14. Juni 2008

Konzerte

Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus  & electra

Electra

Bericht  Jens ... vielen Dank

 

Freitagabend also Stadtfest in Cottbus. Stadtfest bedeutet ja, dass versucht wird, gute Unterhaltung für einen breiten Publikumsgeschmack zu organisieren. In Wahrheit sieht das dann meist so aus, dass es eine endlose Meile an Fressbuden und Verkaufsständen gibt, etliche Bühnen und Fuhrgeschäfte auf begrenztem Raum und viel zu wenige und damit in jeder Hinsicht überfüllte Toiletten ...

Naja, lassen wir uns überraschen.

Die Cottbusser Philharmoniker hatte ich 2005 schon im wundervollen Zusammenspiel mit Stern Meissen erlebt und konnte mir eine ebenso gelungene Kombination mit electra vorstellen. Bernd Aust hatte mir zudem per Mail geantwortet, dass es noch keinen Vorgeschmack auf die im Herbst zu erwartenden Wiederaufführung der Sixtinieschen Madonna sein würde.

Pünktlich um 20.30 Uhr begann das Konzert – mit einer häßlichen Überraschung. Das, was ich vorher als moderate Hintergrundmusik vermutete, war gar keine, sondern notorischer Lärm des etwas entfernteren Rummelplatzes. Permanente Bass-&-Drumsgeräusche sollten uns den gesamten Abend über begleiten. Eine Unverschämtheit gegenüber dem Publikum, und mehr als eine Unhöflichkeit gegenüber den Sinfonikern !! Viel zu leise und zu unausgewogen auch der Sound des Orchesters, das uns mit Filmmusiken versuchte zu begeistern. Ein in jeder Hinsicht blasser und leidenschaftsloser Sprecher lobte selbst pausenlos die Leistung des Orchesters – und kein Wort von electra. Nach einer halben Stunde machte sich Unmut breit, und nach einem weiteren 13-minütigen ( !! ) Stück mit Altsaxofon-Soli verließen die Leute reihenweise den Platz. Wer erstellt eine derartige Dramaturgie ? Sicher war das Stück musikalisch hochgradig spannend und bestimmt auch sehr anspruchsvoll in der Umsetzung, aber absolut deplatziert für ein Volksfest. Und immer noch kein Hinweis auf electra. Mittlerweile war die erste Stunde fast gelaufen und es begann das Rechnen: wenn laut Programm um 22 Uhr bereits der nächste Act laufen soll, zwischendurch noch Umbaupause – ja wann und wie lange dürfen denn die, weswegen viele auf dem Platz waren, überhaupt noch ran ?

Endlich, endlich kündigte der Sprecher die „Dinosaurier des Artrocks“ an und das aufgestaute Warten entlud sich auf beiden Seiten. Electra mit absoluter Spielfreude, Stefan Trepte mit flapsiger Moderation, alle 3 Gesangssolisten in Hochform. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester funktionierte gut, wir standen inzwischen ziemlich nah an der Bühne, so störte der Rummel nicht mehr. Hochinteressant die Titelauswahl ! Besonders fasziniert hat mich die „Frau im Spiegelglas“, die in der orchestralen Umsetzung wirklich unter die Haut ging. Hits wie „4 Milliarden in einem Boot“ und „Nie zuvor“ passten gut ins Programm, Mampe brillierte mit „Weiter weiter“ und dem „Grünen Esel“ ( neben mir schnallten ein paar junge Leute überhaupt nicht, worum es da geht ). electra-Klassikadapionen kamen auszugsweise zur Aufführung, Bernd Aust wie gewohnt ( und wehe nicht ! ) mit schönen Grüßen an Ian Anderson, Kuddel Riedel und Ekki Lipske alberten herrlich herum, naja und natürlich „Tritt ein in den Dom“ mit einem ungewohnte Vorspiel von Andres „Bruno“ Leuschner an den Tasten ... Jawohl, genau das wollten wir erleben, und genau so hatte ich mir die Umsetzung auch vorgestellt. Stefan Trepte und Bruno Leuschner verabschiedeten „den Altenteil der Band ins Sauerstoffzelt“ ( O-Ton Trepte ) und setzten gemeinsam mit dem Orchester mit „Seh in die Kerzen“ ein im doppelten Sinn des Wortes leuchtendes Finale.

Dankeschön, meine Damen und Herren , das war große Kunst, und allen hat es sichtbar Spaß gemacht.