Engerling - Berlin / Peter Edel  am 14.12.2007

Konzerte

Bericht  Thomas ... vielen Dank

Engerling

 

Um mal der grassierenden Superlativismus-Seuche noch ´n paar weitere sinnfreie super-mega-ober-giga-geile Bazillen zu injizieren:

Am Schönsten war´s mit Engerling in Haselberg - schon allein deshalb, weil es da um die Außentemperaturen freundlicher bestellt ward.

Am Schönsten war´s mit Boddi & Co. inne Berliner Wabe - schon allein deshalb, weil da der ´´Foot Of Pride´´ mit selten erreichter Vitalität in die Gehörgänge getreten wurde (trotz vergleichbarer handarbeitlicher Maßarbeit der Herren Dylan und/oder Reed - Lou wohlgemerkt, nicht etwa der in diversen Publikationen frisch beweihräucherte trällernde Kuhjunge selbigen Namens).

Am Allerschönersten aber war es gestern im ´Peter Edel´ - schon allein deshalb, weil der Ufo aus seiner Kanne wieder herausblasen konnte, was nur irgendwie an tonalem Inhalt hinein passte - was nicht nur die Engerlinge seit Jahr und Tag zu goutieren wissen.

Trotz weihnachtlich dekoriertem Bühnenhintergrund des ehemaligen Kreiskulturhauses mit ewiglich real-sozialistischem Ausstattungs-Charme kein Wunschkonzert, ergo kein ´´Foot of Pride´´, aber jede Menge anderer Geschenke, dargeboten einer erwartungsfrohen, so zahlreich erschienenen (Blues-)Klientel, dass man fast in Versuchung käme, sein Bild vom Berliner Konzertgänger als solchem  - wenn auch zaghaft-zögerlich - zu relativieren...
fast...

Am Anfang war (nicht das Wort, sondern) der Akkord von ´´Stille Nacht, heilige Nacht´´ als Intro zu Velvet Undergrounds Dealer-Hommage ´´Waiting For My Man´´, womit sicher nicht der Rotbemäntelte gemeint ist - aber wie alles im Leben: reine Frage der Auslegung...
Ohne nennenswerte Unterbrechung fanden sich daraufhin gleich die nächsten Herren ein: ´´Hoochie Coochie Men´´ - zweierlei Drogen präferierend, im gar nicht so seltenen Extremfalle beide tödlich; erstere kann - letztere muß man (als Mann oder was sich so dafür hält) dann aber schon haben...
Da ´´müssen´´ aber nun mal auch das ´´können´´ impliziert - oder beinhalten sollte -, beides aber im richtigen Leben nicht immer in harmonischer Beziehung zueinander steht, kann man(n) schon mal den Blues bekommen, darum folgerichtig Titel Numero vier des Abends: der ´´Engerling-Blues´´. Da aber Boddi Bodag auch als Texter vor über dreissig Jahren schon so weise war wie mancher es mit über Hundert nicht sein wird, wußte er damals schon ´´Da hilft kein Jammern´´, schon gar nicht über die im sich anschließenden ´Muschellied´´ geschilderten Befindlichkeiten. Musikalisch hochtouriger ging´s dann im (rosa (?), da das ´´The Pink Panther-Motiv phrasierend ´´) ´´Cadillac´´ den sich veränderten, anderen Zeiten entgegen, um im ´´Legoland´´ einen kleinen Zwischenstop an (Box) ´´Nr. 48´´ einzulegen und nach einer weiteren Eigenkomposition mit der in unvergänglicher Schönheit strahlenden ´´Jessica´´ Richtung Pause zu entschweben.

Frisch aufgetankt - und gnadenlos von Hannes Schulze vor(an)getrommelt - des zweiten Teiles furioser Auftakt:
das ´´irgendwie´´ alt-bekannte, gut-vertraute Psychogramm PARS PRO ´´TOm TOmski´´... (na gut -stellvertretend für fast alle; oberklug-überreife Sermon-Verbreiter, deren Echo schneller als der Ruf uns ereilt, seien davon ausdrücklich ausgenommen! Die alten Geschichten halt, egal ob ´´So oder so´´ - es ist eh eitel Haschen nach dem Winde...)
Mit etwas anders gearteten älteren und nicht ganz so alten Geschichten ging es Richtung akustischer Intensiv-Station, um dann, den ´´Narkose Blues´´ sezierend, den darin eingebetteten ´´Ring of Fire´´ zu zelebrieren und sich mittels dessen Leuchtkraft den Herzmuskel des Konzertes freizulegen:
AL WILSON ´´in extended play´´, der - ohnehin schon ein Überflieger - noch an kosmischer Dimension gewann durch einen ´´anonymen´´ Prince of Harp, welchem wahrscheinlich in seiner postnatalen Phase an Stelle des Schnullers ´ne Blues-Mundharmonika zwischen die noch zahnfreien Kiefer geschoben wurde und der sich deshalb mit Boddi Bodag auch ein solch un-erhörtes Duell liefern konnte - wem da nicht die Sonne im Herzen aufschien, der steht sicher auch ansonsten ziemlich im Dunklen.
Letzter Titel im ´´Pflichtprogramm´´ noch mal Dylan, ´´Like A Rolling Stone´´ mit den gewohnten ´Guantanamera´´-´Einsprengseln. Die Zugaben-Kür wurde mit ´´Die Anderen´´ eröffnet, um danach etwas irreführend zu behaupten ´´Das Spiel ist aus´´, gibt es da doch noch einen gewissen Mitch Ryder resp. seine Titel im Engerling-Repertoire...

Davon, dass die Band diese nicht nur covern, sondern auch per excellance zusammen mit dem Maestro zum Vortrage bringen kann, sollte man sich an einem (oder mehreren) dieser Orte selbst vergewissern