16.11.2007  -  Cäsar Big Band in Berlin

Konzerte

Bericht Holger ... vielen Dank

Cäsar

 

„Rechts oder links/wo ist denn da der Unterschied? Links oder rechts – nur Leut’ ohne Haar!“, sang Caesar auch am Freitagabend in der Kulturbrauerei Berlin. Gelächter flackert auf, denn man sieht sich um und  -- es ist unübersehbar: Das Publikum ist im Schnitt Ende 40, überwiegend männlich und: Resthaarträger.

Oben auf der Bühne ein fast 60jähriger Messias des früh70er Ostrocks umgeben von Musikern, die seine Enkel sein könnten. VOR der Bühne, rhythmisch mitwankend – WIR, die Zwischengeneration, die seinerzeit nicht mehr Hippie und noch nicht Punk war, die brav Blauhemd trug (unterm Rollkragenpullover), aber auch die Erinnerung an Renft hochhielt, als die Mehrheit der West-Medien sich nur für Biermann interessierte. 

Während letzterem langsam das Publikum abhanden kommt, war das Kesselhaus am Freitag gut gefüllt.

Renftens Cäsar war in Form wie lange nicht mehr. Zweieinhalb Stunden nonstop querbeet durch rund 40 Jahre Lebenswerk. Mit 8 Spieler-Mitstreitern in flexiblem Wechselspiel kam (fast) alles zu Gehör, was nicht vergessen werden sollte: Kain ist tot, Wandersmann, Apfeltraum, gelber Mond, … und-und-und.

Mir fiel auf, wie groß der Bogen ist, der um das Karussellrepertoire gemacht wurde. Nur die ganz eindeutigen „Peter Gläser Nummern“ wurden geboten: Bruder Blues, Lieb ein Mädchen, Whiskey, McDonald. Kein: Entweder oder, ehrlich will ich bleiben, Halte durch, Wiedersehn im Traum, nämlich bin ich glücklich …

Warum? Weil dazu die Stimme von Oschek Huth gehört? Renftens Wandersmann ist auch eine Monster-Nummer, die seit Jahren im Spielerprogramm funktioniert! 

Schwamm drüber. Cäsar ist der einzige der alten Ostrockriege, der (beinahe regelmäßig) noch neue Songs veröffentlicht, die obendrein den Vorzug haben, dass sie sich durchaus mit den alten Klassikern messen können, auch wenn sie nun mal nicht durch ein Verbot geadelt wurden. Die zahlreich dargebotenen Stücke der Zeitlos-CD ließen das spüren.  

Um 21.30 Uhr mit halbstündiger Verspätung wurde die Legendenfeier gestartet, Sekunden vor Mitternacht verklangen die letzten Töne von „Wer die Rose ehrt“. 150 Minuten Standpauke in Sachen alter Ideale! Stehend entgegengenommen! Trotzdem glücklich! Steifbeinig wankte mancher in Richtung Garderobe. Verjüngt im Geiste, aber fertig auf den Hüften – denn unsere wilden Jahre sind lange vorbei. Aber: „Wenn dieses Lied kommt, weiß ich woher…“