwirkenden zelibrierten „Wer die Rose ehrt“ . Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten waren alle im selben Song und in der gleichen Tonart, und gaben einen würdigen Schlußpunkt für einen bemerkenswerten Abend. Was bleibt ? Ein denkwürdiges Konzert mit vielen schönen, unvergesslichen Songs in einer optisch attraktiven, für live-Konzerte dieser Art aber denkbar ungeeigneten Location. Auf mein Nachhaken wurde mir gesagt, es habe sehr strenge Auflagen gegeben , sowohl was den Zeitplan betraf ( jegliche Zugaben waren verboten, 23 Uhr war Dunkeltuten ), als auch eine dB-Begrenzung, die weit unterhalb von normaler Konzertlautstärke lag. ( Ich will ja gar keine Metall-Power, aber auch kein Hörgerät zum Konzert ). Dies alles tat sowohl der Begeisterung als auch der Entfaltung der musikalischen Schönheit deutlichen Abbruch. Die Klangvielfalt des Orchesters, die gewohnt filigranen Arrangements von Bernd Wefelmeyer kamen kaum zur Geltung, das grenzt schon an Undank vor der immensen Arbeit. Ich bin gespannt auf die Fortführung der Klassik-Umsetzung, werde mir aber definitiv einen anderen Veranstaltungsort aussuchen. Allen Beteiligten mein großes Dankeschön ! |
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