|
|
|||
| Dick
und fett kann man es auf dem Plakat, das dieses Konzert ankündigt, lesen:
"Stern-Combo Meissen - ROCK CLASSICS"! Grübel, grübel: bekommen wir hier nun
den klassischen Art-Rock aus den frühen Band-Jahren und ersten
LP-Veröffentlichungen geboten oder nur einige der Titel, die zu "Klassikern"
geworden sind, wie eben "Der Kampf um den Südpol", den "Frühling" oder "Die
Sage"? Dieses Grübeln hätte man sich getrost sparen können, denn es gab
beides und noch viel, viel mehr.
Und als ganz besondere Zugabe sollte die seit nunmehr 43 Jahren bestehende Band auf der göttlich geweihten Bühne der Dresdner Lucas-Kirche von jungen, klassisch geschulten Damen des Kammermusik-Ensembles Dresden mit den unterschiedlichsten Streich- & Holzblas-Instrumenten begleitet werden. Und ob Gott nun seine Hände im Spiel hatte oder nicht, was hier an "klassischer" Art-Rock-Musik am Abend des 10. März 2007 geboten wurde, war tatsächlich göttlich! Pünktlich um 21:00 Uhr begann das Konzert-Spektakel: Mussorgskys "Promenade" aus den "Bildern einer Ausstellung" eröffnet den Abend und ruft bei den vielen alten Fans der Stern-Combo, die zahlreich in der Lukas-Kirche erschienen sind, sofort die Erinnerungen an die alten Zeiten wach, in denen man die "Musikkapelle" (alter DDR-Begriff für "Band";-) heimlich die "Emerson Lake & Palmer der DDR" nannte. |
|||
![]() |
![]() |
![]() |
|
| Und
Mussorgsky bleibt auch beim zweiten Titel als Komponist erhalten. "Die Nacht
auf dem kahlen Berge" von der 1. Amiga-LP der Stern-Combo überzeugt bereits
jeden Zweifler davon, dass die "alten Hasen" ihre klassischen Adaptionen
noch mit der gleichen Faszination ihrer frühen Jahre erklingen lassen
können.
Zwar verzichtet man bei diesem Titel auf die
Gesangspassage, was ich ein wenig bedauerlich finde, aber der musikalische
Bombast sowie die spielerische Perfektion der Musiker entschädigt für das
Fehlen des kurzen, aber durchaus zu diesem Klassiker passenden Textes. Martin Schreier nutzt seinen Kurzauftritt sogleich, um zwei Tage nach dem Internationalen Frauentag den weiblichen Aufmarsch des Kammermusik-Ensembles Dresden anzukündigen. Die Damen wiederum huldigen auf der Bühne einem längst verstorbenen Gitarren-Gott, indem sie sein "Purple Haze" zur wahren Streicher-Orgie werden lassen. Hey, Jimi (Hendrix), vielleicht thronst du ja über uns - diese ungewohnte Art einer Live-Version deines Titels hätte dir bestimmt gefallen. |
|||
![]() |
![]() |
![]() |
| Ab diesem Zeitpunkt werden
sich die musikalischen Wege der Stern-Combo und des Kammermusik-Ensembles
bis zum Ende des Konzertes nicht mehr trennen. Als nächstes schnappt sich Norbert Jäger, eigentlich der Percussionist der Band, das Mikro und interpretiert auf beeindruckende Art und Weise "Also was soll aus mir werden". Schön, dass er nicht versucht, wie Fißler zu klingen, sondern seine Form der Interpretation dieses Titels darbietet. Nun ist es wohl an der Zeit, einen weiteren Musiker im Bunde einzuführen, der besonders die 80-er-Jahre-Ära der Meißner Sterne ohne Combo prägte. IC (ehemals Ralf Schmidt) Falkenberg spielt und singt zwei seiner schönsten Titel: "Ich bin frei" und das Reinhard Fißler gewidmete "Lass mich hier nicht liegen". Die Begeisterung des Publikums zeigt, dass auch diese "gängigen" (Pop-) Stücke längst im Hier und Jetzt der Stern-Combo angekommen sind. Natürlich wird es nach diesen beiden Titeln wieder höchste Zeit für eine klassische Adaption! "Der Frühling" von Vivaldi, die wahre Herausforderung für die beiden Band-Keyboarder Frank Nicolovius und Eghard Schumann. Dazu das Kammermusik-Ensemble . wer jetzt keine Gänsehaut bekommt, der ist nicht mehr zu retten. |
![]() |
![]() |
Als nächstes ein Rollentausch.
Martin Schreier, der ursprüngliche SCM-Schlagzeuger, übernimmt kurzzeitig den
Platz hinter den Fellen an Stelle von Michael Behm, der am Mikrofon "Die Sage"
so überzeugend singt, als hätte er sie schon auf „Der weite Weg“ dargeboten. Die
Adaption von Ravels "Bolero", zugleich das neuste (und nur auf der
"40-Jahre-Jubiläums-CD" erhältliche) Stück der Stern-Combo Meissen schickt dann
das begeisterte Publikum in die Pause, in der sich bei einem Bierchen wohl jeder
fragt: "Was kommt nun?" Sollte es tatsächlich das legendäre "Weiße Gold" sein?
Es sollte!
Und so kam was kommen musste, woran man allerdings kaum zu glauben gewagt hatte:
die KOMPLETTE 40-minütige Version von "Weißes Gold", mit einer Vielzahl von
Besonderheiten, wie der fantastisch integrierten Streicher-Begleitung, den
hervorragend gesprochenen Zwischen-Texten durch den "größten, charmantesten
Bassisten mit Hund in Deutschlands" (Zitat IC Falkenberg) Alexander Procop, die
komplett durch IC übernommenen Gesangspassagen und einem Michael Behm, der mit
seiner hohen Kopfstimme unglaubliche Akzente setzte.
Und nach diesem "Klassiker" kam, was kommen musst, der wohl bekannteste und
erfolgreichste "Klassiker" der Stern-Combo. "Der Kampf um den Südpol", gesungen
von Martin Schreier, IC und Michael Behm, signalisierte dem Publikum, dass der
Abend vorbei ist - aber dass das "Haltbarkeitsdatum" dieser 43 Jahre alten Band
wohl einen Ewigkeitsstatus erhält. Die Zukunft der Stern-Combo Meissen scheint
in ihrer frühen Vergangenheit zu liegen, der Blick zurück ist auch ein Blick
nach vorn.
Übrigens lässt das Publikum in seiner Begeisterung die Stern-Combo nicht ohne
eine Zugabe gehen - und die verblüfft dann vollkommen. Der "Säbeltanz" von
Chatschaturjan, den man bisher nur in der Adaption von electra kannte, erfährt
nun die STERN-Stunde seiner Auferstehung.
"Mein Gott!" - dachte ich danach - und verließ als (Musik-) Gläubiger die
Kirche. Mein Dank für diese Bekehrung geht an die Stern-Combo Meissen!