14.05.2005   Puhdys in Kamenz

Sächsische Zeitung 16.05.2005

Diana Kümmel

 

„Wir ha'm die Puhdys so gern"

Es muss eine ganz besondere Verbindung sein: Trotz Dauerregens ließen Tausende Puhdys-Fans ihre Idole nicht im Regen stehen. Kurzerhand packten sie Regenjacken und Regenschirme ein, stapften über matschige Park­plätze und füllten die Ränge des Hutbergs. Denn Puhdys-Konzerte auf dem Hutberg sind echte Legenden; und echte Fans verpassen davon kein einziges Konzert.

Wirklich mieses Wetter

Unter diesen nicht eben schönen Wetterbedingungen war die Erwartungshaltung an die Macher auf der Bühne besonders groß. Die Chemnitzer Jungmusiker Markus Stern & Band hatten es deshalb umso schwerer, das Publikum anzuheizen. Sie hatten nicht nur das schwere Los der Vorband gezogen, sondern mit ihren überwiegend sanften Tönen die Rockerseelen nur mäßig erreicht. Aufforderungen zum gemeinsamen Musizieren kam das Publikum kaum nach. Dieses wollte stattdessen die Rocker aus der Bundeshauptstadt sehen. Jenes Phänomen, das seit 36 Jahren auf der Bühne steht und dabei heute noch Fans anzieht, die nicht mal so alt sind wie die Bandgeschichte. Auch in Kamenz kreischten deshalb wieder nicht nur „alte", sondern auch richtig junge, neue Fans.

Erster Ton reicht aus

So ein Publikum verpflichtet und will gut unterhalten werden. Mit dichtem Bühnennebel und einem Paukenschlag betraten die Puhdys die Bühne. Und dann gelang ihnen das, was der Vorband leider versagt blieb: ausgelassene Zuschauer, die die Songs mitsangen und einfach nur Party feierten. Die Musiker selbst mussten dafür gar nichts machen. Schon der erste Ton ihrer be­kanntesten Titel - natürlich auch „Alt wie ein Baum" und „Wenn ein Mensch lebt" aus dem bekannten „Die Legende von Paul und Paula" - reichte, um die Ränge in Schwung zu bringen.

Nach etwa einer halben Stunde wagten die fünf Musiker den nächsten Schritt: Sie stellten einige Songs ihres neuen Albums (das erscheint voraussichtlich im September) vor. Neben den klassischen Wir-sind­auch-noch-da-Liedern knüpfen sich Maschine & Co darauf auch aktuelle Themen vor. Um Liebe, Hass und Krieg beispielsweise geht es im Lied vom Märchenkönig. Ein Mitmach-Lied, bei dem das Publikum jeweils „Ja" oder „Nein" zu schreien hat. Die Fans auf dem Hutberg begriffen schnell und zeigten, was in ihnen steckt.

Nach den Neuvorstellungen setzte die Ostrocklegende die Liedereise durch die Bandgeschichte fort: „Hiroshima", „Boote der Jugend", „Bis ans Ende der Welt" oder auch das Medley ihrer Lieblings Ost Songs vom Album „Undercover" brachten die Stimmung Höhepunkt. „Ist alles vergessen"  (auch das einer ihrer Hits) kann im Fall von John Lennon wohl nicht gelten. Mit Fotoeinblendungen und Originalsong gedachten die Puhdys bei „Hey John" ihrem Vorbild. Und schufen gleich ein neues, in Form von Peter Meyer. Der ist nämlich „der alte Holzmeyer" und verkündete prompt „Ja, ich leb' noch, ich sterbe nie..."

Zugabe im Regen

Dieses Versprechen ließen sich die Kamenzer und ihre Gäste sofort besiegeln und verlangten trotz der vom Regen nasskalten Füße eine Zugabe. Stadiontauglich dabei der Eisbärensong, der in Kamenz auch lauten könnte: „Hey, wir wollen die Puhdys sehen, wir ha'm die Puhdys so gern."

Dem Phänomen Puhdys auf die Spur zu kommen ist nicht einfach. Doch die gängigen Melodien, die einprägsamen Texte und vor allem das unverfälschte Image dürften wohl dazu beitragen. Und auch ihr Credo, ehrliche Musik zu machen, solange sie Spaß daran haben. Denn den Anspruch auf Rockerpension haben sie längst. Nur sie wollen davon nichts hören. Maschine jedenfalls verabschiedete sich mit: „Tschüss bis zum nächsten Jahr."

Fragen an Puhdys-Keyboarder Peter Meyer

Die Pfingstkonzerte auf dem Hutberg sind eine der wenigen Gelegenheiten, die Puhdys Open Air zu erleben. Wir sprachen mit Keyboarder und Saxophonist PETER MEYER.

Warum immer wieder Hutberg?

Es ist seit der Wende Tradition zu Pfings­ten. Und für uns ist es auch eine Art Sai­soneröffnung, weil es eines der größten Open-Air-Konzerte ist. Außerdem gefällt uns die Kulisse.

Warum ziehen die Puhdys noch immer so viele Fans an?

Es liegt sicherlich an der Atmosphäre und weil die Leute unsere Lieder kennen. Dazu kommt aber auch immer wieder was Neues.

Apropos: Wann können die Fans mit einer neuen Platte rechnen?

Wir haben im Winter an unserer neuen Platte - übrigens der 25. - gearbeitet. Sie soll voraussichtlich im September erscheinen.

Wann sind die Puhdys in Sachsen zusehen?

Unseren nächsten Auftritt haben wir am 21. Mai in Lommatzsch und am 17. November in Freiberg. Außerdem werden wir in diesem Jahr auch wieder mit unseren Familien auf Weihnachtstour gehen. Am 15. Dezember zum Beispiel wieder in Dresden.