10.12.2007  -  Cäsar und Blank in Berlin

Konzerte

Fotos & Bericht:  Thomas ... vielen Dank

Cäsar

 

 Dass man auch mit für hiesige Gepflogenheiten eher untypischen Understatement eine ´´overpopulated location´´ - noch dazu an einem Montagabend (!) vorweisen kann, bewiesen einmal mehr die für die sogenannte Öffentlichkeitsarbeit verantwortlichen Programmverkünder des um sein Bestehen kämpfenden Café Garbáty, fanden sich doch im Dezember-Faltblatt unter nämlichen Datum gerade mal sieben dürre Worte:

Die Rocklegende Cäsar mit seinen langjährigen Weggefährten - da man aber unter letzterem Begriffe getrost die erste Garnitur hiesiger Virtuosen vorstellungs- und vorsichtshalber einsortieren kann, folgt man natürlich diesem Rufe aus berufenem Munde, ungeachtet der Tatsache, dass ein annoncierter Cäsar-Auftritt, in welchem musikalischen Umfeld auch immer, sich ohnehin vom ´´optionalen Konjunktiv´´ zum kategorischen Imperativ
(´´Handle nur nach derjenigen Maxime von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“)
(ver-)wandeln sollte...

Für all diejenigen, die sich dem tagein-nachtaus ausgestrahlten Musikgeschichts-Nachhilfe-Unterricht der öffentlich-rechtlich und privat-linken Oberstudienräte unverständlich-ignoranter Weise entziehen, ziehen wir hier erst einmal blank, per Zitat natürlich:

Blank - Der blanke Zufall hat sie nicht zusammengeführt- seit Jahren begeistern Michael Pflüger (bass/voc) und Jürgen Schötz (dr/ voc) die Fans von Cäsar. Gemeinsam mit der Klaus Renft Combo, Gerulf Pannach, Kuno oder Mon­ster schrieben sie Ost- Rockgeschlchte weiter. Es gab Projekte mit Musikern von Keimzeit, mit Norbert Leisegang als Dativband erprobten sie nächte­füllende Partymusik, mit Roland Leisegang bei seinem gar nicht so leisen Alleingang als Kobaltblau. Ein paar Erfahrungen mit Musikern von Dekadance, Ausflüge in Jazz, Soul, Folklore, …

Sie trafen auf Carsten Große (git/voc) und Burghard Kühn (git/voc), beide bluesrockerprobt mit Bluestift, auf einer Bühne gestanden mit Louisiana Red, Lake, Joanna Connor, Mick Taylor, Randy Hansen, Tony Sheridan und anderen Urgesteinen des Blues und des Rock'n Roll.

Im Quartett spielen sie nun mit lauter Rockmusik und leisen Tönen, Tanzbeats und Zuhörtexten eigene Lieblingslieder mit eigenen Worten, aber auch Jugenderinnerungen an die Beatles, Lenny Kravitz, Ideal…- natürlich alles blank gemacht.

Ob Euch die blanke Neugier treibt, oder ihr das blanke Vergnügen schon mal hattet und ob es der blanke Wahnsinn ist, entscheidet selbst nach einem Abend mit blank!!!

Mithin nichts weniger als ´n Blanko-Scheck für blitz-blanke Mugge aus der gediegenen Handarbeitsabteilung und wenn dann noch an Reputation schwerlich zu übertreffende Handwerksmeister wie Cäsar und Boddi Bodag das Material chromatisch-akustisch veredeln, wähnt man sich schon auf der Gala einer Großmeister-Muster-Messe, gelesen und zelebriert vor einem zahlreich erschienenem Auditorium, welches die Kapazitätsgrenzen des Garbáty mehr als ausschöpfte.
Nach einer guten halben Stunde blanker Stromgitarrenmusik aus eigenen und übernommenen Generatoren betrat Cäsar das fast ebenerdige Podium, um nach zwei oft und gern gehörten Klassikern das schon seltener dargebotene ´Whisky´´ und den sich daran anschließenden ´´Mitternachts-Blues´´ aus dem Hause Pannach/Kunert zu intonieren. Inzwischen fand sich der trommelnde Jubilar in spe, Jürgen Schötz, zeitreisender weise zurückversetzt ins Jahr 1996, hatte er doch an Stelle des gewohnten Vierers plötzlich die restlichen zwei Drittel des zu jener Zeit gerade den schlicht und einfach ´´Cäsar - Die Zweite´´ betitelten Silberling veröffentlichenden Trios vor sich..
Mit Volkmar Große an Cäsars Seite boten die drei Akteure dann auch gleich mit ´´Hello Mr. Biedermann´´ einen Track daraus, dem noch weitere im weiteren Verlaufe des Abends von dieser bei Löwenzahn/R.U.M.Records edierten Veröffentlichung folgten, wie z. B. ´´Steig ein´´, welches der ehemalige Mitstreiter (1999-2002) und heutige in mission of polka- Reisende Mario Ferraro dann auch wörtlich nahm und sich mit seinem Arbeitsgerät einstöpselte, um dann in ganz, ganz alte Zeiten (´´Cäsars Blues´´) und nicht ganz so lang zurückliegende (´´Lieb ein Mädchen´´) einzutauchen.
Doch damit der (An-)Verwandlungen noch lange kein Ende. Beim Instrumental ´´t.t.´´ (transformer-track?) wurden aus den drei Gitarreros Perkussionistos, die jeder brasilianische Steel-Band das Wasser hätten reichen können...
Nach der sich daran anschließenden ´´Bauern-Polka´´ erneuter Wechsel, Volkmar Große übergab den Part des Tieftöners an Cäsars Sohn Robert Gläser, um zu erkunden, wie es ´´Im Bauch des Riesen´´ denn so zuginge. Einen Titel später schon ging es mit Mastermind Boddi Bodag an Tatstatur und stimmlichen Bande Richtung ´´Berlin-Mitte´´, danach kam natürlich die Rose zu ihrem ihr zustehenden Recht, geehrt zu werden, um schlußendlich den ´´Apfeltraum´´ Wirklichkeit - zumindest in seiner akustischen Fassung - werden zu lassen...

Ganz großes Kino (in bestem lobhudelnden Sinne) also, was da gestern geboten wurde, schade nur, dass es davon nie niemals nicht eine Kopie zum privaten Gebrauche geben wird, aber irgendwann wird es ja irgendwo wieder einen allseits runden Musikanten-Geburtstag in diesem Kreise geben....